Bluthochdruck: Salz unter 5 Gramm täglich senkt den Blutdruck messbar
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas vorrangige Ziel bei der Behandlung der primären arteriellen Hypertonie besteht darin, erhöhte Blutdruckwerte verlässlich zu senken und Folgeschäden vorzubeugen. Auf diese Weise sollen kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität nachhaltig reduziert werden.
Wie gravierend die Auswirkungen eines dauerhaft erhöhten Blutdrucks sind, zeigt sich unter anderem in Spanien: Dort sind laut einer in der Fachzeitschrift Revista Española de CardiologĂa veröffentlichten Untersuchung jährlich rund 46.000 kardiovaskuläre Todesfälle der Hypertonie zuzuschreiben.
Rund 33 % der Erwachsenen im Alter von 30 bis 79 Jahren – etwa 10 Millionen Menschen – sind dort von Bluthochdruck betroffen. Als erste therapeutische Maßnahme stehen konsequente Lebensstiländerungen im Mittelpunkt.
Lebensstilmodifikation als Basismassnahme
Veränderungen der alltäglichen Gewohnheiten können den Bedarf an Blutdruckmedikamenten hinauszögern, wie die ClĂnica Mayo darlegt. Ein zentraler Hebel ist das Körpergewicht: Pro verlorenem Kilogramm lässt sich der Blutdruck um etwa 1 mm Hg senken. Auch die Ernährungsweise spielt eine messbare Rolle. Eine Ernährung nach dem DASH-Prinzip oder eine mediterrane Kost kann den systolischen Blutdruck um bis zu 11 mm Hg reduzieren.
Zudem hat die Natriumaufnahme erhebliche Auswirkungen. Eine Drosselung des Salzkonsums auf unter 5 g pro Tag (entsprechend weniger als 2.000 mg Natrium; für die meisten Erwachsenen idealerweise unter 1.500 mg) senkt den Blutdruck um 5–6 mm Hg.
Als Alternativen bieten sich Pilzpulver, Zitrone oder Kräuter an, während auf verstecktes Salz in Nudeln, Trockenobst oder Instant-Haferflocken geachtet werden sollte. Empfohlen wird zudem eine Vielfalt von 25 Lebensmitteln pro Woche sowie eine Begrenzung der Ölzufuhr auf maximal 3 Esslöffel (ca. 10 g) täglich.
Regelmäßige körperliche Aktivität – 150 Minuten moderates oder 75 Minuten intensives aerobes Training pro Woche – senkt den Blutdruck um weitere 5–8 mm Hg. Entspannungstechniken wie die 4–7-8-Atemtechnik können den systolischen Wert um etwa 10 mmHg reduzieren.
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Neben der Fettreduktion, der Zufuhr von Kalzium und Kalium sowie der Begrenzung von Alkohol ist der Schlaf bedeutsam: Weniger als 7 Stunden Nachtruhe können den Blutdruck negativ beeinflussen, während Tiefschlaf die Werte auf natürliche Weise um 15 % absenkt. Umgekehrt können Substanzen wie Schmerzmittel oder Pseudoephedrin in Erkältungspräparaten den Blutdruck steigern.
Kriterien für die medikamentöse Therapie
Reichen Lebensstiländerungen nach sechs Monaten nicht aus, wird eine medikamentöse Therapie eingeleitet. Sie kommt direkt zum Einsatz, wenn eine Hypertonie Grad 2 oder höher vorliegt, Diabetes diagnostiziert wurde oder bereits Schädigungen an Herz, Gehirn oder Nieren bestehen.
Oft erweist sich eine Kombination verschiedener Wirkstoffklassen als wirksamer im Vergleich zu einer Monotherapie. In der Regel werden Langzeitpräparate einmal täglich eingenommen.
Der chinesische Leitfaden zur Hypertoniebehandlung auf Basisebene aus der Ausgabe 2025 fĂĽhrt fĂĽnf langwirksame Erstlinien-Klassen an. Bei leichter bis mittelschwerer Hypertonie werden Kalziumkanalblocker (CCB) oder Sartane (ARB) bevorzugt.
Ältere Betroffene mit isolierter systolischer Hypertonie erhalten vorzugsweise einen CCB kombiniert mit einem niedrig dosierten Diuretikum. Bei Vorliegen von Diabetes oder Nierenerkrankungen sind ACE-Hemmer oder ARB indiziert; tritt unter ACE-Hemmern trockener Husten auf, wird auf einen ARB ausgewichen.
Liegt der Blutdruck trotz Monotherapie ĂĽber 140/90 mmHg, wird die Kombination zweier Klassen (ARB plus CCB, ARB plus Diuretikum oder CCB plus Diuretikum) empfohlen. Eine gleichzeitige Gabe von ACE-Hemmern und ARB ist hingegen ausgeschlossen.
Bei Ausgangswerten von ĂĽber 160/100 mmHg werden Fixkombinationen wie Irbesartan/Hydrochlorothiazid oder Valsartan/Amlodipin eingesetzt. Bei Behandlungen mit ACE-Hemmern, ARB oder Diuretika sind Laborkontrollen von Kalium und Nierenfunktion alle 3 bis 6 Monate angezeigt.
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Zu beachten sind spezifische Kontraindikationen: Thiazid-Diuretika dürfen bei Gicht nicht angewendet werden, Betablocker nicht bei einer Herzfrequenz von unter 55 Schlägen pro Minute. ACE-Hemmer und ARB sind in der Schwangerschaft sowie bei beidseitiger Nierenarterienstenose kontraindiziert.
Hinweise zur Gabe von RAAS-Inhibitoren bei Nierenfunktionsstörungen enthält auch eine japanische Leitlinie. Für komplexe Fälle, etwa eine therapieresistente Hypertonie, existieren spezifische Optionen wie der selektive Aldosteronrezeptorantagonist Eplerenon.
Herstellerangaben zufolge beginnt dessen Gabe bei 50 mg einmal täglich und kann je nach Ansprechen auf zweimal täglich 50 mg gesteigert werden, begleitet von engmaschigen Kontrollen des Serumkaliums. Bei schwer behandelbaren Verläufen wird empfohlen, die diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen in spezialisierten Hypertonie-Kliniken zu bündeln.
Einnahmezeitpunkt und Therapiesicherheit
Bezüglich des Einnahmezeitpunkts ergaben wissenschaftliche Untersuchungen keinen relevanten Unterschied hinsichtlich des Risikos für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod, unabhängig davon, ob Blutdrucksenker morgens oder abends eingenommen werden.
Während die spanische HYGIA-Studie aus dem Jahr 2019 Vorteile für eine abendliche Gabe beschrieb, jedoch methodische Kritik – unter anderem seitens der Deutschen Hochdruckliga – erfuhr, fand die britische TIME-Studie aus dem Jahr 2022 an rund 21.000 Teilnehmenden keinen signifikanten Unterschied bei kardiovaskulären Ereignissen (3,4 % am Abend gegenüber 3,7 % am Morgen). Dies bestätigte auch eine kanadische Studie im Fachblatt JAMA aus dem Jahr 2025.
Wichtig sei primär die regelmäßige Einnahme zu einer gleichbleibenden Uhrzeit. Bei fehlendem nächtlichen Blutdruckabfall („Nondipping“) kann eine abendliche Einnahme erwogen werden, wobei bei älteren Patienten das Sturzrisiko zu beachten ist; Fachleute empfehlen vorab eine ambulante Langzeitmessung.
Auch bei Präparatekombinationen wie Prinzide (Lisinopril plus Hydrochlorothiazid) gelten klare Vorgaben: Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz mit einer Kreatinin-Clearance von höchstens 30 ml/min sind Thiazide unwirksam und das Präparat kontraindiziert, weshalb vor Therapiebeginn eine genaue Prüfung der Kontraindikationen und Organfunktionen unerlässlich bleibt.
