Ernährung, Identität

Ernährung als Identität: Orthorexie und Bible-Food-Trends boomen

21.06.2026 - 13:51:44 | boerse-global.de

Der Artikel zeigt, wie Ernährungsweisen zu Identitätsfragen werden, während Lidl auf Planetary Health setzt und die EU Veggie-Bezeichnungen einschränkt.

Ernährung als Bühne: Moral, Trends und neue EU-Regeln
Ernährung - Eine vielfältige Gruppe von Menschen, die sich mit gesunder Ernährung beschäftigen, frische Mahlzeiten zubereiten und achtsam essen. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im Juni 2026 zeigt sich: Ernährung hat längst religiöse Züge angenommen. Von biblisch inspirierten Diäten bis zu Insekten-Proteinen – der Teller wird zur Bühne für Identität, Wissenschaft und Politik.

Die neue Moral auf dem Teller

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Eine Dokumentation von Eva Schultes beleuchtet aktuell, wie Ernährungsphilosophien wie Veganismus zur Identitätsstiftung beitragen. Doch die Kehrseite: Orthorexie – die zwanghafte Fixierung auf gesundes Essen – wird zur Gefahr. Influencer wie Niko Rittenau zeigen das Spannungsfeld zwischen öffentlicher Vorbildfunktion und privaten Herausforderungen.

Parallel dazu boomen „Bible Food“-Trends. Influencer wie Kayla Bundy (600.000 Follower auf TikTok) und Fabian Kowallik (1,5 Millionen Follower) propagieren eine Ernährungsweise nach biblischen Vorgaben. Der Theologe und Mediziner Peter Prock ordnet das als mediterrane Küche ein – gesundheitlich vorteilhaft. Seine Warnung: Ernährungsregeln nicht mit magischen Vorstellungen oder spiritueller Erlösung verwechseln.

Wenn Verzicht krank macht

Wissenschaftliche Daten stellen extreme Diäten infrage. Auf dem Fachkongress ENDO in Chicago präsentierte das Dasman Diabetes Institute eine Studie an Mäusen: Vollständiger Verzicht auf Saccharose bei fettarmer Ernährung führte zu beeinträchtigter Glukosetoleranz, Insulinresistenz und Leberschäden. Die Botschaft der Forscher: Ausgewogene Nährstoffzufuhr statt isoliertem Verzicht.

Gleichzeitig gewinnt „Fibermaxxing“ an Popularität – die Maximierung der Ballaststoffaufnahme. Mediziner bestätigen positive Effekte auf Stoffwechsel und Prävention von Zivilisationskrankheiten. Bei Nahrungsergänzungsmitteln mahnt Mediziner Stephan Barth zur Zurückhaltung. Supplemente wie Coenzym Q10 können gezielt helfen – ersetzen aber keine gesunde Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement.

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Lidl setzt auf Planetary Health Diet

Der Lebensmittelhandel reagiert auf den Wandel. Lidl startete im Juni 2026 eine Kampagne zur Förderung der „Planetary Health Diet“. Das Ziel: Den Anteil pflanzlicher Proteinquellen bis 2030 auf 20 Prozent steigern. Partner ist Wigald Boning.

Forscher der Universität Bayreuth am Campus Kulmbach entwickelten eine Weißwurst, bei der tierisches Fett durch Mehlwurmpulver ersetzt wird. Ergebnis: höherer Proteingehalt bei geringerem ökologischen Fußabdruck. Eine Studie mit 38 Teilnehmern zeigte positive Resonanz – seit 2021 sind Insektenprodukte EU-weit zugelassen.

EU verbietet „Speck“ für Veggie-Produkte

Das EU-Parlament stimmte mit 560 zu 75 Stimmen für ein Verbot bestimmter Bezeichnungen für vegetarische Produkte. Begriffe wie „Speck“ oder „Hühnchen“ dürfen künftig nicht mehr für fleischlose Alternativen verwendet werden, wenn sie sich auf Tierarten oder Teilstücke beziehen. „Veggie-Burger“ bleibt erlaubt. Bundesernährungsminister Rainer (CSU) kritisierte die Neuregelung.

Kopenhagen als Vorbild fĂĽr Dortmund

Auch Kommunen setzen neue Impulse. Eine Delegation aus Dortmund informierte sich in Kopenhagen über Konzepte zur Kita- und Schulverpflegung. Die dänische Hauptstadt erreicht in rund 1.000 städtischen Einrichtungen einen Bio-Anteil von 90 Prozent. Dortmund plant nun eine schrittweise Umsetzung ähnlicher Qualitätsstandards für den Offenen Ganztag.

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