Darmmikrobiom, Mikrobenarten

Darmmikrobiom: 669 von 724 Mikrobenarten hÀngen mit der ErnÀhrung zusammen

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 13:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen verbinden fermentierte Kost mit grĂ¶ĂŸerer mikrobieller Vielfalt; bei Kefir bleiben Studiendauer und Zusammensetzung wichtige EinschrĂ€nkungen.
Rustikale KeramikgefĂ€ĂŸe zur Lebensmittelfermentation auf einem Holztisch bei natĂŒrlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Fermentierte Produkte wie Kefir, Kombucha und traditionelles Sauerkraut gewinnen in der ErnĂ€hrungsforschung und im Konsumalltag zunehmend an Bedeutung. Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstĂ€rkt der Frage, inwiefern der regelmĂ€ĂŸige Konsum solcher Nahrungsmittel die Zusammensetzung des Darmmikrobioms verĂ€ndern und die allgemeine Verdauungsgesundheit unterstĂŒtzen kann.

Mikrobielle Vielfalt und entzĂŒndungshemmende Effekte

ErnĂ€hrungswissenschaftler wie Alex Prutting heben hervor, dass fermentierte Lebensmittel die Darmgesundheit fördern können, indem sie die DiversitĂ€t der Darmmikrobiota vergrĂ¶ĂŸern und EntzĂŒndungsprozesse dĂ€mpfen. Ein Forschungsreview aus dem Jahr 2022 zeigte bereits auf, dass der regelmĂ€ĂŸige Verzehr nĂŒtzlichen Bakterien wichtige NĂ€hrstoffe zufĂŒhrt und so das mikrobielle Milieu beeinflusst.

Diesen Mechanismus bestÀtigen auch klinische Untersuchungen: In einer in der Fachzeitschrift Cell vorgestellten Untersuchung folgten 18 Teilnehmende zehn Wochen lang einer ErnÀhrung mit fermentierten Lebensmitteln wie Joghurt und Kimchi, wÀhrend eine Vergleichsgruppe von 21 Personen ballaststoffreiche Kost verzehrte.

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Nach zehn Wochen verzeichnete die Gruppe mit fermentierten Lebensmitteln eine gestiegene mikrobielle Vielfalt sowie eine geringere Aktivierung von vier Immunzelltypen.

Zudem sanken die Werte des EntzĂŒndungsmarkers Interleukin-6, der hĂ€ufig bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder chronisch-entzĂŒndlichen Darmerkrankungen erhöht ist. In der Ballaststoffgruppe blieb ein vergleichbarer DiversitĂ€tszuwachs im selben Zeitraum aus.

Auf breiterer Ebene lieferte eine im Jahr 2026 in Nature Medicine publizierte Untersuchung von 10.068 Personen vertiefte Einblicke. Von 724 analysierten Mikrobenarten wiesen 669 – mithin 92,4 Prozent – statistische VerknĂŒpfungen mit den individuellen Essgewohnheiten auf. Fermentierte Milcherzeugnisse standen dabei insbesondere mit Bakteriengattungen wie Lactobacillus und Bifidobacterium in Verbindung.

Kefir als komplexes Fermentationsprodukt

Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses steht hÀufig Kefir. Das traditionell im Kaukasus und in Osteuropa beheimatete GetrÀnk entsteht durch die Fermentation von Milch mittels einer symbiotischen Gemeinschaft aus MilchsÀurebakterien, EssigsÀurebakterien und Hefen. Nach Angaben von Fachleuten der Universidad Nacional Autónoma de México kann dieses Zusammenspiel das Gleichgewicht der Mikrobiota gezielt stabilisieren.

Eine in der Zeitschrift Healthcare veröffentlichte Übersicht aus dem Jahr 2026 wertete 28 klinische Humanstudien zum Kefirkonsum aus und dokumentierte vielversprechende Resultate hinsichtlich metabolischer Parameter sowie der Darmgesundheit. Allerdings wiesen die Fachleute auf EinschrĂ€nkungen durch uneinheitliche Produktzusammensetzungen und unterschiedliche Studiendauern hin.

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Eine weitere systematische Übersicht mit Metaanalyse aus demselben Jahr stellte fest, dass Kefir zur Senkung des NĂŒchternblutzuckers und des HOMA-IR-Index beitragen kann, wenngleich eine universell gĂŒltige Tagesdosis bislang nicht definiert ist.

Laboruntersuchungen der Staatlichen AgraruniversitÀt Don zeigten zudem, dass speziell angereicherte Kefirprodukte das Wachstum bestimmter Enterobacteriaceae wie Salmonella typhimurium oder Escherichia coli auf NÀhrmedien wirksam hemmen können.

Empfehlungen fĂŒr den Alltag und QualitĂ€tsmerkmale

Fachleute raten bei der Integration fermentierter Erzeugnisse zu einem bewussten Vorgehen. Die ErnĂ€hrungswissenschaftlerin Amanda Sauceda empfiehlt, den Konsum schrittweise und mit kleinen PortionsgrĂ¶ĂŸen zu beginnen, um den Magen-Darm-Trakt schrittweise zu adaptieren. BezĂŒglich des optimalen Einnahmezeitpunkts gibt es laut der ErnĂ€hrungswissenschaftlerin Gabrielle Palmeri keine belastbaren wissenschaftlichen Belege fĂŒr ein bestimmtes Zeitfenster.

Ein wesentliches QualitÀtskriterium ist der Erhalt lebensfÀhiger Mikroorganismen. Die ErnÀhrungswissenschaftlerin Jasmin Dieb weist darauf hin, dass industrielle Hitzebehandlungen oder Pasteurisierungsverfahren lebende Bakterienkulturen abtöten können. Verbraucher sollten daher auf Auslobungen wie lebende und aktive Kulturen achten.

Zudem rĂ€t die ErnĂ€hrungswissenschaftlerin Renee Korczak zu Varianten mit möglichst geringem Zusatz an Industriezucker, da einige industriell gefertigte Joghurts oder Kombucha-GetrĂ€nke erhebliche Zuckermengen aufweisen. Besondere Vorsicht bei ungepasteurisierten Produkten ist fĂŒr Schwangere, Personen mit geschwĂ€chtem Immunsystem sowie histaminempfindliche Menschen geboten.

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