ADHS: Wie 20 Minuten tÀgliche Bewegung das Gehirn neu verdrahtet
23.06.2026 - 07:20:41 | boerse-global.de
Die neurologische Störung betrifft Millionen Menschen in Deutschland â und die Forschung zeigt: Gezielte Bewegung kann eine wirksame TherapieergĂ€nzung sein.
Der MĂŒnchner Psychiater Johannes Hennings erklĂ€rt, warum: Sport fördert die AusschĂŒttung des Nervenwachstumsfaktors BDNF. Dieser Stoff ist entscheidend fĂŒr die PlastizitĂ€t der Nervenzellen. RegelmĂ€Ăige AktivitĂ€t trainiert zudem das vegetative Nervensystem und senkt die Konzentration von Stresshormonen.
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Warum Bewegung das Gehirn neu verdrahtet
Bei ADHS geht es vor allem um die Regulation von Reizen. Betroffene leiden oft unter innerem Chaos und Zerstreutheit. Sport kann helfen, eine bessere Balance zu finden.
Die Forschung der Psychiaterin Sandra Kooij vom Amsterdam UMC zeigt die biologische KomplexitĂ€t der Störung: ADHS ist zu einem hohen Prozentsatz erblich. Oft geht sie mit einem verzögerten Melatonin-Rhythmus einher. Die körpereigene Produktion des Schlafhormons setzt bei Betroffenen im Schnitt 90 Minuten spĂ€ter ein â mit massiven Einschlafproblemen als Folge. Körperliche Auslastung kann den Schlafrhythmus stabilisieren.
Die richtige Sportart macht den Unterschied
Experten empfehlen eine tĂ€gliche Bewegungseinheit von etwa 20 Minuten. Entscheidend fĂŒr den Erfolg: Der SpaĂfaktor muss stimmen, sonst bleibt die Therapietreue auf der Strecke.
Besonders geeignet sind Sportarten, die Koordination und Gleichgewicht fordern:
- Mountainbiken und Klettern
- Yoga und gezielte GleichgewichtsĂŒbungen
- Ausdauer- und Krafttraining
Diese AktivitĂ€ten fördern die Verbindung zwischen kognitiver Kontrolle und physischer AusfĂŒhrung.
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Vorsicht vor der âAdrenalin-Falleâ
Mediziner warnen jedoch vor einer einseitigen Suche nach Adrenalin-Kicks. Unbehandelte ADHS-Patienten neigen teilweise zu suchtartigen Extremsportarten. Das ist eine riskante Form der Selbstmedikation.
Ziel der sportlichen Begleitung sollte die kontrollierte Regulation sein â nicht die Steigerung der ImpulsivitĂ€t.
Lange Wartezeiten, digitale LĂŒcken
Trotz aller Erkenntnisse bleibt der Zugang zu umfassenden Therapieangeboten schwierig. In Deutschland betrĂ€gt die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz rund 20 Wochen. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) oder KI-gestĂŒtzte Programme dienen zunehmend als ĂberbrĂŒckung â eine vollumfĂ€ngliche Diagnostik können sie nicht ersetzen.
Zwischen âSuperkraftâ und ernster Erkrankung
Die öffentliche Wahrnehmung von ADHS ist umstritten. In sozialen Medien wird die Störung teils als âSuperkraftâ oder bloĂe Neurodivergenz glorifiziert. Betroffene und Fachleute wie Matthias Kreienbrink warnen vor dieser Verharmlosung.
Die realen Belastungen im Berufsleben und ein erhöhter Leidensdruck seien prĂ€gend. Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Hannover von Anfang 2026 unterstrich diesen Ernst: Es erkannte ADHS als seelische Störung an, die einen Anspruch auf Eingliederungshilfe begrĂŒnden kann.
Ohne adĂ€quate Behandlung steigen die Risiken fĂŒr Begleiterkrankungen â darunter Depressionen, Burn-out und eine statistisch geringere Lebenserwartung. Untersuchungen weisen zudem auf eine Korrelation mit körperlichen Leiden wie Asthma, MigrĂ€ne oder Parkinson hin. FrĂŒhzeitige und ganzheitliche Begleitung ist daher umso wichtiger.
