Achtsamkeit in der Therapie: Studie mit 90 Jugendlichen zeigt stärkeren Symptomrückgang
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deAchtsamkeitsbasierte Interventionen spielen in der psychotherapeutischen Versorgung eine zunehmend zentrale Rolle. Eine Untersuchung der Universität Heidelberg liefert nun differenzierte Einblicke in die Frage, welche messbaren Effekte kurze Übungssequenzen zu Beginn regulärer Therapiesitzungen bei jungen Patientinnen und Patienten erzielen können. Im Mittelpunkt standen dabei Veränderungen im Beschwerdebild sowie die Entwicklung der therapeutischen Arbeitsbeziehung.
Studiendesign mit 90 Jugendlichen am Heidelberger ZPP
Die Untersuchung wurde am Zentrum für Psychotherapie (ZPP) der Universität Heidelberg durchgeführt, wie aus einem Bericht vom 29.10.2026 hervorgeht. Insgesamt nahmen 90 Jugendliche im Alter von 11 bis 19 Jahren an der wissenschaftlichen Untersuchung teil. Bei den Teilnehmenden waren zuvor Depressionen, Angststörungen oder eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert worden.
Das Design sah eine randomisierte Aufteilung der Jugendlichen in drei verschiedene Untersuchungsgruppen vor. Die Interventionsgruppe mit Achtsamkeitsfokus durchlief insgesamt 24 reguläre Therapiesitzungen.
Zu Beginn jeder einzelnen Sitzung absolvierten die Jugendlichen ein fünf- bis zehnminütiges Achtsamkeitstraining. Dieses Programm umfasste gezielte Atemübungen, Verfahren zur systematischen Körperwahrnehmung (Body Scan) sowie angeleitete Gehübungen.
Symptomverlauf im Vergleich zu klassischen Entspannungsverfahren
Die Auswertung der Heidelberger Studiendaten zeigt einen generellen therapeutischen Nutzen: Die Symptome verringerten sich im Verlauf der Behandlung über alle drei Gruppen hinweg. Allerdings traten deutliche Unterschiede in Abhängigkeit von der Gestaltung des Sitzungsbeginns auf.
Bei den Jugendlichen der Achtsamkeitsgruppe bildeten sich die psychischen Symptome stärker zurück als in der Vergleichsgruppe, die ohne eine strukturierte Einleitung in die Therapiesitzungen gestartet war.
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Ein signifikanter Unterschied zu einer weiteren Gruppe, in der klassische Entspannungsübungen durchgeführt wurden, ließ sich statistisch hingegen nicht feststellen. Beide strukturierenden Verfahren erzielten demnach vergleichbare Effekte hinsichtlich der Minderung von Ängsten, depressiven Verstimmungen oder ADHS-Symptomen.
Subjektive Wahrnehmung der therapeutischen Allianz
Neben dem reinen Rückgang der Symptomatik analysierte das Forschungsteam auch die Qualität der therapeutischen Beziehung. Hier ergab sich eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen der Innenperspektive der Behandelten und der Einschätzung der therapeutischen Fachkräfte.
Aus Sicht der Jugendlichen verbesserte sich die therapeutische Beziehung in der Achtsamkeitsgruppe im Behandlungsverlauf deutlich und wurde positiver bewertet. In der Kontrollgruppe ohne strukturierte Einleitung war die Wahrnehmung der therapeutischen Bindung durch die Jugendlichen im Zeitverlauf dagegen leicht abnehmend.
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Die behandelnden Therapeuten selbst nahmen diesen Unterschied im Beziehungsgefüge allerdings nicht wahr; in ihren Beurteilungen zeigten sich keine signifikanten Abweichungen zwischen den verschiedenen Versuchsgruppen. Die Integration kurzer Achtsamkeitselemente kann somit insbesondere das subjektive Sicherheitsempfinden und die Bindung junger Patienten stärken.
