1000 Schritte mehr am Tag: Studie findet höhere kognitive Werte
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 16:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche Aktivität steht seit Langem im Fokus der neurologischen und präventivmedizinischen Forschung. Eine am 11. Oktober 2026 veröffentlichte Langzeit-Beobachtungsstudie des Baylor College of Medicine liefert nun detaillierte Einblicke in den Zusammenhang zwischen objektiv erfasster Alltagsbewegung und kognitiven Fähigkeiten.
Unter der Leitung von Olaoluwa Okusaga analysierten Forschende Daten von 3093 Erwachsenen aus den Vereinigten Staaten im Alter von 18 bis 93 Jahren mit einem Durchschnittsalter von circa 58 Jahren.
Die im Fachjournal Scientific Reports publizierten Daten stammen aus dem All-of-Us-Programm der National Institutes of Health, wobei die Schrittzahlen im Zeitraum von 2009 bis 2023 mittels Fitbit-Trackern aufgezeichnet wurden.
Höhere Schrittzahlen und kognitive Leistung
Die Kohorte der Baylor-Studie wurde anhand ihres Aktivitätsniveaus in drei Gruppen eingeteilt, die im Durchschnitt 5108, 8875 beziehungsweise 14.161 Schritte pro Tag absolvierten. Beide aktiveren Gruppen schnitten bei Tests zu Aufmerksamkeit, Ablenkungskontrolle und Belohnungswahl besser ab als die am wenigsten aktive Gruppe.
Nach Adjustierung für soziodemografische Faktoren wie Alter, Bildung, Einkommen, Familienstand und Geburtsort erzielte die mittlere Gruppe im Aufmerksamkeitstest 1,76 Punkte mehr, während die aktivste Gruppe ein Plus von 2,17 Punkten im Vergleich zur Referenzgruppe verzeichnete.
Den Ergebnissen zufolge war jede Zunahme um 1000 Schritte pro Tag mit höheren kognitiven Werten assozieter. Gleichzeitig fielen die Unterschiede zwischen den beiden aktiveren Gruppen minimal aus.
Wer sich mit dem Erhalt seiner geistigen Leistungsfähigkeit befasst, kann neben Bewegung auch auf gezielte mentale Übungen setzen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 11 praktische Alltagsübungen, mit denen Sie Ihr Gehirn fit halten und Demenz aktiv vorbeugen können. Gehirntraining-Ratgeber kostenlos herunterladen
Der systolische Blutdruck erklärte laut einer Mediationsanalyse lediglich rund 5 Prozent des Zusammenhangs zwischen Bewegung und Kognition sowie 4,8 Prozent der Verknüpfung zwischen Aktivität und Selbstkontrolle.
Während ein höherer systolischer Blutdruck ausschließlich mit schlechteren Ergebnissen in einem Entscheidungstest einherging, zeigte der diastolische Blutdruck keine signifikante Verbindung. Auch bei der Emotionserkennung gab es keine messbare Assoziation.
Als zugrunde liegende Mechanismen diskutieren die Autoren Hypothesen wie eine gesteigerte Neuroplastizität, eine Reduktion systemischer Entzündungen und einen verbesserten Glukosestoffwechsel.
Okusaga wies jedoch darauf hin, dass die Untersuchung keine Kausalität nachweise und nicht darauf ausgelegt gewesen sei, eine ideale tägliche Schrittzahl festzulegen. Da die Kognition lediglich einmalig am Ende der Beobachtung gemessen wurde und Faktoren wie Ernährung, Schlaf sowie Adipositas unberücksichtigt blieben, handele es sich um eine reine Assoziationsbeobachtung.
Spezifische Bewegungsformen und kognitive Trainingsansätze
Ergänzende Forschungsarbeiten beleuchten, welche spezifischen motorischen Reize das Gehirn ansprechen. Eine Untersuchung der Florida Atlantic University und der Brown University in Science Advances untersuchte mittels immersiver Virtual Reality den Lerneffekt großmotorischer Bewegungen.
Studien belegen immer wieder, dass regelmäßiges Training die geistige Leistung um bis zu 30 % verbessern kann. Mit diesem kostenlosen 60-Sekunden-Spiel können Sie Ihre Konzentration und Merkfähigkeit direkt am Bildschirm testen und stärken. Jetzt kostenloses Gehirnjogging-Spiel starten
Bei 80 Teilnehmenden mit einem Durchschnittsalter von 21,4 Jahren zeigte sich, dass weite Armbewegungen das Erlernen von Informations-Integrations-Kategorien signifikant verbesserten, regelbasierte Kategorien davon jedoch nicht profitierten. Erstautor Luke Rosedahl betonte die Selektivität dieses Effekts, der für Anwendungen in der Diagnostik und Luftfahrt relevant sein könnte.
Breitere Zusammenhänge fasste eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 im British Journal of Sports Medicine zusammen, die 133 systematische Reviews mit 258.279 Teilnehmenden auswertete. Sie wies durchschnittliche Verbesserungen bei Gedächtnis und exekutiven Funktionen nach, wobei Interventionen von ein bis drei Monaten die stärksten Effekte zeigten.
Ben Singh von der Universität South Australia hob hervor, dass bereits niedrigintensive Aktivitäten wie Gehen oder Yoga kognitive Vorteile bieten. Zudem deuten klinische Ansätze, wie eine Schweizer Studie mit dem Bewegungsspiel Brain-IT bei 32 älteren Personen mit leichten kognitiven Störungen, auf messbare Veränderungen neuronaler Aktivierungsmuster hin.
Fachleute wie Anna Milani sehen im kognitiv-motorischen Dual-Task-Training daher eine zunehmend relevante Disziplin für Neurorehabilitation und Prävention.
