Betrugswelle: Senioren verlieren 100.000 Euro in Schockanrufen
20.06.2026 - 10:43:56 | boerse-global.de
Die Täter setzten auf Schockanrufe, aber auch auf Anlagebetrug über soziale Medien und Krypto-Plattformen. In Einzelfällen entstand ein Schaden im sechsstelligen Bereich.
Falsche Notfälle als Masche
Einen der schwersten Fälle meldet die Kripo Kassel. Am 18. Juni übergab eine Seniorin in Korbach rund 100.000 Euro Bargeld an einen Unbekannten. Die Täter hatten ihr am Telefon vorgegaukelt, ihre Tochter habe einen schweren Autounfall verursacht. Die Kommunikation lief auf Russisch. Der Abholer war etwa 1,70 Meter groß und schlank.
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Ähnliche Szenarien spielten sich am selben Tag in mehreren Regionen ab. In Korb (Rems-Murr-Kreis) wurde eine 84-Jährige von einer angeblichen Schwiegertochter und einer falschen Polizistin getäuscht. Sie übergab gegen 13:15 Uhr Bargeld und Gold im Wert eines mittleren fünfstelligen Betrags. In Alzey-Weinheim setzten Täter eine 90-Jährige mit einem mehrstündigen Telefonat so unter Druck, dass sie Goldschmuck und Goldmünzen an eine korpulente, blonde Abholerin aushändigte.
In Heiligenhaus nutzten Betrüger die Angst vor Krankheiten. Ein Anrufer täuschte einer 87-Jährigen vor, ihre Schwiegertochter brauche dringend Bargeld für eine Corona-Behandlung. Die Seniorin übergab daraufhin eine Tasche mit Bargeld und hochwertigem Schmuck.
Betrugsmaschen werden digitaler
Neben den klassischen Schockanrufen beobachten die Ermittler einen Anstieg bei digitalen Betrugsfällen. In Innsbruck verlor eine 77-Jährige zwischen dem 11. und 18. Juni einen fünfstelligen Betrag durch Krypto-Betrug. Die Täter hatten sie telefonisch zu vermeintlich lukrativen Investitionen überredet.
Im Landkreis Greiz wurde ein 75-Jähriger über eine Instagram-Anzeige Opfer eines Anlagebetrugs. Von Mai bis Juni überwies er mehr als 25.000 Euro auf Konten im In- und Ausland. Ein weiterer Fall aus Finnentrop: Ein Senior vertraute einem falschen Broker ebenfalls einen fünfstelligen Betrag an.
In Hebel (Hessen) gab sich ein Täter am 16. Juni als Bankmitarbeiter aus. Er forderte die EC-Karte und PIN einer Seniorin. Ein Komplize holte die Karte ab – kurz darauf wurden 6.000 Euro vom Konto abgehoben.
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Polizei warnt vor den Maschen
Die Kriminalpolizeien in Kassel, Waiblingen und Cuxhaven haben Ermittlungen eingeleitet und suchen Zeugen zu den beschriebenen Abholern.
Die Ermittler betonen: Polizei oder Justiz fordern niemals Bargeld oder Wertsachen am Telefon. Im deutschen Strafrecht gibt es keine Kautionszahlungen, die eine Haftstrafe nach einem Unfall abwenden. Auch bei Geldanlageangeboten in sozialen Netzwerken und der Weitergabe von Bankdaten sei höchste Vorsicht geboten.
