Diabetes-Remission, Wochen

Diabetes-Remission: 54 Prozent nach 24 Wochen, gegenüber nur 4 Prozent in der Kontrolle

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 21:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach 24 Wochen erreichten 54 Prozent der Interventionsgruppe eine Remission; wie dauerhaft der Effekt ist, bleibt offen.
Ein Paar Sportschuhe auf einem hölzernen Hallenboden in einem hellen, minimalistischen Fitnessraum. Illustration mit AI erstellt.

Strukturierte Lebensstilprogramme können bei jüngeren Menschen mit Typ-2-Diabetes zu einer vollständigen Remission ohne blutzuckersenkende Medikamente führen.

Zu diesem Ergebnis kommt die sogenannte RESET-for-Remission-Studie, die von Forschenden des Research Institute of the McGill University Health Centre in Montreal und der University of Leicester im Fachjournal The Lancet Regional Health Americas publiziert wurde.

Nach einem 24-wöchigen Programm erreichten 54 Prozent der Teilnehmenden in der Interventionsgruppe (27 von 50 Personen) eine Remission. In der Kontrollgruppe betrug dieser Anteil lediglich 4 Prozent (2 von 46 Personen). Die adjustierte Odds Ratio für eine Remission lag bei 21,6.

Als Remission definierten die Forschenden einen HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent über einen Zeitraum von mindestens 12 Wochen, ohne dass Antidiabetika eingenommen wurden.

An der Untersuchung nahmen 96 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 45 Jahren teil, darunter 51 Männer und 45 Frauen. Das mittlere Alter lag bei 38 Jahren, der mittlere Body-Mass-Index bei 35,2. Die Diabetesdiagnose lag im Durchschnitt 2,3 Jahre zurück und maximal innerhalb der vorangegangenen sechs Jahre.

Der durchschnittliche HbA1c-Wert betrug zu Beginn 7,2 Prozent, wobei kein Patient mit Insulin behandelt wurde. Mehr als 75 Prozent der Probanden nahmen bereits blutzuckersenkende Medikamente ein.

Struktur des Programms und Gewichtsverlust

Das Programm umfasste in den ersten 12 Wochen eine Kalorienrestriktion auf 800 bis 900 Kilokalorien pro Tag, wobei in den ersten zwei Wochen eine vollständige Mahlzeitenersetzung stattfand. Flankiert wurde die Diät durch zweimal wöchentlich betreutes Training über jeweils eine Stunde – aufgeteilt in Ausdauer- und Krafttraining – sowie eine eigenständige Ausdauereinheit pro Woche.

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In den Wochen 13 bis 24 folgten eine individuelle Phase zur Gewichtserhaltung sowie selbstständiges Training mit dem Ziel von mindestens 150 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität pro Woche.

In der Interventionsgruppe betrug der Gewichtsverlust im Mittel 8,4 Kilogramm gegenüber 1,2 Kilogramm in der Kontrollgruppe. Nach statistischer Adjustierung ergab sich ein Unterschied von 7,5 Kilogramm, wovon rund 6,6 Kilogramm auf einen zusätzlichen Fettverlust entfielen.

Die fettfreie Masse blieb laut Magnetresonanztomografie erhalten, während die Griffkraft zunahm. Zudem verbesserte sich die auf das Körpergewicht bezogene kardiorespiratorische Fitness um gut 10 Prozent.

Kardiometabolische Effekte und Verträglichkeit

Die Lebensstilintervention zeigte deutliche Auswirkungen auf metabolische Parameter: Nach 12 Wochen normalisierte sich der Blutdruck bei 63 Prozent der Programmteilnehmer im Vergleich zu 13 Prozent in der Kontrollgruppe. Nach 24 Wochen lagen die Werte bei 56 Prozent gegenüber 27 Prozent.

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Das Leberfett sank in der Interventionsgruppe um mehr als 9 Prozent, das Bauchfett verringerte sich um mehr als 24 Prozent. Insgesamt 86 der 96 Teilnehmenden (90 Prozent) schlossen die Untersuchung mit der Abschlussuntersuchung ab.

Unerwünschte Ereignisse traten bei 43 von 50 Personen in der Interventionsgruppe (86 Prozent) auf, verglichen mit 6 von 46 in der Kontrollgruppe. Am häufigsten wurden Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit dokumentiert; schwere unerwünschte Ereignisse gab es keine.

Limitationen und Ausblick

Finanziert wurde die Forschungsarbeit durch den UK Medical Research Council, die Canadian Institutes of Health Research sowie die John R. McConnell Foundation.

Zu den Limitationen der Studie gehört die geringe Stichprobengröße von 96 Personen sowie die Nachbeobachtungsdauer von lediglich 24 Wochen. Entsprechend bleibt die Dauerhaftigkeit der Remission unklar. Zudem gab es keine Vergleichsgruppe, die ausschließlich eine Diät ohne Sportprogramm durchführte.

Die Forschenden betonten, dass der Fokus gezielt auf jüngeren Personen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes im Frühstadium lag, die nicht mit Insulin behandelt wurden. Eine Übertragbarkeit auf andere Patientengruppen sei daher unklar. Zudem bestehe das Risiko, dass die Remission nach dem Wegfall der strukturierten Unterstützung nicht aufrechterhalten werden könne.

Angesichts steigender Erkrankungszahlen bei jungen Menschen fordern die Wissenschaftler jedoch eine Neubewertung bestehender Behandlungsansätze sowie eine stärkere Erforschung und Förderung gezielter Ernährungs- und Bewegungsinterventionen.

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