DemenzprÀvention, Bewegung

DemenzprÀvention: Bewegung senkt Risiko um 40 Prozent

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 08:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen, wie Bewegung, geistige AktivitÀt und soziale Faktoren die kognitive Gesundheit beeinflussen und das Demenzrisiko mindern können.

Demenzrisiko senken: Bewegung, ErnĂ€hrung und frĂŒhe Diagnose
Ein sonnendurchfluteter Waldweg inmitten eines ruhigen, grĂŒnen Waldes als Symbol fĂŒr Bewegung und geistige Gesundheit. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen und Langzeitstudien befassen sich intensiv mit der Frage, wie tĂ€gliche Gewohnheiten und Ă€ußere LebensumstĂ€nde die langfristige kognitive Gesundheit beeinflussen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass neben medizinischen Fortschritten in der FrĂŒhdiagnostik vor allem modifizierbare Lebensstilfaktoren eine entscheidende Rolle bei der Senkung des Demenzrisikos spielen können.

Diagnostische Fortschritte und neue Therapieoptionen

An der Med Uni Graz konzentriert sich die Forschung unter anderem auf die prÀzisere Bestimmung des Hippocampus-Volumens sowie die Untersuchung von Neurofilamenten. Laut der Forscherin Marisa Koini stehen diese Filamente in engem Zusammenhang mit strukturellen VerÀnderungen des alternden Gehirns.

Parallel dazu werden neue Behandlungswege fĂŒr Patientinnen und Patienten in frĂŒhen Stadien der Alzheimer-Erkrankung beschritten. An der dortigen GedĂ€chtnisambulanz stehen die Anti-Amyloid-Antikörpertherapien Lecanemab und Donanemab fĂŒr geeignete Betroffene zur VerfĂŒgung.

Die Bedeutung einer frĂŒhzeitigen Diagnose unterstrich auch der Neurologe Heinz Wiendl von der Uni-Klinik Freiburg. Er verwies darauf, dass eine rechtzeitige Erkennung neue Therapieoptionen eröffne. Zur Prophylaxe empfahl er die sogenannten „vier L“: Lernen, Laufen, Lachen und Lieben.

Dennoch bleibt die medizinische Versorgung eine Herausforderung. Am Beispiel der Steiermark zeigt sich eine deutliche LĂŒcke: Von den mehr als 21.000 dort lebenden Menschen mit Demenz befinden sich laut dem Netzwerk Demenz Steiermark lediglich sechs Prozent in fachĂ€rztlicher Behandlung.

PrÀvention durch körperliche und geistige AktivitÀt

Umfangreiche Datenanalysen belegen den prĂ€ventiven Effekt von Bewegung. Eine Meta-Analyse im Fachmagazin Lancet Public Health, die 74 Studien mit ĂŒber 4,2 Millionen Teilnehmenden untersuchte, beziffert die Senkung des Demenzrisikos durch FreizeitaktivitĂ€ten auf 24 Prozent.

DemgegenĂŒber steht ein erhöhtes Risiko bei hoher beruflicher Belastung oder langen Pendelwegen. Werden die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfĂŒllt, könne das Alzheimer-Risiko um 35 Prozent und das Risiko fĂŒr vaskulĂ€re Demenz um 38 Prozent sinken.

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Eine im Fachjournal JAMA Neurology veröffentlichte Untersuchung von 586 Verstorbenen im Durchschnittsalter von 91 Jahren identifizierte fĂŒnf gesunde Gewohnheiten, die selbst bei vorhandenen biologischen Alzheimer-Anzeichen vor kognitiven Einbußen schĂŒtzen können: Nichtrauchen, mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche, moderater Alkoholkonsum, geistige Stimulation sowie die Einhaltung der MIND-DiĂ€t.

Sportliche AktivitÀt kann laut weiteren Studien das Risiko um bis zu 40 Prozent senken, wÀhrend kognitives Training eine Reduktion von etwa 25 Prozent bewirken könne.

Sozioökonomische Faktoren und biologische Marker

Die kognitive Entwicklung beginnt bereits im Kindesalter unter dem Einfluss des Umfelds. Eine Studie der Washington University, die unter anderem in der ABCD-Kohorte bei 9- bis 10-JĂ€hrigen durchgefĂŒhrt wurde, identifizierte den sozioökonomischen Status und das Familieneinkommen als stĂ€rkste Faktoren fĂŒr die funktionelle KonnektivitĂ€t in sensorischen und motorischen Hirnregionen. Diese Effekte zeigten sich weitgehend unabhĂ€ngig von der genetischen Abstammung.

FĂŒr die Beurteilung der individuellen Gesundheit im Alter stellt Prof. Eline Slagboom von der Uni Leiden auf dem Fachkongress der DGG und DGGG im September 2026 den Score „Personal-MetaboHealth“ vor. Dieser kostengĂŒnstige und skalierbare Score soll das Risiko fĂŒr Gebrechlichkeit, kognitiven Verfall sowie kardiovaskulĂ€re Erkrankungen und Krebs abbilden.

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ErnÀhrung, Fitness und ergÀnzende Risikofaktoren

Auch die ErnĂ€hrung und die körperliche Konstitution stehen im Fokus der Forschung. Eine australische Langzeitstudie der Murdoch University untersuchte ĂŒber 90 Monate den Einfluss westlicher ErnĂ€hrungsgewohnheiten. Bei TrĂ€gern des APOE-?4-Allels war eine solche ErnĂ€hrung mit einem schnelleren Verlust der Aufmerksamkeit assoziiert.

In der Fachzeitschrift npj Aging wurde zudem ein Zusammenhang zwischen höherer MuskelkapazitĂ€t und einem geringeren Volumen bestimmter Hirnstrukturen (Basalganglien-PVS) beschrieben. Eine höhere aerobe Fitness korreliere zudem mit einem grĂ¶ĂŸeren Gesamtvolumen der grauen Substanz.

Weitere Faktoren fĂŒr die Gehirngesundheit finden sich in der allgemeinen körperlichen Verfassung. Eine japanische Langzeitstudie beobachtete ĂŒber zehn Jahre einen Zusammenhang zwischen fortgeschrittenen Zahnbetterkrankungen und Demenz.

Probanden mit starken Zahnfleischblutungen wiesen ein um rund 60 Prozent höheres Alzheimer-Risiko auf. Forschungsdaten des Forschungszentrums JĂŒlich unterstreichen zudem, dass ein reges soziales Umfeld mit einer besser erhaltenen grauen Substanz verbunden ist, wĂ€hrend hoher Alkoholkonsum den Gehirnabbau beschleunigen kann.

Experimentelle AnsĂ€tze, wie der Einsatz von „Pink Noise“ zur VerstĂ€rkung von Hirnwellen im Tiefschlaf, befinden sich laut Experten wie Kleinschnitz noch in einem frĂŒhen Stadium der MachbarkeitsprĂŒfung.

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