Bewegung ab 65: Studie sieht bis zu 46,6 Prozent weniger Schlaganfälle
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Aufrechterhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit gewinnt in der zweiten Lebenshälfte zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Beispiele aus dem Ausdauersport sowie sportwissenschaftliche Daten verdeutlichen, dass gezieltes Training nicht nur der sportlichen Selbstverwirklichung dient, sondern ein wesentlicher Faktor für die langfristige Lebensqualität und die Entlastung des Gesundheitssystems ist.
Spitzenleistungen als Modell für gesundes Altern
Ein markantes Beispiel für sportliche Ambitionen im fortgeschrittenen Alter liefert Jürgen Seifried. Der 52-Jährige qualifizierte sich am 18. April beim Ironman Texas mit einer Zeit von 9:55:30 Stunden für die Weltmeisterschaft in Kailua-Kona auf Hawaii. Damit verbesserte er seine Leistung gegenüber seinem ersten Ironman im Jahr 2018, den er in 11:18:44 Stunden absolvierte, erheblich.
Zur Vorbereitung absolvierte er im Sommer Trainingsumfänge von bis zu 26 Stunden pro Woche. Sein Ziel sei es, durch den Sport auch im hohen Alter eine hohe Lebensqualität zu wahren und Pflegebedürftigkeit vorzubeugen.
Die Weltmeisterschaft am 10. Oktober in Hawaii bietet insgesamt 3000 Startplätze. Erstmals seit 2019 werden Männer und Frauen wieder an einem gemeinsamen Renntag starten.
Zu den Profi-Athletinnen gehört die 39-jährige Laura Philipp, die im Alter von 38 Jahren als bisher schnellste Frau bei einem Ironman-Wettbewerb galt. Sie bereitet sich unter anderem mit einem zweieinhalbwöchigen Höhentrainingslager in der Schweiz auf das Rennen vor.
Ihr Ansatz umfasst ein zyklusbasiertes Training sowie zweimal wöchentliches Krafttraining. Auch die ehemalige Weltmeisterin Anne Haug bleibt dem Sport verbunden; sie trainiert weiterhin täglich und plant für den November die Eröffnung eines Lauftrainingscamps.
Wissenschaftliche Belege für den Präventionseffekt
Die medizinische Relevanz von Bewegung wird durch Daten der MedUni Wien untermauert. Eine Untersuchung des Zentrums für öffentliche Gesundheit unter der Leitung von Cristina Fastl, an der 3.995 Personen ab 65 Jahren teilnahmen, zeigte, dass lediglich 29,6 Prozent die Empfehlung von mindestens 150 Minuten aerober Aktivität pro Woche erfüllen.
Modellrechnungen der Forscher ergaben, dass durch ausreichend Bewegung bis zu 46,6 Prozent der Schlaganfälle, 40,8 Prozent der Herzinfarkte und 35,8 Prozent der Diabetes-mellitus-Fälle in dieser Altersgruppe vermieden werden könnten.
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Langzeitstudien wie die Copenhagen City Heart Study, die über fast 25 Jahre mehr als 8.000 Teilnehmende begleitete, weisen zudem auf einen lebensverlängernden Effekt hin. Tennisspieler lebten demnach im Durchschnitt fast zehn Jahre länger als körperlich inaktive Personen.
Auch Sportarten wie Fußball, Joggen oder Radfahren zeigten positive Effekte auf die Lebensspanne. Neben der physischen Komponente wird der soziale Faktor als wesentlicher Grund für diese Ergebnisse angeführt. In Deutschland verursacht Bewegungsmangel laut vorliegenden Daten jährlich Gesundheitskosten von fast drei Milliarden Euro.
Krafttraining und funktionelle Ansätze im Fokus
Experten betonen zunehmend, dass reines Ausdauertraining oder Spazierengehen ab einem Alter von 60 Jahren oft nicht ausreicht. Ein Personaltrainer empfiehlt stattdessen kurze, intensive Einheiten von drei bis vier Minuten, die Übungen wie Stuhl-Kniebeugen oder Liegestütze an der Küchenplatte umfassen, um Muskeln und Knochen gezielt zu fordern.
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Auch der Schauspieler Henning Baum setzt auf schwere Krafteinheiten. Die Muskulatur fungiere als endokrines Organ und schütte bei Belastung Myokine aus, welche Entzündungsprozesse hemmen und das Herz-Kreislauf-System sowie den Stoffwechsel positiv beeinflussen könnten.
Prominente Beispiele wie Jennifer Aniston verdeutlichen einen Trend weg von reinem Cardio-Training hin zu funktioneller Kraft und Beweglichkeit. Die 57-Jährige betonte, sie bedauere, nicht früher mit gezieltem Krafttraining begonnen zu haben, insbesondere im Hinblick auf die Knochendichte.
Auch im hohen Alter sind Fortschritte möglich, wie der Fall der 84-jährigen Jacky Meunier zeigt, die nach anhaltenden Rückenschmerzen mit CrossFit begann und von einer gesteigerten sozialen Teilhabe sowie neuem Lebensmut berichtete.
Gesellschaftliche Relevanz und Prävention
Sportwissenschaftler raten zu einer Kombination aus dreimal wöchentlichem moderaten Ausdauertraining und zweimal wöchentlichem Muskeltraining. Dabei wird unterstrichen, dass einfache Alltagsbewegung wie 10.000 Schritte ohne Belastungsintensität oft keinen ausreichenden Trainingsreiz bietet. Ergänzend dazu wird auf die Bedeutung der medizinischen Vorsorge verwiesen, die jedoch nur von rund 34 Prozent der Männer regelmäßig wahrgenommen wird.
Auf einem Fachkongress in Frankfurt wurde die aktuelle demografische Entwicklung thematisiert. Experten wie der Philosoph Otfried Höffe plädierten dafür, nicht von einer „Überalterung“, sondern von einer „Unterjüngung“ der Gesellschaft zu sprechen.
Zusätzliche Lebensjahre seien demnach gewonnene Jahre, da sich die Zeitspanne ohne altersbedingte Erkrankungen stetig verlängert habe. Dies unterstreicht die Handlungsmöglichkeiten älterer Menschen, ihre Gesundheit durch einen aktiven Lebensstil aktiv mitzugestalten.
