Demenzrisiko, Schritte

Demenzrisiko: 5.000 Schritte tÀglich könnten den Abbau um Jahre verzögern

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien untersuchen ErnĂ€hrung, Bewegung und Statine; ein Wiener Projekt prĂŒft, ob gemeinsames Singen Alzheimer-Betroffenen helfen kann.

Demenzrisiko: Lebensstilfaktoren und Musiktherapie im Forschungsfokus
Ein sonnendurchfluteter Waldweg im Herbst, der zu einem Spaziergang einlÀdt und einen gesunden Lebensstil symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte thematisieren sowohl prÀventive Lebensstilfaktoren zur Senkung des Demenzrisikos als auch neue experimentelle TherapieansÀtze durch Musik. Im Fokus wissenschaftlicher Diskussionen stehen verÀnderbare Verhaltensweisen, chronische Grunderkrankungen und kulturelle Interventionen, die das Potenzial besitzen, kognitive FÀhigkeiten im Alter lÀnger zu erhalten.

Beeinflussbare Risikofaktoren im Lebensstil

Die Lancet-Kommission erweiterte im Jahr 2024 die Liste der verĂ€nderbaren Demenz-Risikofaktoren von 12 auf 14. Zu diesen Faktoren zĂ€hlen geringe Bildung, Hörverlust, Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, Depression, Bewegungsmangel, Diabetes, soziale Isolation, ĂŒbermĂ€ĂŸiger Alkoholkonsum, Kopfverletzungen, Luftverschmutzung sowie neu hohes LDL-Cholesterin und unbehandelte SehschwĂ€che.

Dem Kommissionsbericht zufolge könnten theoretisch bis zu 45 Prozent aller DemenzfĂ€lle weltweit verhindert oder verzögert werden, falls diese 14 Risikofaktoren gleichzeitig, vollstĂ€ndig und dauerhaft beseitigt wĂŒrden. Dies bedeutet jedoch keine Senkung des individuellen Risikos um 45 Prozent. Fachleute schĂ€tzen zudem allgemein, dass durch die Reduktion von Risikofaktoren jeder zweite Fall vermeidbar wĂ€re.

Dass eine Risikoreduktion möglich ist, jedoch keine individuelle Garantie darstellt, unterstreichen auch Daten aus Brasilien: Dort liegt der Anteil Àlterer Menschen mit einer Demenz laut USP-Forschung bei 12,5 bis 17,5 Prozent. Im Rahmen von PrÀventionsempfehlungen raten Mediziner zu Bewegung, Vorsorge und sozialen Kontakten.

Ein Neurologe der Uniklinik Essen erklĂ€rte, Alltagsmaßnahmen könnten das Demenzrisiko um 45 Prozent senken, wobei keine Bezugsbasis fĂŒr diese Zahl genannt wurde. Den vorliegenden Daten zufolge ist Übergewicht bei einem Body-Mass-Index ab 25 mit einem um 30 Prozent höheren Risiko verbunden, Rauchen mit einem um 30 bis 50 Prozent höheren Risiko.

Bewegungsmangel wird mit jedem fĂƒÂŒnften Demenzfall in Verbindung gebracht, soziale Isolation mit einem um 26 Prozent, Hörverlust mit etwa 20 Prozent und ein SchĂ€del-Hirn-Trauma mit einem um 33 Prozent höheren Risiko.

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ErnÀhrung, Bewegung und Medikation in der Forschung

Hinsichtlich der ErnĂ€hrung untersuchte eine im Fachjournal Nature Communications veröffentlichte Studie des Deutschen Zentrums fĂŒr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) rund 7.500 Personen – davon 6.470 aus der Rheinland-Studie und rund 1.000 aus EPIC-Potsdam.

Gemessen wurden DNA-Methylierungsmuster anhand von drei epigenetischen Uhren an rund 850.000 Stellen. Eine höhere ErnĂ€hrungsqualitĂ€t war bei allen zehn untersuchten ErnĂ€hrungsstilen mit einem langsameren biologischen Altern verbunden, wobei sich mehr als 70 Prozent der Signalwege zwischen den DiĂ€ten ĂŒberschnitten.

Der Zusammenhang trat bei Rauchern am stĂ€rksten auf, die Ursache blieb unklar. Die Forschenden betonten, dass es nicht die eine beste ErnĂ€hrungsform gebe und die Resultate einen Zusammenhang, aber keinen Beweis fĂŒr KrankheitsprĂ€vention darstellen.

Auch körperliche AktivitĂ€t spielt eine messbare Rolle. Die Harvard Aging Brain Study, 2025 in Nature Medicine veröffentlicht, beobachtete 294 kognitiv unauffĂ€llige Erwachsene im Alter von 50 bei 90 Jahren ĂŒber 14 Jahre hinweg.

Bei erhöhtem Risiko zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Bewegung und langsamerer Tau-Ablagerung: Ein Pensum von 3.000 bis 5.000 Schritten tÀglich entsprach einem um durchschnittlich rund drei Jahre verlangsamten kognitiven Abbau, 5.000 bis 7.500 Schritte sogar einer Verzögerung von bis zu sieben Jahren. Ein PrÀventionsbeweis ist damit nicht erbracht, da umgekehrte KausalitÀt nicht ausgeschlossen werden kann.

ZusĂ€tzlich analysierte eine dĂ€nische Registerstudie am UniversitĂ€tsklinikum Kopenhagen in The Lancet Regional Health – Europe Daten von 132.585 Menschen mit Typ-2-Diabetes, die zwischen 2006 und 2019 diagnostiziert und bis 2021 nachbeobachtet wurden.

GegenĂŒber Patienten ohne Statintherapie innerhalb von fĂŒnf Jahren war der Beginn einer Statinbehandlung im ersten Jahr nach der Diabetesdiagnose mit einem um 15 Prozent niedrigeren Demenzrisiko innerhalb von zehn Jahren verbunden; bei einem Beginn zwischen Jahr eins und fĂŒnf lag das Risiko um 10 Prozent niedriger.

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Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelte, liegt kein KausalitÀtsnachweis vor, und Statine sollten nicht eigenstÀndig zur DemenzprÀvention eingenommen werden.

Bei weiteren kognitiven ÜberprĂŒfungen waren höhere Testwerte mit einem um 16 Prozent geringeren spĂ€teren Demenzrisiko verbunden, jeder zusĂ€tzliche Punkt mit etwa 2 Prozent weniger Risiko, wĂ€hrend verbale und rĂ€umliche Tests diesen Zusammenhang nicht zeigten.

Eine auf der Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) 2024 vorgestellte Erhebung an rund 8.500 Menschen ĂŒber 60 Jahren ergab zudem, dass hoher Kaffeekonsum ab vier Tassen tĂ€glich mit einem schnelleren Abbau fluider Intelligenz einherging, moderater Konsum von einer bis drei Tassen unbedenklich oder leicht schĂŒtzend wirkte und Teekonsum ab vier Tassen tĂ€glich mit besseren Werten verbunden war.

Experimentelle TherapieansÀtze und Teilhabe durch Musik

Neben prĂ€ventiven Lebensstilmaßnahmen gewinnen nicht-medikamentöse AnsĂ€tze fĂŒr Betroffene an Bedeutung. An der UniversitĂ€t Wien untersucht das vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Projekt „Musik fĂŒr das GedĂ€chtnis“ unter der Leitung der Psychologin Anja-Xiaoxing Cui, ob aktives Singen und das Einstudieren neuer Lieder die geistigen FĂ€higkeiten von Menschen mit Alzheimer verbessern können.

In dem von 2025 bis 2029 laufenden Forschungsvorhaben erhalten rund 100 Teilnehmende ab 65 Jahren in Österreich, Norwegen und Argentinien ein Jahr lang Gesangsunterricht – unterteilt in Phasen von zweimal wöchentlich beziehungsweise einmal monatlich. Begleitend werden Elektroenzephalografie (EEG), Magnetresonanztomografie (MRT) sowie neuropsychologische Tests eingesetzt.

Praktische Teilhabe fĂŒr Erkrankte und Angehörige steht auch im Mittelpunkt kultureller Initiativen wie der Konzertreihe „Musik bleibt!“ des SWR Symphonieorchesters unter Chefdirigent François-Xavier Roth, die mit Elementen wie Gesang, Klatschen und Bewegung auf Interaktion setzt.

Solche AnsÀtze zielen darauf ab, emotionale ZugÀnge offenzuhalten, wÀhrend die Forschung weiterhin die komplexen Wechselwirkungen zwischen Alltagsfaktoren und Hirngesundheit analysiert.

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