VW-Krise, Stellen

VW-Krise: 50.000 Stellen Abbau geplant – IG Metall kündigt Widerstand an

18.06.2026 - 19:12:34 | boerse-global.de

Der DGB kritisiert die geplanten Ausnahmen vom Achtstundentag scharf. Parallel dazu sorgt der VW-Sparkurs mit 35.000 Stellenstreichungen für Konflikte.

DGB protestiert gegen Reform des Arbeitszeitgesetzes
VW-Krise - Hände eines Arbeiters, der auf einem Tablet mit Zeiterfassung in einer Fabrikumgebung navigiert, im Kontext von Arbeitszeitdebatten. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein aktueller Entwurf aus dem Bundesarbeitsministerium sorgt für heftige Diskussionen zwischen Politik, Wirtschaft und Arbeitnehmervertretern.

Flexiblere Arbeitszeiten oder Abbau von Schutzrechten?

Der Gesetzesentwurf sieht vor, den Achtstundentag grundsätzlich beizubehalten. Allerdings sollen Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen künftig erweiterte Ausnahmen ermöglichen. Konkret könnte eine wöchentliche Höchstarbeitszeit vereinbart werden, sofern sie im Jahresschnitt 48 Stunden nicht überschreitet. Zusätzlich ist eine verpflichtende elektronische Zeiterfassung geplant.

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Wirtschaftsverbände und Teile der Union fordern eine noch umfassendere Flexibilisierung für alle Arbeitnehmer. Der DGB und Teile der SPD warnen dagegen vor einer Aufweichung bewährter Schutzstandards. SPD-Chefin Bärbel Bas sprach sich klar gegen die Pläne zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit aus. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger verlangt den Rückzug des Entwurfs – aus seiner Sicht werde er den Anforderungen einer modernen Arbeitswelt nicht gerecht.

Hitzeschutz als neuer Streitpunkt

In die Debatte mischt sich eine weitere Forderung: verbesserter Hitzeschutz am Arbeitsplatz. Experten der Allianz-Versicherung empfahlen Mitte Juni flexible Arbeitszeiten und Siesta-Modelle. Ihr Argument: Bei steigenden Temperaturen ließe sich so die Produktivität sichern.

Anja Piel vom DGB-Vorstand zeigt sich skeptisch. Sie warnte davor, die Hitzeschutz-Diskussion als Vorwand zu nutzen, um den Achtstundentag auszuhebeln.

Volkswagen: Sparkurs auf Kosten der Beschäftigten

Besonders deutlich zeigt sich der Druck auf die Arbeitnehmer in der Automobilindustrie. Bei der VW-Hauptversammlung am heutigen Donnerstag verteidigte Konzernchef Oliver Blume einen verschärften Sparkurs. Bei der Kernmarke sollen bis 2030 rund 35.000 Stellen wegfallen. Für 28.000 Beschäftigte seien bereits freiwillige Austritte vereinbart worden.

Konzernweit plant VW den Abbau von insgesamt 50.000 Stellen. Die Produktionskapazitäten in Europa und China sollen jeweils um 500.000 Fahrzeuge sinken. Die IG Metall und der VW-Betriebsrat kündigten Widerstand gegen mögliche Werksschließungen an.

Besonders prekär ist die Lage am Standort Osnabrück. Nach dem Werksurlaub soll dort eine Vier-Tage-Woche eingeführt werden. Für die rund 2.000 Mitarbeiter gibt es über 2027 hinaus keine gesicherte Perspektive. Gespräche über eine Nachnutzung durch Rüstungskonzerne laufen bereits.

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Industriebeschäftigung auf Tiefstand

Der strukturelle Wandel zeigt sich in Zahlen: Eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung belegt den niedrigsten Stand der Industriebeschäftigung seit 2014. Der Anteil der Industriebeschäftigten am Gesamtarbeitsmarkt fiel von 22 auf 19 Prozent. Hauptgrund sei ein Rückgang bei den Neueinstellungen, so die Studie. Zudem schrumpfte der Lohnvorteil für Einstiegsgehälter in der Industrie deutlich.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen kann die IG Metall Erfolge verbuchen. Bei den Betriebsratswahlen im Frühjahr steigerte die Gewerkschaft ihren Mandatsanteil auf 74 Prozent – ein Plus von vier Prozentpunkten gegenüber 2022. Besonders stark schnitt sie bei den Betriebsratsvorsitzenden ab: 87 Prozent der Positionen sind in ihrer Hand.

Protest gegen Schuldenbremse und „Rente ab 70“

Die betrieblichen Auseinandersetzungen werden von zivilgesellschaftlichem Protest flankiert. In Hessen rief ein Bündnis aus DGB, Sozialverbänden und Umweltorganisationen für die zweite Junihälfte zu landesweiten Aktionstagen auf. Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ richtet sich der Protest gegen die strikte Einhaltung der Schuldenbremse. Gefordert werden stattdessen Investitionen in soziale Sicherheit und Bildung.

Gleichzeitig wächst der Widerstand gegen eine Anhebung des Renteneintrittsalters. Nachdem aus Regierungskreisen eine „Rente ab 70“ ins Gespräch gebracht wurde, schlugen Sozialverbände wie der VdK und der SoVD Alarm. Sie fordern, versicherungsfremde Leistungen stärker aus Steuermitteln zu finanzieren – statt die Belastungen einseitig auf die Versicherten abzuwälzen.

Industriekonzerne warnen vor Kostenexplosion

Auch in der energieintensiven Industrie brodelt es. 40 Großkonzerne forderten Mitte Juni in einem Schreiben an die EU-Spitze ein Eingreifen gegen steigende Kosten im Emissionshandel. Die IG Metall stützt diese Forderung. Ohne Kurskorrekturen seien Zehntausende Arbeitsplätze durch Produktionsverlagerungen gefährdet, warnt die Gewerkschaft.

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