Depression: Ketogene Diät zeigt 25%-Remissionsrate bei Therapieresistenz
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 22:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Medizin erweitert ihr Arsenal gegen Volkskrankheiten: Ernährungsstrategien, moderne Wirkstoffe und KI-gestützte Prävention eröffnen neue Chancen – gerade bei therapieresistenten Verläufen.
Ketogene Diät: Hoffnung bei schwerer Depression
Eine im Februar in JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie brachte neue Erkenntnisse: Eine ketogene Diät könnte Patienten mit therapieresistenter Depression helfen. An dem randomisierten Versuch nahmen 88 Personen teil, bei denen zuvor mindestens zwei Antidepressiva wirkungslos geblieben waren. Sie reduzierten ihre Kohlenhydrataufnahme auf unter 30 Gramm pro Tag.
Nach sechs Wochen zeigte die Interventionsgruppe eine signifikante Verringerung der Depressionsschwere – gemessen auf der PHQ-9-Skala. Besonders deutlich fiel der Effekt bei Teilnehmern mit schwerer Depression aus. Die Remissionsrate lag bei 25 Prozent, in der Kontrollgruppe mit pflanzlicher Ernährung bei neun Prozent – statistisch allerdings nicht signifikant.
Fachleute mahnen zur Vorsicht: Der Erfolg könnte teilweise auf die intensive Begleitung während der Studie zurückgehen. Nach deren Ende hielten nur neun Prozent die Diät weiter ein. Zudem warnen Experten vor möglichen Risiken wie erhöhtem LDL-Cholesterin und Veränderungen der Darmflora.
Weitere Untersuchungen, unter anderem an der University of California in San Francisco, deuten darauf hin, dass ketogene Interventionen auch bei Schizophrenie-Spektrum-Störungen metabolische und symptomatische Verbesserungen bewirken könnten.
Diabetes-Medikamente gegen Essstörungen
Neben Ernährungsanpassungen rücken Wirkstoffe in den Fokus, die ursprünglich für Diabetes entwickelt wurden. Eine Metaanalyse von 25 Studien mit über 8.000 Teilnehmern, veröffentlicht in eClinicalMedicine, belegt: GLP-1-Rezeptoragonisten reduzieren die Schwere von Binge-Eating-Symptomen signifikant. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei diagnostizierter Binge-Eating-Störung.
Auch in der Adipositastherapie gibt es Fortschritte. Eine Datenbankstudie der Technischen Universität München und der Harvard University, erschienen im BMJ, zeigt signifikante Vorteile des Wirkstoffs Tirzepatid. Im Vergleich zu Sitagliptin senkte Tirzepatid bei Typ-2-Diabetikern mit Adipositas das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Todesfälle innerhalb eines Jahres um 33 Prozent. Auch die Krankenhauseinweisungen wegen Infektionen gingen um 36 Prozent zurück.
Die neue Studie zur ketogenen Diät bei Depression macht Hoffnung: 25% Remission bei Therapieresistenz. Doch die Umstellung will gut geplant sein – unser kostenloser Leitfaden zeigt, wie Sie sicher starten. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Ein mit 600.000 Euro gefördertes Projekt der Universitäten Heidelberg und Mannheim untersucht derweil die Rolle bestimmter Eiweißbausteine. Diese Dipeptide könnten verhindern, dass Zuckerabbauprodukte schädliche Bindungen mit Proteinen eingehen – ein möglicher Ansatz zur Prävention von Gefäß- und Nierenschäden bei Diabetes.
Schweiz setzt auf KI gegen Typ-2-Diabetes
Mit „PreDiabeTx“ startete die Schweiz eine großangelegte Initiative zur Prävention von Typ-2-Diabetes. Das unter der Leitung der Empa stehende Projekt läuft bis Ende 2029 und soll rund 500.000 Betroffene unterstützen. Sensor-Shirts und Brustgurte erfassen Vitaldaten wie Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung, ein KI-Coach gibt personalisierte Empfehlungen zu Ernährung und Lebensweise. Neben sieben Forschungsinstitutionen sind elf Wirtschaftspartner beteiligt, darunter große Krankenkassen.
Ergänzend dazu präsentierten Experten des Universitätsspitals Zürich Anfang August neue Leitlinien zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ihre Empfehlung: Statine stärker am individuellen Lebenszeitrisiko ausrichten statt an kurzfristigen Prognosen.
Milliarden-Deal: Psychedelika gegen Depressionen
Der Markt fĂĽr Psychiatrie-Therapien erlebt derzeit eine bemerkenswerte Investitionsdynamik. Eli Lilly ĂĽbernimmt AtaiBeckley fĂĽr bis zu 3,8 Milliarden US-Dollar. Im Zentrum stehen Psychedelika-Wirkstoffe gegen therapieresistente Depressionen.
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Klinische Studien untermauern das Potenzial. Eine Untersuchung des NHS England mit 60 Teilnehmern zeigte: Eine einmalige Gabe von Psilocybin in Kombination mit psychologischer Unterstützung führte nach drei Wochen bei 40 Prozent der Patienten zur Remission – in der Placebogruppe waren es nur drei Prozent. Auch Studien aus Zürich bestätigten deutliche Symptomreduktionen.
Eine Untersuchung aus New York liefert zudem interessante Einblicke in die Wirkmechanismen: Ketamin-Infusionen erhöhen das morgendliche Cortisol-Niveau – was tendenziell mit einer Verringerung von Suizidgedanken korreliert. Die Forschung steht hier allerdings noch am Anfang.
