Arbeitszeit-Reform, Gesetzentwurf

Arbeitszeit-Reform: Gesetzentwurf bis Ende Juni 2026 erwartet

30.05.2026 - 14:49:05 | boerse-global.de

Die Bundesregierung plant die größte Reform des Arbeitszeitgesetzes seit 1918. Künftig soll eine wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit gelten.

Arbeitszeit-Reform: Gesetzentwurf bis Ende Juni 2026 erwartet - Foto: über boerse-global.de
Arbeitszeit-Reform: Gesetzentwurf bis Ende Juni 2026 erwartet - Foto: über boerse-global.de

Statt täglicher Höchstarbeitszeiten soll künftig eine wöchentliche Obergrenze gelten. Das wäre die größte Zäsur seit 1918.

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Flexibilisierung statt starrem Rahmen

Bundeskanzler Friedrich Merz will die Verteilung der Arbeitszeit künftig den Betriebsparteien überlassen. „Wir brauchen mehr Flexibilität in einer modernen Wirtschaft“, betonte er. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas kündigte einen Gesetzentwurf bis Ende Juni 2026 an. Sie selbst zeigte sich distanziert zu den Lockerungen, will aber den Koalitionsvertrag umsetzen.

Eine Forsa-Umfrage vom Mai 2026 zeigt ein gespaltenes Bild. 57 Prozent der Befragten befürworten die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags. Unter Union-Anhängern liegt die Zustimmung bei 74 Prozent. Eine Mehrheit der Ostdeutschen und Gewerkschaftsmitglieder lehnt die Pläne jedoch ab.

Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten

Die Debatte trifft auf eine paradoxe Datenlage. Der DGB-Index Gute Arbeit zeigt: 53 Prozent der Beschäftigten wünschen sich kürzere Arbeitszeiten. Nur sieben Prozent wollen länger arbeiten. Besonders Väter streben mit 63 Prozent nach einer Reduzierung.

Gleichzeitig steigt die Belastung. 2024 wurden rund 1,19 Milliarden Überstunden geleistet – über die Hälfte unbezahlt. Im ersten Quartal 2025 kamen 274 Millionen Überstunden hinzu. Gewerkschaften schlagen Alarm. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel warnt vor gesundheitlichen Folgen. NGG-Chef Guido Zeitler spricht von einem „Rückschritt“.

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Demografischer Druck aus der Wirtschaft

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sieht die Reform als überfällig. „Mit der zunehmenden Teilzeit können wir unsere wirtschaftlichen Aufgaben nicht bewältigen“, warnt er. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert bis 2040 einen Rückgang des Arbeitskräftepotenzials um fast drei Millionen Menschen.

Ökonomen schlagen Kompromisse vor. Oliver Stettes empfiehlt, die Flexibilisierung zunächst auf Bürobeschäftigte zu begrenzen. Dort seien die Gesundheitsrisiken geringer als in körperlich fordernden Berufen. IW-Direktor Michael Hüther betont: „Es geht primär um eine andere Verteilung der Zeit, nicht um Mehrarbeit.“

Entscheidende Wochen stehen bevor

Am 10. Juni 2026 trifft sich die Spitzenrunde im Kanzleramt. Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften wollen ihre Positionen abgleichen. Der Kanzler strebt eine Einigung noch vor der Sommerpause an.

Der Sozialverband Deutschland mahnt: Bei aller Flexibilisierung müsse die Freiwilligkeit für die Beschäftigten gewahrt bleiben. Ob der historische Acht-Stunden-Tag fällt oder nur modifiziert wird – die Verhandlungen laufen.

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