Blutdrucksenkung: Vier Wochen Wandsitzen bringen 9,5 mmHg weniger
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine am 29. September 2026 im Fachjournal „BMJ Open Sport & Exercise Medicine“ veröffentlichte Untersuchung der Canterbury Christ Church University liefert neue Erkenntnisse zur nichtmedikamentösen Blutdrucksenkung: Durch regelmäßiges isometrisches Wandsitzen lässt sich der Blutdruck signifikant verringern. An der Studie nahmen 100 Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 37 Jahren teil.
Alle Teilnehmenden wiesen zu Beginn einen systolischen Blutdruck zwischen 120 und 140 mmHg auf, was als normal bis hochnormal eingestuft wird. Sie nahmen keine blutdrucksenkenden Medikamente ein, waren Nichtraucher und konsumierten maximal 14 Alkoholeinheiten pro Woche. Während 80 Probanden das Trainingsprogramm durchführten, bildeten 20 Personen die Kontrollgruppe.
Deutliche Blutdrucksenkung bereits nach vier Wochen
Das überprüfte Trainingsprogramm bestand aus vier Einheiten zu je zwei Minuten Wandsitzen, jeweils unterbrochen von zwei Minuten Sitzpause. Der Kniegelenkwinkel wurde dabei individuell festgelegt, während eine Zielherzfrequenz von 95 Prozent der Maximalfrequenz angestrebt wurde. In den ersten vier Wochen absolvierten die trainierenden Teilnehmer dieses Programm dreimal wöchentlich.
Nach vier Wochen lag der systolische Blutdruck in der Trainingsgruppe um etwa 9,5 mmHg niedriger als in der Kontrollgruppe. Beim diastolischen Blutdruck zeigte sich eine Verringerung um 5,47 mmHg, während der mittlere arterielle Druck um 6,8 mmHg sank.
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Erhalt der Effekte bei reduzierter Trainingshäufigkeit
In den anschließenden Wochen vier bis acht untersuchten die Forscher, wie sich veränderte Trainingsumfänge auswirken. Die Teilnehmenden reduzierten ihr Training auf drei Einheiten, zwei Einheiten oder eine Einheit pro Woche, während eine weitere Gruppe das Training vollständig einstellte.
Nach insgesamt acht Wochen verzeichnete die Gruppe mit drei wöchentlichen Einheiten eine systolische Reduktion um 13,73 mmHg. Bei zwei Einheiten pro Woche betrug der Rückgang 6,95 mmHg, bei einer Einheit pro Woche 6,56 mmHg.
Bei den Probanden, die das Wandsitzen nach vier Wochen komplett beendet hatten, stieg der Blutdruck hingegen wieder auf das Niveau der Kontrollgruppe an. Mitautor Jim Wiles von der Canterbury Christ Church University erklärte, dass drei wöchentliche Trainingseinheiten zwar die stärkste Senkung erzielten, eine Reduzierung auf eine einzige Einheit pro Woche die Effekte jedoch mindestens einen weiteren Monat lang aufrechterhalten könne.
Grenzen der Untersuchung und medizinische Einordnung
Trotz der gemessenen Effekte verweisen die Wissenschaftler auf methodische Einschränkungen. Die Studie umfasste eine kleine Stichprobe von kurzer Dauer, und Personen mit einer diagnostizierten Hypertonie waren nicht Teil der Untersuchung. Zudem wurde eine Frequenz von nur einer Trainingseinheit pro Woche nicht von Beginn an getestet.
Jim Wiles gab ferner zu bedenken, dass die meisten Teilnehmenden ihre Knie zu Beginn nicht bis zu einem rechten Winkel absenken konnten. Da der Nachbeobachtungszeitraum nach der Reduktion lediglich vier Wochen betrug, bleibe die langfristige Wirkung unklar.
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Wiles hob hervor, dass isometrische Übungen als Ergänzung und keinesfalls als Ersatz für sonstige körperliche Aktivität verstanden werden sollten. Vor Trainingsbeginn sei die Rücksprache mit einem Arzt ratsam.
Bewegungsmangel bleibt globale Herausforderung
Die Relevanz niedrigschwelliger Trainingsansätze verdeutlichen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Nach WHO-Angaben erreichen 31 Prozent der Erwachsenen – rund 1,8 Milliarden Menschen – sowie 86 Prozent der Jugendlichen das empfohlene Maß an körperlicher Aktivität nicht.
Die WHO schätzt, dass die Folgen von Bewegungsmangel die öffentlichen Gesundheitssysteme zwischen 2020 und 2030 weltweit fast 300 Milliarden US-Dollar kosten werden, was einem jährlichen Aufwand von rund 27 Milliarden US-Dollar entspricht. Unzureichend aktive Erwachsene weisen zudem ein um 20 bis 30 Prozent erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu ausreichend aktiven Menschen auf.
