Blutspenden gegen hohen Blutdruck: Studien zeigen im Schnitt 16 mmHg weniger
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
KardiovaskulĂ€re Erkrankungen zĂ€hlen weltweit zu den fĂŒhrenden Gesundheitsrisiken, lassen sich jedoch durch gezielte Interventionen und körperliche AktivitĂ€t maĂgeblich beeinflussen.
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Auswertungen verdeutlichen, dass neben regelmĂ€Ăiger Bewegung auch unkonventionellere AnsĂ€tze wie das Blutspenden einen messbaren Beitrag zum Blutdruckmanagement leisten können.
Gleichzeitig zeigen populationsbezogene Daten, dass insbesondere Ă€ltere Menschen empfohlene MindestmaĂe an AktivitĂ€t hĂ€ufig verfehlen â mit spĂŒrbaren Folgen fĂŒr das Auftreten chronischer Leiden.
Blutspenden als Ansatz zur Blutdrucksenkung
RegelmĂ€Ăiges Blutspenden kann den Blutdruck dauerhaft senken und Ă€hnelt in seinen Mechanismen den Wirkungen eines traditionellen Aderlasses. In mehreren Studien, die von der Carstens Stiftung gefördert wurden, reduzierte sich der Blutdruck bei den teilnehmenden Betroffenen im Durchschnitt um 16 mmHg.
Untersuchungen heben hervor, dass Personen mit stark erhöhtem Blutdruck am stÀrksten von diesem blutdrucksenkenden Effekt profitierten. Die blutdrucksenkende Wirkung hielt dabei im Regelfall zwischen drei und sechs Monaten an.
Trotz nicht-medikamentöser AnsĂ€tze bleibt eine medizinische AbklĂ€rung zentral: Fachleute raten zu einer Ă€rztlichen Konsultation, wenn der Blutdruck trotz einer ĂŒber drei Monate vollzogenen LebensstilĂ€nderung dauerhaft ĂŒber 160/100 mmHg verharrt. Bei akuten Spitzenwerten von ĂŒber 180 mmHg in Verbindung mit Symptomen wie Kopfschmerzen oder Sehstörungen ist eine Behandlung in der Notaufnahme geboten.
Bewegungsmangel im Alter und verpasste PrÀventionspotenziale
Die Bedeutung regelmĂ€Ăiger AktivitĂ€t unterstreicht eine Studie der MedUni Wien unter Leitung von Cristina Fastl vom Zentrum fĂŒr öffentliche Gesundheit, die in der Fachzeitschrift âDas Gesundheitswesenâ (DOI: 10.1055/a-2870-5575) erschien.
Auswertungen von 3.995 Teilnehmenden der österreichischen Gesundheitsbefragung (ATHIS) im Alter von mindestens 65 Jahren ergaben, dass lediglich 29,6 Prozent die empfohlene Vorgabe von mindestens 150 Minuten aerober körperlicher AktivitÀt pro Woche einhielten.
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Modellrechnungen der Wiener Forschungsgruppe verdeutlichen das damit verknĂŒpfte PrĂ€ventionspotenzial: HĂ€tten alle Teilnehmer die Bewegungsempfehlungen vollstĂ€ndig umgesetzt, hĂ€tten hypothetisch bis zu 46,6 Prozent der SchlaganfĂ€lle, 40,8 Prozent der Herzinfarkte und 35,8 Prozent der Diabetes-mellitus-FĂ€lle verhindert werden können. Die Studienautoren ordnen diese Werte allerdings als hypothetische Berechnungen an der Obergrenze ein.
Die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2020 sehen fĂŒr Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren sowie fĂŒr Personen ab 65 Jahren wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate Ausdauerbelastung oder alternativ 75 bis 150 Minuten intensive Belastung vor.
ErgĂ€nzend werden an mindestens zwei Tagen pro Woche krĂ€ftigende Ăbungen fĂŒr alle groĂen Muskelgruppen angeraten. FĂŒr die Generation ĂŒber 65 Jahren empfehlen die Leitlinien an mindestens drei Tagen zusĂ€tzlich koordinative Ăbungen zur SturzprĂ€vention. Dieser Bedarf trifft auf physiologische VerĂ€nderungen: Der altersbedingte Muskelabbau setzt bereits ab dem 30. Lebensjahr ein.
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WÀhrend MÀnner im Schnitt zu rund 40 Prozent aus Muskelmasse bestehen, liegt der Anteil bei Frauen bei etwa 30 bis 35 Prozent, wobei Frauen in den Wechseljahren einen weiteren Muskelmasseverlust von 10 bis 15 Prozent verzeichnen. Zudem wird eine weltweite PrÀvalenz von Insulinresistenz bei bis zu 50 Prozent der Erwachsenen beobachtet.
Kurzformate und Entspannungsmethoden im Alltag
Als niedrigschwelliger Ansatz gilt das sogenannte âExercise Snackingâ, bei dem kurze Einheiten ĂŒber den Tag verteilt werden. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025, die 27 Studien mit insgesamt 970 Teilnehmenden auswertete, belegt positive Effekte auf die kardiorespiratorische Fitness, den Blutdruck und Stoffwechselparameter.
Eine eindeutige Auswirkung auf das Körpergewicht zeigte sich dabei jedoch nicht. FĂŒnf- bis zehnminĂŒtige Einheiten, etwa Wadenheben oder Kniebeugen nach Besprechungen, senken die Hemmschwelle.
Der Sport- und ErnĂ€hrungswissenschaftler Martin Fiedler betonte in diesem Zusammenhang, dass der Einstieg mit wenigen Minuten tĂ€glich beginnen mĂŒsse und die Festigung der Routine meist drei bis sechs Monate beanspruche; solche Einheiten seien effektiv gegen langes Sitzen, ersetzten jedoch keinen Trainingsplan.
Neben körperlicher Bewegung beeinflussen auch gezielte Entspannungstechniken die GefĂ€Ăregulation. Nach Erkenntnissen der UniversitĂ€t Colorado vermag ein fĂŒnfminĂŒtiges tĂ€gliches Atemtraining den systolischen Blutdruck nach sechs Wochen im Schnitt um -9 mmHg zu senken.
Die progressive Muskelentspannung nach Jacobson fĂŒhrt bei zwei- bis dreimal wöchentlicher DurchfĂŒhrung ĂŒber 8 bis 12 Wochen zu Reduktionen um -5 bis -8 mmHg systolisch, wĂ€hrend Yoga Werte um -4 bis -7 mmHg und zĂŒgiges Spazierengehen ĂŒber 30 bis 45 Minuten Senkungen um -4 bis -9 mmHg bewirken können.
