Umsatzsteuer, Grundnahrungsmittel

Umsatzsteuer Österreich: Grundnahrungsmittel ab Juli mit 4,9 Prozent

02.07.2026 - 21:41:24 | boerse-global.de

Seit Juli gilt in Österreich ein reduzierter Steuersatz von 4,9 Prozent für viele Lebensmittel. Händler gaben die Entlastung zu über 90 Prozent weiter.

Österreich senkt Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel auf 4,9 Prozent
Umsatzsteuer - Nahaufnahme von Grundnahrungsmitteln wie Brot, Milch und Gemüse auf einem Holztisch, die die Umsatzsteuersenkung in Österreich symbolisieren. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit dem 1. Juli gilt in Österreich ein neuer Umsatzsteuersatz für Grundnahrungsmittel. Statt 10 Prozent werden jetzt nur noch 4,9 Prozent fällig – zeitlich unbegrenzt.

Brot, Milchprodukte, Obst, Gemüse und Getreideerzeugnisse sind die großen Gewinner der Reform. Die Regierung will so die Lebenshaltungskosten für Haushalte senken. Zur Gegenfinanzierung trat zeitgleich eine neue Abgabe auf Paketsendungen aus Drittstaaten in Kraft.

Komplexe Regeln für Semmeln und Croissants

Die Umsetzung ist knifflig. Das Finanzministerium veröffentlichte eine detaillierte Liste, die sich an Zolltarifnummern sowie Fett- und Zuckergehalten orientiert.

Einfache Backwaren wie Semmeln profitieren vom ermäßigten Satz. Croissants dagegen nicht – sie enthalten mehr als 5 Prozent Fett oder Zucker in der Trockenmasse und bleiben bei 10 Prozent.

Ähnlich kompliziert wird es bei anderen Produkten: Frischer Blattspinat ist begünstigt, verarbeiteter Cremespinat nicht. Bei Skyr oder Joghurt entscheidet die Herstellungsweise oder der Fruchtzusatz über die Steuerklasse. Im Gastronomiebereich oder beim direkten Verzehr im Geschäft – etwa einer belegten Buttersemmel – gilt weiterhin der höhere Satz.

Der Handelsverband warnte vor erheblichem Mehraufwand. Schätzungen zufolge investierte der Handel rund 6 Millionen Euro in IT-Umstellungen der Kassensysteme. Große Ketten wie Spar stellten rund 16.000 Artikel um, Billa etwa 4.000 und der Diskonter Hofer rund 230 Produkte.

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Hohe Weitergabequote in den ersten Stunden

Die Arbeiterkammer Oberösterreich untersuchte die Preisweitergabe direkt nach Inkrafttreten. Bei einer Stichprobe von knapp 7.000 Produkten gaben die Händler rund 90,6 Prozent der rechnerischen Steuerentlastung an die Kunden weiter. Strategische Preiserhöhungen im Vorfeld gab es laut den Testern nicht.

Wie stark entlastet das die Haushalte? Experten rechnen mit einer Ersparnis von 6 bis 7 Euro pro Monat für einen Durchschnittshaushalt – rund 100 Euro im Jahr. Für Haushalte mit geringem Einkommen liegt die monatliche Entlastung bei unter 5 Euro. Makroökonomisch könnte die Maßnahme die Inflation bis Mitte 2027 um etwa 0,15 Prozentpunkte dämpfen.

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) beobachtet die Preisentwicklung genau. Sie nimmt Hinweise auf Verstöße entgegen, erste offizielle Prüfungsergebnisse werden in einigen Monaten erwartet.

Paketabgabe als Gegenfinanzierung

Der Staatshaushalt verliert durch die Steuersenkung rund 400 Millionen Euro pro Jahr. Für das restliche Kalenderjahr 2026 werden die Kosten auf etwa 200 Millionen Euro beziffert.

Zur Gegenfinanzierung führt Österreich eine neue Abgabe auf Importpakete aus Drittstaaten ein. Je nach Sendung werden 2 bis 3 Euro fällig – das soll jährlich rund 280 Millionen Euro bringen. Zudem wurde die Senkung der Mineralölsteuer bei der Spritpreisbremse leicht reduziert.

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Neben den Steueränderungen traten am selben Tag Erleichterungen am Flughafen Wien in Kraft. Vereinfachte Sicherheitskontrollen für elektronische Geräte und eine erhöhte Freigrenze für Flüssigkeiten im Handgepäck von bis zu zwei Litern sollen das Reisen angenehmer machen.

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