Trump beharrt auf Gaza-Plan - Scholz nennt Vorstoà skandalös
10.02.2025 - 06:35:03Auf einem Flug mit der PrĂ€sidentenmaschine Air Force One sagte der Republikaner ĂŒber das KĂŒstengebiet: "Wir sind entschlossen, es zu besitzen, es zu nehmen und sicherzustellen, dass die Hamas nicht zurĂŒckkommt." Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnete Trumps Vorhaben, die PalĂ€stinenser aus dem Gazastreifen umzusiedeln und den KĂŒstenstreifen zu einer "Riviera des Nahen Ostens" zu machen, als "Skandal".
Trump sprach auf dem Flug vor Journalisten darĂŒber, den Gazastreifen zu kaufen. Teile des Gebiets könnten anderen Staaten im Nahen Osten fĂŒr den Wiederaufbau ĂŒberlassen werden, sagte er. Vergangene Woche hatte Trump im Beisein des israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu erstmals verkĂŒndet, die USA wĂŒrden den Gazastreifen "ĂŒbernehmen" und das - nach 15 Monaten Krieg von Tod und Zerstörung gezeichnete - Gebiet in eine wirtschaftlich florierende "Riviera des Nahen Ostens" verwandeln.
Die im Gazastreifen lebenden PalĂ€stinenser sollen das Gebiet nach dem Willen Trumps verlassen - obwohl eine Vertreibung der gut zwei Millionen Menschen Experten zufolge gegen das Völkerrecht verstoĂen wĂŒrde und die Vereinten Nationen bereits vor einer "ethnischen SĂ€uberung" warnen.
Scholz und Merz reagieren irritiert auf Trumps VorstoĂ
Die von Netanjahu begrĂŒĂten - und von Ăgypten und anderen LĂ€ndern der Region entschieden abgelehnten - Aussagen des US-PrĂ€sidenten lösten heftige Kritik im In- und Ausland aus. Kanzler Scholz kritisierte Trumps VorstoĂ als skandalös. "Die Umsiedlung von Bevölkerung ist nicht akzeptabel und gegen das Völkerrecht", sagte der SPD-Politiker im TV-Duell mit Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz in ARD und ZDF. Im Ăbrigen sei die Bezeichnung "Riviera des Nahen Ostens" angesichts der unglaublichen Zerstörung im Gazastreifen "furchtbar".
Merz erklÀrte, er teile die EinschÀtzung des Kanzlers. Trumps Vorstoà gehöre in eine ganze Serie irritierender VorschlÀge aus der US-Administration. "Aber man muss abwarten, was davon dann wirklich ernst gemeint ist und wie es umgesetzt wird. Da ist wahrscheinlich auch viel Rhetorik dabei."
Trump zufolge sollen die Einwohner des Gazastreifens kĂŒnftig in anderen arabischen Staaten unterkommen. "Sie wollen nicht nach Gaza zurĂŒckkehren", behauptete der Republikaner. "Der einzige Grund, warum sie ĂŒber eine RĂŒckkehr nach Gaza sprechen, ist, dass sie keine Alternative haben." Trump stellte es so dar, als sorge er sich vor allem um das Wohlergehen der Zivilbevölkerung, die im zerstörten Gazastreifen nicht lĂ€nger leben könne.
Trumps Berater hatten sich vor seinen erneuten Einlassungen an Bord der PrĂ€sidentenmaschine zwar bemĂŒht, die vorherigen ĂuĂerungen des PrĂ€sidenten zu entschĂ€rfen. Der US-Sondergesandte fĂŒr den Nahen Osten, Steve Witkoff, sagte etwa, Trump wolle weder US-Soldaten in den Gazastreifen schicken noch Geld fĂŒr den Wiederaufbau bereitstellen. Die Kritik ebbte aber dennoch nicht ab. Bislang hat sich auch kein arabisches Land der Region bereit erklĂ€rt, die Menschen auf Trumps Wunsch hin aufzunehmen.
Nach Trumps VorstoĂ zur Umsiedlung der Bewohner des Gazastreifens ist in Ăgypten ein Gipfeltreffen zur Lage der PalĂ€stinenser geplant. PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas habe das Spitzentreffen arabischer Staaten beantragt, teilte das Ă€gyptische AuĂenministerium mit. Am 27. Februar sollten die Staats- und Regierungschefs der Region in Kairo ĂŒber die "neue und gefĂ€hrliche Entwicklung in der PalĂ€stinenserfrage" beraten, hieĂ es.
Israel weitet MilitÀroffensive im Westjordanland aus
Unterdessen geht die israelische Armee im Gazastreifen und auch im Westjordanland weiter mit HĂ€rte gegen militante PalĂ€stinenser vor. Bei neuen MilitĂ€reinsĂ€tzen wurden nach palĂ€stinensischen Angaben sechs Menschen getötet. Im Westjordanland weitete die Armee ihre vor zwei Wochen begonnene Offensive abermals aus und rĂŒckte in das FlĂŒchtlingsviertel Nur Schams ein. Dabei wurden nach palĂ€stinensischen Angaben zwei Frauen getötet. Eine von ihnen sei schwanger gewesen.
Auch das Ungeborene habe nicht ĂŒberlebt, teilte das palĂ€stinensische Gesundheitsministerium in Ramallah mit. Die 23-JĂ€hrige sei im achten Monat schwanger gewesen. Auch ihr Mann sei lebensgefĂ€hrlich verletzt worden, als israelische Soldaten das Feuer auf ihr Fahrzeug in Nur Schams bei der Stadt Tulkarem im Norden des Westjordanlandes eröffneten. Die Armee teilte spĂ€ter mit, die Verbrechensabteilung der MilitĂ€rpolizei untersuche den Vorfall.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz betonte, das MilitĂ€r habe die Operation "Eisenmauer" auf Nur Schams ausgeweitet. "Wir zerschlagen die terroristische Infrastruktur in den FlĂŒchtlingslagern und verhindern ihre RĂŒckkehr. Wir werden nicht zulassen, dass die iranische Achse des Bösen eine östliche Terrorfront aufbaut", sagte der Minister.
Tote auch im Gazastreifen
Im Gazastreifen bleibt die Lage trotz der seit dem 19. Januar geltenden Waffenruhe zwischen Israels Armee und der Terrororganisation Hamas weiter Ă€uĂerst angespannt. Israelische Soldaten erschossen nach palĂ€stinensischen Angaben vier Menschen. In Gaza-Stadt seien drei junge MĂ€nner getötet worden, teilte der von der islamistischen Hamas kontrollierte Zivilschutz mit.
Anwohner erzĂ€hlten der Deutschen Presse-Agentur am Telefon, die Opfer hĂ€tten israelische MilitĂ€reinheiten in der NĂ€he des Grenzzaunes zu Israel gefilmt, woraufhin die Soldaten das Feuer eröffnet hĂ€tten. Im SĂŒden des Gazastreifens sei eine Ă€ltere Frau erschossen worden, als sie zu ihrem Haus gelangen wollte, berichtete das ebenfalls von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium.
Die israelische Armee teilte auf Anfrage mit, Soldaten hĂ€tten im Norden des Gazastreifens das Feuer auf mehrere VerdĂ€chtige eröffnet, die sich ihren Stellungen in der Pufferzone am Grenzzaun genĂ€hert hĂ€tten. Es habe Treffer gegeben, worauf sich die VerdĂ€chtigten zurĂŒckgezogen hĂ€tten. Die Armee rief erneut alle Bewohner des Gazastreifens auf, sich keinesfalls israelischen Truppen zu nĂ€hern. Die Angaben beider Seiten lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Auslöser des Gaza-Kriegs war das Massaker der Hamas und anderer Extremisten aus dem Gazastreifen am 7. Oktober 2023 in Israel. Damals wurden rund 1.200 Menschen getötet und etwa 250 in den Gazastreifen verschleppt. Israel ging daraufhin zum Angriff ĂŒber. Nach palĂ€stinensischen Angaben wurden bei den 15-monatigen KĂ€mpfen mehr als 48.000 PalĂ€stinenser getötet, darunter vor allem Zivilisten.

