Demenz-Therapie: Donanemab-GOP seit 1. Juli – Abrechnung neu geregelt
04.07.2026 - 02:09:55 | boerse-global.de
Die medizinische Fachwelt hat im ersten Halbjahr 2026 gleich zehn S3-Leitlinien veröffentlicht oder grundlegend überarbeitet. Die Schwerpunkte: Onkologie, Geriatrie und das Management chronischer Komorbiditäten. Mit Stand vom 3. Juli liegen die aktualisierten Empfehlungen vor – mit teils weitreichenden Folgen für die klinische Praxis.
Lungenkrebs: Neue Therapieoptionen und „Living Guideline“
Anfang Juli 2026 erschien die aktualisierte S3-Leitlinie zum Lungenkarzinom – erstmals als „Living Guideline“. Das bedeutet: Die Empfehlungen werden laufend an den Forschungsstand angepasst.
Besonders beim kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC) gibt es Neuerungen: Checkpoint-Inhibitoren und Tarlatamab rücken in der Systemtherapie ins Zentrum. Beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) in den Stadien II und III setzen die Experten künftig auf eine 3D-basierte Bewertung der Operabilität.
Wichtig für ältere Patienten: Das kalendarische Alter allein ist kein Ausschlusskriterium mehr für einen chirurgischen Eingriff. Parallel wurden auch die Leitlinien zur onkologischen Ernährung und zur Behandlung des Endometriumkarzinoms aktualisiert.
Rheuma und Herz: Wenn zwei Krankheiten sich beeinflussen
Ein Meilenstein kam im Juni 2026: Die S3-Leitlinie zum Management kardiovaskulärer Risiken bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Federführend war die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), beteiligt waren Kardiologen, Angiologen und Diabetologen.
Die Kernbotschaft: Blutdruck, Fettstoffwechsel und Diabetes müssen engmaschig kontrolliert werden. Genauso wichtig ist die konsequente Entzündungskontrolle. Die Leitlinie empfiehlt zudem, Glukokortikoide und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) so niedrig wie möglich zu dosieren und nur kurz einzusetzen. Ziel: das Herz-Kreislauf-System nicht zusätzlich zu belasten.
Demenz: Neue Wirkstoffe und eine neue Abrechnungsziffer
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Für die Versorgung älterer Menschen wurden gleich mehrere Leitlinien finalisiert – zu Multimorbidität, pertrochantären Oberschenkelfrakturen und Demenz. Die aktualisierten Empfehlungen berücksichtigen nun die neuen Therapieoptionen Lecanemab und Donanemab.
Passend dazu gibt es eine Neuerung im Abrechnungssystem: Seit dem 1. Juli 2026 existiert eine eigene GebĂĽhrenordnungsposition (GOP) fĂĽr die Donanemab-Therapie bei Alzheimer-Patienten. Auch bei seltenen neurologischen Erkrankungen gibt es Fortschritte: Der Wirkstoff Levacetylleucin kann den neurologischen Zustand bei Morbus Niemann-Pick Typ C ĂĽber 30 Monate stabilisieren.
Frauenheilkunde: Neue OP-Regeln und mehr Forschung
Anfang Juli 2026 wurde die S3-Leitlinie zu Diagnostik und Therapie des Descensus genitalis aktualisiert. Die Fachgesellschaften bewerteten neue Operationstechniken und legten einen stärkeren Fokus auf Präventionsstrategien. Eine konkrete Vorgabe: Die Aufklärung über operative Eingriffe muss mindestens 24 Stunden vor dem Termin erfolgen.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) plant zudem, die Frauengesundheit in der klinischen Forschung zu stärken. Ein Workshop Ende September 2026 soll sich mit der Repräsentation von Frauen in Studien und der Evidenzgenerierung für Schwangerschaft und Stillzeit befassen.
Psychiatrie: 88 Empfehlungen gegen Zwang und Aggression
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Ein weiterer Schwerpunkt: die Vermeidung von Zwang und Aggression in der Psychiatrie. Die am 2. Juli 2026 aktualisierte Richtlinie umfasst 88 Empfehlungen, erarbeitet von Experten aus Deutschland, Ă–sterreich und der Schweiz.
Kernpunkte sind die strukturierte Risikoeinschätzung mittels Checklisten, offene Behandlungskonzepte und die verpflichtende Nachbesprechung von Zwischenfällen. Die Leitlinie ist bis 2031 gültig und zielt darauf ab, ethische Fallberatungen fest im klinischen Alltag zu verankern.
