Betrug mit KI-Deepfakes: Frau verliert über eine Million Euro
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 13:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Täter setzen dabei auf eine Mischung aus klassischen Schockanrufen und modernen KI-Manipulationen.
Goldübergabe nach Schockanruf in Stuttgart
Ein 94-Jähriger aus Stuttgart-Süd wurde am Montagnachmittag Opfer einer organisierten Bande. Gegen 15 Uhr gaben sich Unbekannte am Telefon als Angehörige aus und täuschten vor, sein Sohn brauche dringend teure Medikamente.
Der Senior glaubte der Geschichte. In der Hohenzollernstraße übergab er Gold im Wert von mehreren Zehntausend Euro an einen männlichen Abholer.
Die Polizei sucht nun nach Zeugen. Der Tatverdächtige ist etwa 25 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hat dunkle zurückgekämmte Haare und sprach akzentfreies Deutsch. Er trug ein helles Hemd und eine Chino-Hose.
Millionenverlust durch KI-generiertes Deepfake-Video
Neben klassischen Telefonanrufen setzen Betrüger zunehmend auf High-Tech-Methoden. In Lichtenberg (Sachsen) verlor eine Frau über eine Million Euro – sie fiel auf ein KI-generiertes Deepfake-Video der ZDF-Talkshow von Markus Lanz herein.
Der manipulierte Clip warb für eine Investmentplattform namens Investhub 3.0. Die Geschädigte begann im April 2026 mit kleineren Beträgen und investierte in der Folge bis zu 460.000 Euro in angebliche Anlagen für Gold, Öl und Kryptowährungen.
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Insgesamt summierte sich der Schaden auf über eine Million Euro. Erst als der Kontakt zum angeblichen Broker abbrach, erstattete die Frau am 4. Juli Anzeige bei der Polizei Chemnitz.
Bundesweite Zunahme von Betrugsfällen
Die Vorfälle in Stuttgart und Sachsen sind keine Einzelfälle. Anfang Juli erschütterte eine Serie schwerer Betrugsdelikte das Land:
- Karlsruhe: Ein angeblicher Amtsgericht-Mitarbeiter erbeutete am 3. Juli bei einem Ehepaar Bargeld und Schmuck im Wert von mehreren Hunderttausend Euro. Vorwand: eine Kautionszahlung für die Tochter.
- Heidelberg: Eine 87-jährige Seniorin zahlte am selben Tag einen hohen fünfstelligen Betrag an einen falschen Arzt, der vorgab, ihr Sohn brauche lebenswichtige Krebsmedikamente.
- Lohr-Sendelbach: Auch hier täuschte ein Betrüger am 3. Juli eine medizinische Notlage vor. Ein Senior übergab Bargeld im Veilchenweg an einen Abholer.
- Vorpommern und Rostock: Ein 89-Jähriger händigte am 2. Juli eine Geldkassette mit bis zu 10.000 Euro aus seinem Fenster aus. In Rostock wurde eine 90-Jährige um 30.000 Euro betrogen.
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Ermittlungserfolge und Prävention
Trotz der Professionalität der Banden gibt es auch Erfolge. In Speyer nahm die Polizei am 2. Juli einen 26-jährigen Tatverdächtigen fest. Ihm wird gewerbsmäßiger Bandenbetrug vorgeworfen: Im Frühjahr soll er als falscher Bankmitarbeiter eine Seniorin um 4.000 Euro gebracht haben. Gegen den Mann wurde Untersuchungshaft angeordnet.
Die Polizei rät zur ständigen Vorsicht bei Geldforderungen am Telefon. In Ludwigshafen erkannten am 3. Juli zwei Senioren rechtzeitig die Betrugsversuche und beendeten die Gespräche – ein finanzieller Schaden blieb aus.
Experten betonen: Behörden, Banken oder Kliniken fordern niemals telefonisch zur Übergabe von Bargeld oder Wertsachen an Boten auf.
