CO2-FuĂabdruck beim Essen: MĂ€nner liegen bei 4,36, Frauen bei 3,43 Kilo
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 22:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen zum individuellen Konsumverhalten zeigen deutliche Unterschiede im ökologischen FuĂabdruck von MĂ€nnern und Frauen. WĂ€hrend Daten belegen, dass MĂ€nner im Schnitt fĂŒr spĂŒrbar höhere ernĂ€hrungsbedingte Treibhausgasemissionen verantwortlich sind als Frauen, rĂŒckt das Thema ErnĂ€hrung zeitgleich in den Fokus der europĂ€ischen Politik: Bei den Verhandlungen ĂŒber den kĂŒnftigen EU-Haushalt stehen weitreichende KĂŒrzungen der gemeinsamen Agrarförderung zur Debatte.
Geschlecht und Bildung prÀgen ernÀhrungsbedingte Emissionen
Eine in der Fachzeitschrift Nature Food veröffentlichte Untersuchung der WirtschaftsuniversitĂ€t Wien beleuchtet die globalen ZusammenhĂ€nge zwischen Demografie und Treibhausgasemissionen durch ErnĂ€hrung. Das weltweite ErnĂ€hrungssystem zeichnet demnach fĂŒr 25 bis 30 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Analyse erfasste 72 soziodemografische Gruppen in 165 LĂ€ndern und zeigt erhebliche Diskrepanzen zwischen den Geschlechtern auf.
Ăber alle untersuchten Regionen hinweg liegt der Median der ernĂ€hrungsbedingten Treibhausgasemissionen bei MĂ€nnern bei 4,36 kg CO2-Ăquivalenten pro Tag, wĂ€hrend Frauen einen Median von 3,43 kg CO2-Ăquivalenten pro Tag aufweisen.
Die höchsten ernĂ€hrungsbedingten Werte verzeichnet die Gruppe der hochgebildeten MĂ€nner im Alter von 15 bis 34 Jahren in stĂ€dtischen Gebieten mit einem Median von 5,66 kg CO2-Ăquivalenten tĂ€glich.
Die geringsten Emissionen entfallen auf Frauen im Alter von 35 bis 54 Jahren mit niedrigem Bildungsniveau in lĂ€ndlichen Regionen, deren Wert bei 2,85 kg CO2-Ăquivalenten pro Tag liegt. Wie Mitautor Martin Bruckner von der WirtschaftsuniversitĂ€t Wien hervorhob, steigt der CO2-FuĂabdruck der ErnĂ€hrung generell mit dem Bildungsniveau an.
Streit um den mehrjÀhrigen EU-Finanzrahmen
Die Frage nachhaltiger ErnĂ€hrungssysteme trifft auf eine verfahrene finanzpolitische Lage in BrĂŒssel. Der irische EU-Ratsvorsitz legte einen Kompromissvorschlag fĂŒr den EU-Haushalt der Jahre 2028 bis 2034 vor. Dieser sieht ein Gesamtvolumen von 1,826 Billionen Euro vor, was einer Reduzierung um rund 159 Milliarden Euro gegenĂŒber dem ursprĂŒnglichen Kommissionsentwurf von knapp 1,985 Billionen Euro entspricht. Die EuropĂ€ische Kommission bedauerte diese deutliche Absenkung.
Der Entwurf der irischen PrÀsidentschaft sieht Einschnitte in mehreren Kernbereichen vor:
- Verteidigung, Raumfahrt und Forschung sollen um 66,6 Milliarden Euro gekĂŒrzt werden; das EU-Parlament, darunter die Abgeordneten Ehler von der CDU und Repasi von der SPD, kritisierte dabei Einschnitte beim Forschungsprogramm Horizon Europe.
- FĂŒr die AuĂenhilfe sind Einsparungen von 33,1 Milliarden Euro vorgesehen, fĂŒr die Verwaltung 9,2 Milliarden Euro.
- Die EinkommensstĂŒtzung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) soll bei mindestens 293,7 Milliarden Euro liegen, was einem RĂŒckgang um rund 20 Prozent entspricht.
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Die Agrarreserve soll von 6,3 Milliarden Euro auf 4,4 Milliarden Euro schrumpfen.
- Das Fischerei-Budget soll dagegen auf knapp 4 Milliarden Euro nahezu verdoppelt werden, wĂ€hrend fĂŒr den KohĂ€sionsbereich ein leichtes Plus von 7,8 Milliarden Euro vorgesehen ist.
Politische Blockaden und Verhandlungen der Staats- und Regierungschefs
Gegen den Vorschlag regt sich von unterschiedlichen Seiten Widerstand. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das irische Papier als unzureichend und erklĂ€rte, dass Deutschland diesem nicht zustimmen könne, da die KĂŒrzungen nicht weit genug gingen.
Merz verlangt Einsparungen von mindestens 400 Milliarden Euro bei einem vorgeschlagenen Budget von 2.000 Milliarden Euro. Nach diesen Vorstellungen könnte die BasisprĂ€mie fĂŒr Landwirte von derzeit rund 147 Euro pro Hektar auf etwa 94 Euro pro Hektar sinken, wĂ€hrend die DABIS-Zahlungen im Schnitt zwischen 90 Euro und 240 Euro pro Hektar lĂ€gen.
UnterstĂŒtzung fĂŒr weitgehende KĂŒrzungen um mehrere Hundert Milliarden Euro kommt von weiteren Nettozahlern wie den Niederlanden, Schweden und Ăsterreich. DemgegenĂŒber fordern Staaten wie Frankreich, Spanien und Polen ein gröĂeres Budget und stemmen sich gegen Abstriche bei den Agrarbeihilfen.
Auch EVP-Chef Manfred Weber stellte sich gegen Merz: Gemeinsam mit den Spitzen von S&D, Renew und den GrĂŒnen, die zusammen 454 der 720 Sitze im EU-Parlament halten, lehnte Weber den Kompromiss ab, weil die Einsparungen zu drastisch ausfielen.
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Widerstand formiert sich zudem in der Agrarwirtschaft: Der Bayerische Bauernverband verlangt mindestens 500 Milliarden Euro fĂŒr die Erste und Zweite SĂ€ule der GAP, wĂ€hrend der Deutsche Bauernverband PlĂ€ne zu Kappung und Degression scharf zurĂŒckweist.
Der irische Europastaatsminister Thomas Byrne strebt dennoch eine Einigung bis zum Jahresende oder Anfang 2027 an, auch mit Blick auf die französische PrĂ€sidentschaftswahl am 18. April. Die EU-Regierungschefs beraten den Finanzrahmen am 15. und 16. Oktober 2026 auf einem Sondergipfel in BrĂŒssel unter der Leitung von EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa.
