Zuckersteuer, Bundesregierung

Zuckersteuer: Bundesregierung plant Einführung ab Januar 2027

06.07.2026 - 17:04:28 | boerse-global.de

Die Bundesregierung bringt die Zuckersteuer auf Getränke bereits zum Januar 2027 auf den Weg. Branchenverbände kritisieren den Zeitplan scharf.

Zuckersteuer ab 2027: Getränkeindustrie protestiert gegen Vorziehen
Zuckersteuer - Nahaufnahme verschiedener zuckergesüßter Getränke in einem Supermarktregal, die eine Steuererhöhung symbolisieren. 06.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Januar 2027 einführen. Mehrere Spitzenverbände der Branche protestieren massiv gegen das Vorziehen der Abgabe.

Ursprünglich war die Steuer für ein späteres Datum geplant. Nun soll ein Änderungsentwurf zum Gesetz zur Stabilisierung der GKV-Beitragssätze noch diese Woche im Bundestag verabschiedet werden. Die Wirtschaft sieht darin einen erheblichen Eingriff in die Planungssicherheit des Mittelstands.

Fünf Problemfelder, eine Kritik

In einer gemeinsamen Stellungnahme gehen die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg), der Verband der deutschen Milchwirtschaft (VDM), der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF), der Deutsche Brauer-Bund (DBB) und der Verband Private Brauereien Deutschland auf die Barrikaden. Ein Starttermin zum Jahresbeginn 2027 sei ein Vertrauensbruch. Bereits zuvor hatten sich rund 300 Unternehmen in einem offenen Brief gegen die Pläne gewandt.

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Die Verbände benennen fünf zentrale Probleme:

  • Der Industrie fehlt die Zeit für Rezepturanpassungen, um den Zuckergehalt rechtzeitig zu senken.
  • Es drohen unkalkulierbare Kostenrisiken.
  • Der bürokratische Aufwand explodiert.
  • Bis heute ist unklar, welche Warengruppen und Produkte genau unter die Steuer fallen.

650 Millionen Euro für die Krankenkasse

Die Bundesregierung verspricht sich von der vorzeitigen Einführung satte Einnahmen. Für 2027 rechnet der Bund mit einem Steueraufkommen von 650 Millionen Euro. Ab 2028 sollen jährlich 450 Millionen Euro fließen.

Das Geld soll direkt der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zugutekommen. Die geplante Absenkung des Bundeszuschusses lässt sich so teilweise abfedern. Die Koalitionsfraktionen planen den Zuschuss für 2027 bei 13,15 Milliarden Euro und ab 2028 bei 12,95 Milliarden Euro festzusetzen. Ohne die Zuckersteuer wäre der Zuschuss von bisher 14,5 Milliarden Euro deutlich stärker abgesackt.

Teil eines größeren Pakets

Die Zuckersteuer ist nur ein Baustein im Bundeshaushalt 2027, der Ausgaben von insgesamt 555,4 Milliarden Euro vorsieht. Um die geplante Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro zu stützen, setzt die Regierung auf Einsparungen und Steuererhöhungen. Parallel zur Zuckersteuer soll etwa die Tabak- und Alkoholsteuer um 20 Prozent steigen.

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Finanzexperten rechnen zwischen 2027 und 2030 mit Mehreinnahmen von bis zu 3,6 Milliarden Euro aus der Tabaksteuererhöhung. Auch hier hagelt es Kritik aus der Wirtschaft. Verbände der Tabakbranche bemängeln extrem kurze Anhörungsfristen von unter 24 Stunden. Sie warnen davor, dass die fiskalischen Ziele durch Marktausweichreaktionen verfehlt werden könnten.

Der Haushalt steht zudem unter dem Druck massiv steigender Zinsausgaben. Prognosen zufolge könnten diese von 41,9 Milliarden Euro im Jahr 2027 auf über 80 Milliarden Euro bis zum Ende des Jahrzehnts anwachsen.

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