Demenzrisiko, Jahren

Demenzrisiko: Schon mit 20 Jahren messbar durch Rauchen und Bewegungsmangel

17.06.2026 - 04:09:08 | boerse-global.de

Leipziger Studie zeigt: Rauchen und Bewegungsmangel beeintrĂ€chtigen bereits bei jungen Erwachsenen die kognitive Leistung. PrĂ€vention muss frĂŒh ansetzen.

Demenz-Risiko: Schon mit 20 Jahren lassen sich Warnsignale erkennen
Demenzrisiko - Eine junge Person, die nachdenklich in die Ferne blickt, mit einer abstrakten Darstellung neuronaler AktivitĂ€t, die frĂŒhe Gesundheitsentscheidungen symbolisiert. 17.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Eine Leipziger Studie zeigt: Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen beeintrÀchtigen schon bei jungen Erwachsenen die kognitive Leistung.

Die Untersuchung, veröffentlicht im Mai 2026 im Fachjournal Alzheimer's & Dementia, basiert auf Daten von knapp 150.000 Teilnehmern der Nationalen Kohorte (NAKO). Die Forscher verglichen die Risikoprofile verschiedener Altersgruppen – mit eindeutigem Ergebnis.

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Risikofaktoren verÀndern sich mit dem Alter

Bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 39 Jahren dominieren verhaltensbezogene Risiken. Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen stehen ganz oben auf der Liste. Bei Àlteren Probanden verschiebt sich das Bild: Hier spielen Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und koronare Herzkrankheiten die Hauptrolle.

Ein zentraler Befund der Leipziger Forscher: Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status weisen hĂ€ufiger ungĂŒnstige Werte im LIBRA-Score auf. Dieser Index bewertet den Lebensstil im Hinblick auf die Gehirngesundheit. Die ungleiche Verteilung der PrĂ€ventionsmöglichkeiten wird damit deutlich sichtbar.

Wenn der Blutdruck zu niedrig ist

Neben den klassischen Lebensstilfaktoren rĂŒcken medizinische Parameter in den Fokus. Eine im Juni 2026 im Journal of the American Heart Association publizierte Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Blutdruck und Alzheimer. Anhand von Daten von rund 800.000 Teilnehmern stellten die Wissenschaftler der Michigan Technological University fest: Chronisch niedriger Blutdruck (Hypotonie) weist eine starke Verbindung zu Alzheimer-Erkrankungen auf. In einer britischen Kohorte war das Risiko um den Faktor 2,74 erhöht.

Auch der FlĂŒssigkeitshaushalt spielt eine Rolle. Eine sĂŒdkoreanische Kohortenstudie bei Erwachsenen zwischen 55 und 90 Jahren zeigte: Wer tĂ€glich weniger als 1,2 Liter trinkt, verzeichnet einen stĂ€rkeren Anstieg von Amyloid-Ablagerungen im Gehirn. Diese Eiweißablagerungen gelten als charakteristisch fĂŒr Alzheimer.

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Dramatische Prognosen fĂŒr Deutschland

Die Relevanz dieser Erkenntnisse unterstreicht eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) gemeinsam mit den UniversitÀten Trier, Rostock und Köln. Die Forscher prognostizieren einen Anstieg der DemenzfÀlle um 60 Prozent bis 2060. Derzeit leben rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland mit einer Demenzerkrankung. Bis 2050 rechnen die Experten mit 2,7 Millionen Betroffenen.

Besonders brisant: die regionalen Unterschiede. WĂ€hrend in MĂŒnchen voraussichtlich nur 1,7 Prozent der Bevölkerung betroffen sein werden, könnte der Wert im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis auf 6,2 Prozent steigen. In den ostdeutschen BundeslĂ€ndern Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und ThĂŒringen droht eine massive Verschiebung des VerhĂ€ltnisses zwischen ErwerbstĂ€tigen und Demenzkranken.

FrĂŒherkennung und kritische Supplemente

Neue Technologien könnten die Diagnostik revolutionieren. Das UniversitÀtsklinikum Leuven in Belgien setzte im Juni 2026 als weltweit erste Klinik einen neuen PET-Scanner im Routinebetrieb ein. Die Auflösung ist bis zu 20-mal höher als bei herkömmlichen GerÀten. Damit lassen sich neurodegenerative VerÀnderungen bereits Jahre vor den ersten klinischen Symptomen sichtbar machen.

Gleichzeitig warnen Forscher vor bestimmten NahrungsergĂ€nzungsmitteln. Eine im Juni 2026 in Nature Metabolism veröffentlichte Studie der University of Florida deutet darauf hin: Bei Menschen mit leichten kognitiven BeeintrĂ€chtigungen erhöht die Einnahme von Glucosamin die Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine Demenzentwicklung um 25 Prozent. Im Tierversuch fĂŒhrte das GelenkprĂ€parat zu verstĂ€rkten Zuckerstrukturen im Gehirn und einer Verschlechterung der GedĂ€chtnisleistung.

Die Botschaft der Wissenschaft ist klar: PrĂ€vention muss frĂŒh ansetzen. Professor Steffi G. Riedel-Heller von der UniversitĂ€t Leipzig betont, dass 36 bis 40 Prozent der DemenzfĂ€lle auf beeinflussbare Risikofaktoren zurĂŒckgehen. Rauchverzicht, regelmĂ€ĂŸige Bewegung und die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bieten enormes Potenzial – und zwar bereits im jungen Erwachsenenalter.

de | wissenschaft | 69558303 |