Volkswagen, Werke

Volkswagen: Vier Werke vor Schließung, bis zu 100.000 Jobs gefährdet

03.07.2026 - 03:19:43 | boerse-global.de

Volkswagen erwägt die Schließung von vier deutschen Standorten. Auch Mercedes und Zulieferer Mahle kämpfen mit Sparmaßnahmen und Protesten.

VW plant Werkschließungen: Eskalation in der Autokrise
Volkswagen - Arbeitnehmer protestieren vor einer großen Automobilfabrik, um auf Werksschließungen und Sozialpläne in der deutschen Industrie aufmerksam zu machen. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Parallel dazu protestieren tausende Beschäftigte bei Mercedes-Benz gegen den Sparkurs. Die Krise in der Automobilbranche erreicht eine neue Eskalationsstufe.

VW: Vier Standorte auf der Kippe

Der Aufsichtsrat kommt am 9. Juli zusammen – und die Erwartungen sind düster. Konzernkreise sprechen von möglichen Schließungen in Zwickau, Hannover, Emden und Neckarsulm. Weltweit könnten bis zu 100.000 Stellen wegfallen.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies schlug einen ungewöhnlichen Ausweg vor: in China entwickelte Modelle in deutschen Werken zu fertigen. Betriebsrat Mike Rösler pocht dagegen auf die Produktion des Modells ID.9 Era in Zwickau. Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer wirft dem Konzern vor, von Zusagen abzurücken – immerhin flossen bis Anfang 2022 rund 1,2 Milliarden Euro in den Umbau des Standorts zur E-Auto-Fabrik.

IG Metall ruft zu Kundgebungen auf

Bei Mercedes-Benz eskalierte der Tarifkonflikt. Am heutigen Freitag finden in Sindelfingen, Bremen und Berlin Protestaktionen statt. Der Konzern verschob eine tarifliche Sonderzahlung von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts auf 2027 – betroffen sind rund 90.000 Beschäftigte.

Die Zahlen geben Anlass zur Sorge: Im ersten Quartal brach das Ergebnis um 17,2 Prozent ein.

Mahle: Lohnverzicht gegen Jobgarantie

Der Zulieferer Mahle geht einen anderen Weg. An den Standorten Stuttgart und Kornwestheim verzichten rund 4.000 Beschäftigte auf die Tariferhöhung 2026 sowie Teile von Weihnachts- und Urlaubsgeld. Im Gegenzug sichert das Unternehmen Jobs bis Ende 2029. Eine Ausstiegsklausel gibt es ab Ende 2028.

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Mahle fuhr im Geschäftsjahr 2025 bei 11,26 Milliarden Euro Umsatz nur 20 Millionen Euro Gewinn ein – ein leichter Rückgang.

Kooperationen platzen, Zulieferer geben auf

Die Automated Driving Alliance zwischen Bosch, VW und der VW-Tochter Cariad wurde aufgelöst. VW steckte rund 1,5 Milliarden Euro in das Projekt. Auch mittelständische Zulieferer geraten unter Druck: Bohai Trimet kündigte die Schließung seines Werks in Sömmerda an, rund 100 Arbeitsplätze sind betroffen.

Brauereien und Maschinenbau unter Druck

Die Krise erfasst längst andere Branchen. Die Stieglbrauerei gibt ihre Logistikstandorte in Tirol und Oberösterreich auf – die 48 Mitarbeiter sollen von neuen Partnern übernommen werden. Grund sind Rückgänge im Gastronomiegeschäft.

In Ostwestfalen-Lippe steht die Herforder Brauerei Ende August vor dem Aus, die Paderborner Brauerei soll verkauft werden.

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Bei der PCT Maschinenbau GmbH (Polar-Mohr) wurde am 1. Juli das Insolvenzverfahren eröffnet. Hauptkunde Heidelberger Druckmaschinen übernimmt Produktion und Entwicklung und verlegt den Standort von Hofheim nach Eschborn.

Politik bereitet Arbeitsmarktreformen vor

Die Bundesregierung reagiert mit gesetzlichen Änderungen. Geplant ist, sachgrundlose Befristungen für Einstellungen bis Ende 2030 auf bis zu 48 Monate zu verlängern. Hochverdiener ab rund 15.000 Euro Monatsgehalt sollen leichter kündbar sein. Gleichzeitig wird die telefonische Krankschreibung abgeschafft – künftig ist ab dem ersten Tag ein Attest nötig.

BAG-Urteil: Fehler in Massenentlassungsanzeigen nicht automatisch fatal

Das Bundesarbeitsgericht urteilte am 25. Juni: Eine geringfügig zu hoch angegebene Zahl an Entlassungen macht Kündigungen nicht automatisch unwirksam – solange der Schutzzweck der Anzeige gewahrt bleibt.

Tarifeinigung im Nahverkehr

Im öffentlichen Nahverkehr Niedersachsens konnte eine Eskalation abgewendet werden. Schlichter Bodo Ramelow verkündete am 2. Juli eine Einigung für rund 4.550 Beschäftigte. Die Gremien müssen noch zustimmen.

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