Ashwagandha-Extrakt: 24 Wochen ohne Hinweise auf Leber- oder Nierenschäden
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im Fachjournal Frontiers in Medicine veröffentlichte Untersuchung liefert neue Daten zur Verträglichkeit von standardisiertem Ashwagandha-Wurzelextrakt über einen längeren Einnahmezeitraum.
In der multizentrischen, randomisierten Doppelblind-Placebo-Studie vom 20. August 2026 fanden die beteiligten Forscher über eine Dauer von 24 Wochen keine Hinweise auf arzneimittelbedingte Leber- oder Nierenschäden. Damit adressiert die Arbeit eine zentrale Fragestellung rund um das pflanzliche Präparat, dessen Sicherheitsprofil in Fachkreisen intensiv diskutiert wird.
Studiendesign mit 1.200 Probanden in Indien
FĂĽr die Untersuchung rekrutierte das Forscherteam 1.200 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 70 Jahren an sieben Standorten in Indien. Alle Teilnehmenden waren zuvor gegen COVISHIELD geimpft worden.
Die Probanden erhielten über einen Zeitraum von 24 Wochen entweder täglich 500 mg eines standardisierten wässrigen Ashwagandha-Wurzelextrakts – was 4 g rohem Wurzelpulver entspricht – oder ein Placebo. Daran schloss sich eine Nachbeobachtung bis zur Woche 28 an.
Insgesamt beendeten 1.032 Personen (86 %) die Studie planmäßig. Die erhobenen Leber- und Nierenwerte blieben laut den Autoren im jeweiligen Referenzbereich. Es traten keine behandlungsbedingten Organverletzungen oder zugeschriebenen schweren Nebenwirkungen auf, und es kam zu keinen Studienabbrüchen aufgrund unerwünschter Wirkungen. Die im Verlauf dokumentierten acht schweren unerwünschten Ereignisse wurden weder der Einnahme von Ashwagandha noch dem Placebo zugeschriebenen.
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Hinsichtlich der Immunantwort zeigte sich kein relevanter Zusatznutzen: Die neutralisierende Virusaktivität nach der Impfung lag in beiden Untersuchungsgruppen bei über 85 % ohne signifikanten Unterschied.
Auch die Infektionsrate nach der Impfung betrug in beiden Armen rund 3,9 %, sodass ein zusätzlicher Immunschutz nicht belegt werden konnte. Das Forschungsteam betonte zudem, dass sich die Resultate nicht automatisch auf andere Produkte oder auf erkrankte Bevölkerungsgruppen übertragen lassen.
Behördliche Debatte und Wissenslücken zur Langzeitanwendung
Trotz dieser Ergebnisse mahnen Fachinstitutionen weiterhin zu einer differenzierten Betrachtung. Das US-amerikanische NIH Office of Dietary Supplements weist darauf hin, dass die Langzeitwirksamkeit und -sicherheit von Ashwagandha ĂĽber viele Monate oder Jahre hinweg nach wie vor unbekannt sind. Auch das Pharmaunternehmen Merck stuft die vorliegende Evidenz zu der Pflanze als begrenzt ein.
Gleichzeitig verschärfen Aufsichtsbehörden die Vorgaben. Die niederländischen Behörden meldeten am 4. September 2026 der EU einen Verordnungsentwurf zu Kräuterpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln. Dieser sieht ein Verbot von sechs Pflanzen vor – darunter Teile von Withania somnifera mit Ausnahme der Wurzel – sowie von 17 Stoffen.
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Für Produkte mit Ashwagandha-Wurzel sollen künftig Warnhinweise zu Schwangerschaft, Stillzeit und Leberwirkungen verpflichtend werden. Für konforme, bereits vermarktete Produkte ist nach einem Inkrafttreten eine Übergangsfrist von sechs Monaten vorgesehen; Stellungnahmen zum Entwurf sind bis zum Ende der Stillhaltefrist am 7. Dezember 2026 möglich.
Eingeschränkte Evidenz und bekannte Risiken
In Fachübersichten wird hervorgehoben, dass bisherige Humanstudien vor allem auf moderate oder bescheidene Effekte bei Stress, Angstsymptomen, Cortisolspiegeln und Schlaf hinweisen. Die Belege für Wirkungen auf Depressionen, Krafttraining, Fruchtbarkeit, Schilddrüsenfunktion oder Stoffwechselmarker gelten hingegen als begrenzt, während Annahmen zu Krebs und Nervenerholung bislang lediglich auf Zell- und Tierversuchen beruhen.
Viele vorliegende Studien wiesen zudem geringe Fallzahlen auf, liefen meist nur über sechs bis acht Wochen und waren selten länger als drei Monate angelegt. Da die untersuchten Zubereitungen stark variieren – gängige Studienbereiche umfassen etwa 300 bis 600 mg/Tag standardisierten Wurzelextrakt, rund 600 mg/Tag KSM-66, 125 bis 250 mg/Tag Sensoril oder 1 bis 6 g/Tag Wurzelpulver –, sind Ergebnisse nicht direkt austauschbar.
Zu den dokumentierten unerwünschten Wirkungen zählen Schläfrigkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, zudem existieren Berichte über seltene Leberschäden. Fachleute raten daher, Ashwagandha in der Schwangerschaft und Stillzeit zu meiden und eine Einnahme bei Vorerkrankungen von Schilddrüse, Leber, Niere, bei Autoimmunerkrankungen oder vor Operationen zwingend medizinisch abzuklären.
