Demenzrisiko, Schritte

Demenzrisiko: 7.000 Schritte tÀglich senken es laut Metaanalyse um 38 Prozent

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine US-Auswertung verbindet geringe tÀgliche Schrittzahlen mit hÀufigeren neurologischen Diagnosen; weitere Studien untersuchen Bewegung und Gesundheit.
Ein geschwungener Kiesweg durch einen ruhigen Wald im goldenen Licht der Abendsonne. Illustration mit AI erstellt.

Eine geringe körperliche AktivitĂ€t im Alltag steht in engem Zusammenhang mit dem Auftreten schwerer neurologischer Erkrankungen. Daten der Florida Atlantic University, die auf der Jahrestagung der Neurologischen Fachgesellschaft ANA vorgestellt wurden, verdeutlichen dieses Muster: Erwachsene, die im Tagesdurchschnitt unter 5.000 Schritte zurĂŒcklegten, erhielten fast doppelt so hĂ€ufig eine Diagnose fĂŒr Demenz, Parkinson oder Schlaganfall wie Personen mit mehr als 12.000 Schritten pro Tag.

Deutliche Unterschiede zwischen AktivitÀtsgruppen

Die Untersuchung der Florida Atlantic University stĂŒtzt sich auf ĂŒber ein Jahr hinweg erfasste Fitbit-Schrittdaten von 22.517 US-Erwachsenen ab 40 Jahren aus dem staatlichen Forschungsprogramm „All of Us“ der National Institutes of Health.

Die Gesundheitsakten der Teilnehmenden wurden im Schnitt ĂŒber fĂŒnf Jahre nachbeobachtet. Über einen Erfassungszeitraum von insgesamt 114.596 Personenjahren traten 343 neu diagnostizierte FĂ€lle von Demenz, Parkinson sowie SchlaganfĂ€llen oder transitorischen ischĂ€mischen Attacken (TIA) auf.

Die Forschenden unterteilten das Kollektiv in drei Gruppen: eine niedrige AktivitÀtsstufe mit rund 4.800 Schritten pro Tag, eine mittlere mit etwa 8.300 Schritten sowie eine hohe Gruppe mit durchschnittlich circa 12.600 Schritten.

Die Inzidenzrate pro 1.000 Personenjahre lag bei 3,81 in der Gruppe mit niedriger AktivitÀt, sank bei mittlerer Bewegung auf 2,71 und erreichte bei hoher Schrittzahl 2,12 (p=0,0004).

Im unadjustierten Vergleich wies die Gruppe mit der geringsten Schrittzahl gegenĂŒber der aktivsten Gruppe ein relatives Risiko (Hazard Ratio) von 1,80 auf (95%-Konfidenzintervall 1,28–2,54).

Nach vollstĂ€ndiger statistischer Adjustierung fĂŒr Begleitfaktoren lag die Hazard Ratio bei 1,53 (0,93–2,53). Als stĂ€rkster PrĂ€diktor fĂŒr die neurologischen Ereignisse erwies sich eine Depression mit einer Hazard Ratio von 2,47 (1,78–3,44).

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Zudem unterschieden sich die gesundheitlichen Profile zwischen den Gruppen deutlich: Der Body-Mass-Index sank von 32,1 in der Gruppe mit niedriger AktivitĂ€t ĂŒber 28,4 auf 26,5 in der aktivsten Kohorte. Auch Vorerkrankungen traten bei mehr Bewegung seltener auf.

So lag der Anteil von Typ-2-Diabetes in den drei Stufen bei 5,6 Prozent, 2,5 Prozent und 2,0 Prozent. Hypertonie betraf 13,4 Prozent, 9,5 Prozent beziehungsweise 9,2 Prozent, wÀhrend depressive Erkrankungen bei 8,6 Prozent, 5,1 Prozent sowie 3,1 Prozent dokumentiert wurden.

Breitere Evidenz fĂŒr prĂ€ventive Schwellenwerte

Die Erkenntnisse decken sich mit weiteren wissenschaftlichen Erhebungen. Eine Metaanalyse der University of Sydney in der Fachzeitschrift The Lancet Public Health, die 31 Studien mit 35 Teilnehmergruppen auswertete, verglich ein Pensum von rund 7.000 Schritten pro Tag mit etwa 2.000 Schritten.

Bei 7.000 Schritten zeigte sich ein um 38 Prozent geringeres Demenzrisiko sowie ein um 47 Prozent reduziertes Risiko fĂŒr einen vorzeitigen Tod jeglicher Ursache.

Zudem verringerte sich das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 25 Prozent, depressive Symptome traten um 22 Prozent seltener auf, das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes sank um 14 Prozent und StĂŒrze gingen um 28 Prozent zurĂŒck. Der stĂ€rkste Zusatznutzen stellte sich bei einer Steigerung auf 5.000 bis 7.000 Schritte ein; ein KausalitĂ€tsnachweis ist damit jedoch nicht erbracht.

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Weitere Auswertungen bestĂ€tigen diesen Trend: Eine britische Kohortenuntersuchung an 78.430 Personen ĂŒber sieben Jahre stellte ein um 25 Prozent verringertes Demenzrisiko bei rund 3.800 Schritten und eine Reduktion um 50 Prozent bei rund 9.800 Schritten fest.

Eine kleinere Langzeitstudie mit rund 300 Teilnehmenden beobachtete bei 5.000 bis 7.500 Schritten den stÀrksten Effekt auf demenzbezogene Marker, gefolgt von einem Plateau.

QualitÀt und Gangmuster als Indikatoren

Neben dem reinen Bewegungsvolumen spielt auch die AusfĂŒhrung eine Rolle. Langzeitbeobachtungen des Tokyo Metropolitan Institute of Gerontology im Rahmen der Nakanojo-Studie mit rund 5.000 Ă€lteren Menschen heben hervor, dass neben der Schrittmenge auch die IntensitĂ€t des Gehens relevant ist.

Gleichzeitig geben Gangparameter Aufschluss ĂŒber neurologische und sensorische VerĂ€nderungen. Eine Forschungsarbeit der UniversitĂ€t Antwerpen an 61 gesunden Ă€lteren Personen zeigte, dass EinschrĂ€nkungen der zervikalen sensomotorischen Kontrolle, verringerte SehschĂ€rfe oder BeeintrĂ€chtigungen des vestibulo-okulĂ€ren Reflexes zu vorsichtigerem Gehen und messbar verĂ€nderter GangstabilitĂ€t fĂŒhren.

Eine Untersuchung in BMC Geriatrics belegt ergÀnzend, dass Personen mit Anzeichen einer leichten kognitiven BeeintrÀchtigung bereits im einfachen 10-Meter-Gehtest signifikant langsamer gingen als kognitiv unbeeintrÀchtigte Gleichaltrige.

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