Anthropic-Modelle, Trump

Anthropic-Modelle: Trump sperrt Fable 5 und Mythos 5 weltweit

16.06.2026 - 23:56:44 | boerse-global.de

US-Exportkontrollen für KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 sorgen für Spannungen unter den G7-Partnern.

G7-Gipfel: USA schränken Zugang zu Anthropic-KI-Modellen ein
Anthropic-Modelle - G7 leaders in a formal setting discussing AI access, with subtle holographic projections representing advanced models. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die USA wollen ausgewählten Partnern Zugang zu ihren modernsten KI-Modellen gewähren – doch der Streit darüber droht den G7-Gipfel zu überschatten.

Am Dienstag trafen sich die Staats- und Regierungschefs der G7 in Évian-les-Bains zu einem Arbeitsessen mit US-Wirtschaftsminister Howard Lutnick. Im Zentrum stand ein Vorschlag, der sogenannten „vertrauenswürdigen Partnern" den Zugang zu den KI-Modellen Fable 5 und Mythos 5 des US-Unternehmens Anthropic ermöglichen soll. Diese Modelle sind derzeit für alle Nutzer außerhalb der USA gesperrt.

Hintergrund ist eine Reihe von Exportkontrollen und Diensteverboten der Trump-Administration, die diese Hochleistungsmodelle faktisch lahmgelegt haben. Die USA argumentieren, das „Trusted-Partners"-Rahmenwerk könne den G7-Staaten helfen, robustere Cybersicherheitsabwehr gegen die technologische Konkurrenz aus China aufzubauen.

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Britischer Vorstoß abgewiesen

Die diplomatischen Spannungen haben sich verschärft, nachdem das US-Handelsministerium am 12. Juni ausländischen Staatsangehörigen den Zugang zu Anthropics fortschrittlichster Software untersagte. Der Konzern deaktivierte daraufhin seine Modelle weltweit.

Besonders brisant: US-Vertreter lehnten am Dienstag einen Antrag des britischen Premierministers Keir Starmer ab, der eine Ausnahmeregelung für britische Bürger und Unternehmen gefordert hatte. Aus Washington hieß es, solche Zugeständnisse seien unter den aktuellen Sicherheitsvorgaben „nicht logisch".

Kanadas Premierminister Mark Carney warnte vor einer zu großen Abhängigkeit von den KI-Modellen einer einzelnen Nation. Er zog einen Vergleich zu den Risiken der Finanzkrise 2008. Auch die EU-Kommission betonte, dass restriktive Maßnahmen nicht diskriminierend gegen Partner wirken dürften. Die Europäer fordern insbesondere Zugang zum Mythos-Modell, um dessen Sicherheit und technische Auswirkungen zu untersuchen.

Sicherheitslücke als Auslöser

Die aktuellen Beschränkungen gehen auf interne Sicherheitsbedenken zurück, die Mitte Juni eskalierten. Nach dem Start von Fable 5 am 9. Juni entdeckten Forscher bei Amazon Methoden, die Sicherheitsvorkehrungen des Modells zu umgehen. Amazon-Chef Andy Jassy informierte daraufhin Finanzminister Scott Bessent über diese „Jailbreak"-Schwachstelle.

Die Trump-Administration befürchtet, dass die Modelle von russischen oder chinesischen Militärgeheimdiensten genutzt werden könnten. Es handelt sich um die erste Anwendung spezifischer Befugnisse aus dem Export Control Reform Act von 2018.

Doch die Branche wehrt sich: 87 Cybersicherheitsexperten und Führungskräfte forderten in einem offenen Brief die Aufhebung der Exportkontrollen. Zudem hatte das Pentagon Anthropic bereits am 27. Februar als Lieferkettenrisiko eingestuft – nachdem das Unternehmen sich geweigert hatte, seine Modelle für Inlandsüberwachung oder vollautonome Waffensysteme zur Verfügung zu stellen.

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China zieht davon

Die G7-Debatten finden vor dem Hintergrund eines intensiven globalen Wettlaufs um Rechenleistung statt. Schätzungen zufolge kontrollieren die USA und China derzeit 90 Prozent der weltweiten Kapazitäten.

Während die G7 über den Zugang zu US-Modellen diskutiert, sicherte sich der chinesische KI-Konzern DeepSeek am Dienstag eine Finanzierungsrunde über 7,4 Milliarden US-Dollar – umgerechnet rund 6,9 Milliarden Euro. Die Bewertung des Unternehmens steigt damit auf über 50 Milliarden Dollar. Kommerzielle Investoren müssen eine fünfjährige Haltefrist akzeptieren und erhalten keine Stimmrechte. Der staatliche chinesische KI-Fonds hingegen bekam direkt Anteile und Stimmrecht.

DeepSeek gab zudem bekannt, dass sein neuestes Modell V4 mit Hardware von Huaweis Ascend 950DT entwickelt wurde. Die API-Preise liegen rund 75 Prozent unter den bisherigen Standards.

Eine offizielle Erklärung zum „Trusted-Partners"-Plan der G7 wird nicht sofort erwartet. Doch der Gipfel hat einen wachsenden Riss zwischen Washingtons „America First"-Sicherheitspolitik und den technologischen Bedürfnissen seiner engsten Verbündeten offengelegt.

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