Cyberkriminalität, Senioren

Cyberkriminalität trifft immer mehr Senioren – Digitale Bildung soll helfen

12.05.2026 - 06:39:02 | boerse-global.de

Der BSI Cybersicherheitsmonitor 2026 zeigt: 27 Prozent der Deutschen haben bereits digitale Straftaten erlebt. Besonders Senioren sind betroffen.

Cyberkriminalität trifft immer mehr Senioren – Digitale Bildung soll helfen - Foto: über boerse-global.de
Cyberkriminalität trifft immer mehr Senioren – Digitale Bildung soll helfen - Foto: über boerse-global.de

Das zeigt der aktuelle BSI Cybersicherheitsmonitor 2026, der Mitte Mai veröffentlicht wurde. Besonders betroffen: ältere Menschen, die gleichzeitig mit der zunehmenden Digitalisierung von Behörden und Gesundheitswesen kämpfen.

27 Prozent der Befragten haben bereits persönliche Erfahrung mit digitalen Straftaten gemacht. Davon entfallen 13 Prozent auf Online-Banking-Betrug, zwölf Prozent auf Phishing-Attacken. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen – 55 Prozent der Verbraucher unterschätzen die persönlichen Risiken im Netz. Nur 46 Prozent nutzen sichere Passwörter.

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Wenn der Anruf das Konto leert

Die finanziellen Folgen sind oft verheerend. 88 Prozent der Opfer erleiden einen Schaden, ein Drittel davon direkte Geldverluste. Aktuelle Fälle zeigen die perfiden Methoden der Täter:

In Eisleben verlor eine 78-Jährige einen fünfstelligen Betrag. Die Täter gaben sich am Telefon als Bankmitarbeiter aus und erschlichen sich Transaktionsnummern (TANs). Selbst nachdem ein erster Diebstahl von 4.000 Euro gemeldet war, gelang eine weitere Überweisung ins außereuropäische Ausland.

In Rottweil nutzten Betrüger KI-Stimmenklonen: Ein 88-Jähriger erhielt einen Schockanruf, bei dem eine künstlich erzeugte Stimme seiner Tochter um Hilfe bat. Er übergab daraufhin Bargeld in beträchtlicher Höhe.

Ein 75-Jähriger aus Esens verlor eine dreistellige Summe an angebliche Microsoft-Mitarbeiter. Die Täter erlangten per Telefon Zugriff auf seine Bankdaten. In Köln fiel ein Verbraucher auf eine gefälschte Park-App in Kopenhagen herein – die Abbuchungen zwischen 30 und 50 Euro fielen erst Wochen später auf.

„Digitalpaten“ als Schutzschild

Gegen diese Entwicklung läuft eine Welle von Bildungsinitiativen an. Am 11. Mai 2026 schulten Sicherheitsberater in Erlensee gemeinsam mit der Polizei 16 Teilnehmer im Erkennen von Messenger-Betrug und Schockanrufen. Die Devise: Sofort auflegen, keine TANs herausgeben, Informationen über offizielle Kanäle prüfen.

In Hilden ist für den 21. Mai ein „Senioren-Medientag“ geplant. Digitale Mentoren zeigen dort den sicheren Umgang mit dem Internet und Künstlicher Intelligenz. In Friedrichshafen bieten Schüler der Claude-Dornier-Schule am selben Tag eine kostenlose Handy-Sprechstunde an. Pirmasens startet ab dem 12. Juni eine Schulungsreihe, bei der Berufsschüler Senioren bei Laptop, Tablet und Smartphone helfen.

Hintergrund dieser Initiativen: Viele Senioren fühlen sich von der Digitalisierung abgehängt. In Glinde äußerten Betroffene im Frühjahr 2026 Sorgen, dass die geplante vollständig digitale Verwaltung in Schleswig-Holstein sie von wichtigen Dienstleistungen ausschließen könnte.

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Gesundheitssystem am digitalen Wendepunkt

Besonders deutlich wird der digitale Wandel im Gesundheitswesen. Zum 1. Juli 2026 soll die assistierte Telemedizin in deutschen Apotheken starten. Patienten können dann in separaten Beratungsräumen Videosprechstunden nutzen – eine Erleichterung für Menschen ohne heimische Technik. Die Vergütungsvereinbarungen stehen, die finale Zustimmung des Bundesgesundheitsministeriums und des Deutschen Apothekerverbands fehlt noch.

Doch die Digitalisierung trifft auf ein System in der Krise. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant ein Sparpaket, das die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten soll – bei einem prognostizierten Defizit von 15,3 Milliarden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Deutsche Ärztetag warnen: Das könnte zu 46 Millionen weniger Behandlungsfällen pro Jahr führen.

Eine Forsa-Umfrage der Techniker Krankenkasse zeigt bereits jetzt massive Probleme: 67 Prozent der Patienten bemängeln fehlende Koordination zwischen Ärzten, 65 Prozent klagen über lange Wartezeiten, 61 Prozent erhielten falsche Dokumente. Etwa ein Drittel musste sich doppelten Untersuchungen unterziehen, weil Kliniken und Praxen nicht kommunizieren.

Zwischen Teilhabe und Ausgrenzung

Die digitale Transformation schafft eine paradoxe Situation: 90 Prozent der über 65-Jährigen besitzen inzwischen ein Smartphone. Britische Senioren verbringen im Schnitt drei Stunden täglich online. Doch mehr Vernetzung bedeutet nicht mehr Sicherheit. Psychologen warnen vor wachsender Social-Media-Abhängigkeit bei über 60-Jährigen, die zu sozialer Isolation und erhöhter Manipulierbarkeit führt.

In Schleswig-Holstein zeigte sich am 11. Mai eine wachsende Spannung: Während die Digitalisierung der Verwaltung Effizienz verspricht, droht sie Menschen ohne Hardware, Kenntnisse oder Interesse zu „Menschen zweiter Klasse“ zu machen. 63 Prozent der Senioren nutzen das Smartphone als Hauptzugang zum Internet – viele jedoch ohne die nötigen Sicherheitskenntnisse.

Was jetzt zählt

Der Start der Apothekentelemedizin im Juli wird zum Testfall: Können begleitete digitale Angebote die Lücke für Technik-Unsichere schließen? Parallel kämpft die Ärzteschaft gegen die geplanten GKV-Kürzungen, die bestehende Probleme bei Koordination und Wartezeiten verschärfen dürften.

Auf der Sicherheitsseite setzen Experten auf Passwortmanager und Zwei-Faktor-Authentifizierung. Integrierte Lösungen der großen Betriebssystemanbieter könnten die niedrigste Einstiegshürde bieten. Ob die Welle der „Digitalpaten“ und Schüler-Trainings ausreicht, um die Verwundbarsten zu schützen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Täter schlafen nicht – ihre Methoden werden raffinierter, von KI-Stimmen bis zu gefälschten QR-Codes.

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