Wohnungsbau, Niedersachsen

Wohnungsbau in Niedersachsen: Branche fordert 2026 zur Trendwende

30.04.2026 - 16:45:23 | boerse-global.de

Die Bauwirtschaft fordert von der niedersächsischen Politik entschlossene Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel und erklärt 2026 zum entscheidenden Jahr für den Neubau.

Wohnungsbau in Niedersachsen: Branche fordert 2026 zur Trendwende - Foto: über boerse-global.de
Wohnungsbau in Niedersachsen: Branche fordert 2026 zur Trendwende - Foto: über boerse-global.de

Die Bau- und Wohnungswirtschaft verlangt radikale Maßnahmen gegen den stockenden Wohnungsneubau – und erklärt 2026 zum „Jahr der Umsetzung“.

Die Fertigstellungszahlen sind massiv eingebrochen. Branchenvertreter fordern schnellere Entbürokratisierung und niedrigere Standards. Der Bedarf ist enorm: Bis 2045 braucht das Land über 200.000 neue Wohnungen.

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Dramatischer Rückgang der Fertigstellungen

Die Statistik zeigt die ganze Härte der Krise. 2024 wurden in Niedersachsen nur 19.352 neue Wohnungen fertiggestellt – ein Minus von 23,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders hart traf es den Bau von Mehrfamilienhäusern mit mindestens vier Wohneinheiten. Hier lagen die Einbrüche sogar über 25 Prozent.

Auch die Baugenehmigungen setzen den Negativtrend fort. Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete das Land einen weiteren Rückgang um neun Prozent.

Die NBank analysierte Ende 2025 im Wohnungsmarktbericht den Bedarf: 218.000 neue Wohnungen bis 2045, vor allem im Geschosswohnungsbau. Gleichzeitig drohen in strukturschwachen Regionen Überhänge von rund 191.000 Einheiten durch Leerstände. Eine regionale Diskrepanz, die die Situation in Ballungsräumen verschärft.

Wirtschafts- und Bauminister Grant Hendrik Tonne setzt auf eine Doppelstrategie: Im ländlichen Raum Modernisierungen vorantreiben, in urbanen Zentren den Neubau massiv forcieren.

Die „Umbauordnung“ als Wegbereiter

Das Land hat 2024 und 2025 die Niedersächsische Bauordnung (NBauO) mehrfach novelliert. Die Reformen gelten bundesweit als richtungsweisend und wurden Mitte 2025 mit Innovationspreisen ausgezeichnet. Kernstück: Erleichterungen beim Bauen im Bestand.

Die wichtigsten Änderungen:

  • Reduzierung der Grenzabstände von 0,5 H auf 0,4 H – ermöglicht dichtere Bebauung
  • Aufhebung der Pflicht für Kfz-Stellplätze bei neuen Wohngebäuden
  • Anerkennung von Typengenehmigungen aus anderen Bundesländern
  • Einführung des Gebäudetyps E für einfacheres Bauen

Tonne erklärte, der Staat müsse dort loslassen, wo es sinnvoll sei. Die Kommunen müssten die neuen Freiheiten nun konsequent nutzen.

Staatliche Förderung und neue Akteure

Ein Hoffnungsträger ist die landeseigene WohnRaum Niedersachsen GmbH (WBN). Sie nahm im Mai 2024 unter Geschäftsführerin Sylva Viebach den operativen Betrieb auf. Die Gesellschaft kauft Projekte an oder tritt als Partnerin für Kommunen auf. Viebach betonte, die WBN wolle nicht primär selbst bauen, sondern die Expertise erfahrener Marktteilnehmer nutzen.

Flankiert wird das durch finanzielle Mittel: Das Land stellte rund 400 Millionen Euro für die Wohnraumförderung bereit. Auf Bundesebene läuft das Programm „Klimafreundliche Neubau im Niedrigpreissegment“ (KNN) mit zwei Milliarden Euro für 2024 und 2025.

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Doch die Finanzierung bleibt schwierig. Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw) berichtet: Die Investitionen seiner Mitglieder stiegen 2024 kurzzeitig auf 1,3 Milliarden Euro, für 2025 prognostiziert der Verband jedoch einen Rückgang auf rund 1,1 Milliarden Euro.

Kritik an Energiestandards und Bürokratie

Trotz der Reformen bleibt die Branche laut. Dr. Susanne Schmitt, Verbandsdirektorin des vdw, warnt vor einem „ideologischen Festhalten an zu hohen Energiestandards“. Ihrer Ansicht nach verhindert der Effizienzhaus-40-Standard oft die Wirtschaftlichkeit von Projekten – besonders im bezahlbaren Segment.

Auch die Bauindustrie mahnt mehr Verbindlichkeit an. Jörn P. Makko, Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie Niedersachsen-Bremen, fordert nach jüngsten Branchengipfeln: Auf die Ankündigungen müsse nun die Umsetzung folgen. Man brauche verlässliche Rahmenbedingungen und kürzere Bearbeitungszeiten in den Bauämtern. Aktuell dauert die Fertigstellung eines Mehrparteienhauses in Niedersachsen im Schnitt 25 Monate – angesichts der Wohnungsnot viel zu lang.

Wende 2026?

Ob das Jahr tatsächlich die erhoffte Trendwende bringt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die Deregulierungen der NBauO in der kommunalen Praxis ankommen. Die Bauwirtschaft signalisiert eine vorsichtige Bodenbildung – gestützt auf stabilere Hypothekenzinsen und neue Förderanreize.

Politische Beobachter erwarten weitere Diskussionen über den „Niedersächsischen Weg für bezahlbares Bauen“. Das Bündnis aus Land, Kommunen und Wirtschaft arbeitet an kostensenkenden Maßnahmen. Steigen die Fertigstellungszahlen nicht zeitnah, droht sich die soziale Schere auf dem Wohnungsmarkt weiter zu öffnen. Besonders Geringverdiener und junge Familien in den Städten stünden vor existenziellen Herausforderungen.

Die Forderung nach einer echten Neubau-Offensive bleibt das dominierende Thema der niedersächsischen Wirtschaftspolitik im Frühjahr 2026.

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