ErnÀhrung, All

ErnÀhrung im All: Der Kampf gegen Knochenschwund und Muskelschwund

06.05.2026 - 14:10:24 | boerse-global.de

Neue Technologien und personalisierte ErnÀhrung sollen Knochenschwund und Muskelabbau im All stoppen.

ErnĂ€hrung im All: Der Kampf gegen Knochenschwund und Muskelschwund - Bild: ĂŒber boerse-global.de
ErnĂ€hrung im All: Der Kampf gegen Knochenschwund und Muskelschwund - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Bei Langzeitmissionen zum Mond oder Mars verlieren Astronauten monatlich bis zu zwei Prozent ihrer Knochendichte. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen droht der Verlust von 50 Prozent der Muskelmasse.

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Die bemannte Raumfahrt steht vor einer ihrer grĂ¶ĂŸten physiologischen Herausforderungen. WĂ€hrend Raketensysteme oft im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, rĂŒckt die ErnĂ€hrung als kritischer Faktor zunehmend in den Fokus. Aktuelle Analysen aus der ersten JahreshĂ€lfte 2026 zeigen: Eine bloße Kalorienzufuhr reicht nicht aus, um die Abbauprozesse zu stoppen.

Experten der EuropĂ€ischen Weltraumorganisation (ESA) beobachten bei Astronauten einen Knochendichteverlust von ein bis zwei Prozent pro Monat – eine Art Osteoporose im Zeitraffer. Besonders betroffen sind Becken und Oberschenkelknochen. Nach sechs Monaten ISS-Aufenthalt können sie bis zu 20 Prozent ihrer Masse verlieren.

Wenn der Körper sich selbst abbaut

Parallel zur KnochenschwÀche lÀuft die Muskelatrophie. Zwar trainieren ISS-Besatzungen tÀglich zweieinhalb Stunden, doch Sport allein verhindert den Gewebeverlust nicht vollstÀndig. Die ErnÀhrung muss prÀzise auf diese Abbauprozesse abgestimmt sein.

Aktuelle medizinische Leitlinien betonen die Bedeutung von Calcium und Vitamin D. Die NASA und die japanische Raumfahrtagentur JAXA untersuchen zudem den Einsatz von Bisphosphonaten – kombiniert mit einer optimierten DiĂ€t sollen sie den Knochenerhalt unterstĂŒtzen.

Ein weiteres Hindernis: die sogenannte Weltraum-Anorexie. In der Schwerelosigkeit berichten viele Astronauten ĂŒber vermindertes HungergefĂŒhl. Studien vom Anfang des Jahres 2026 zeigen, dass FlĂŒssigkeitsverschiebungen und HormonverĂ€nderungen das SĂ€ttigungsgefĂŒhl beeinflussen. Eine negative Energiebilanz beschleunigt dann zusĂ€tzlich den Muskelproteinabbau.

Frische Nahrung aus dem All

FĂŒr Missionen jenseits des erdnahen Orbits ist die Versorgung mit gefriergetrockneten Mahlzeiten logistisch kaum machbar. Die „Deep Space Food Challenge" hat daher neue Technologien hervorgebracht. Das US-Unternehmen Interstellar Lab gewann den Hauptpreis fĂŒr sein System NUCLEUS – eine modulare, bioregenerative Einheit, die MikrogrĂŒns, GemĂŒse, Pilze und sogar Insekten in einem geschlossenen Kreislauf produziert.

An der Ohio State University produzierte das System wĂ€hrend eines einmonatigen Tests rund zehn Kilogramm Nahrung. Das NĂ€hrstoffprofil: ĂŒber 3.600 Kalorien, 286 Gramm Protein und 558 Gramm Kohlenhydrate. Solche Systeme decken den Bedarf an hochwertigen Proteinen und sekundĂ€ren Pflanzenstoffen, die in konservierter Nahrung mit der Zeit zerfallen.

Das finnische Unternehmen Solar Foods wurde fĂŒr seine Solein-Technologie ausgezeichnet. Dabei wird Protein aus Kohlendioxid und ElektrizitĂ€t mittels Gasfermentation gewonnen. Diese Einzeller-Protein-Produktion benötigt kaum Platz – ideal fĂŒr die beengten VerhĂ€ltnisse in Raumfahrzeugen.

Auch die zellulĂ€re Landwirtschaft hat den Sprung ins All geschafft. Das israelische Startup Aleph Farms demonstrierte, wie Rinderzellen mithilfe von 3D-Druckern in der Schwerelosigkeit zu Gewebestrukturen heranwachsen. Fleisch und proteinreiche Nahrung können kĂŒnftig bei Bedarf „geerntet" werden.

Das Mikrobiom-Dilemma

Neueste Erkenntnisse aus der Fachzeitschrift npj Microgravity (August 2025) rĂŒcken das menschliche Mikrobiom in den Mittelpunkt. Die einzigartige Umgebung im Weltraum – Strahlung, Isolation, Schwerelosigkeit – verĂ€ndert die Zusammensetzung der Darmbakterien massiv. NĂŒtzliche StĂ€mme wie Akkermansia nehmen ab, was Verdauung, Immunsystem und psychische Gesundheit beeintrĂ€chtigt.

Die NASA-Studie zeigte zudem: Im Weltraum angebautes GemĂŒse enthĂ€lt oft weniger Calcium und Magnesium als terrestrische Proben. Forscher schlagen daher eine personalisierte PrĂ€zisionsernĂ€hrung vor. DiĂ€tplĂ€ne sollen auf die genetische Disposition und den Mikrobiom-Zustand der Astronauten zugeschnitten werden.

Ein vielversprechender Ansatz: Bioengineering von Weltraum-Pflanzen, angereichert mit Antioxidantien wie Quercetin, das Knochenabbau auf molekularer Ebene entgegenwirken könnte. Experten empfehlen zudem seit Mitte 2025 die konsequente Integration von Probiotika und PrÀbiotika.

Milliardenmarkt mit irdischen Nebenwirkungen

Die ökonomische Bedeutung der WeltraumernĂ€hrung wĂ€chst rasant. Marktanalysen vom FrĂŒhjahr 2026 beziffern das globale Volumen auf rund 765 Millionen US-Dollar (2025), mit einer erwarteten jĂ€hrlichen Wachstumsrate von 11,8 Prozent. Getrieben wird dies durch Investitionen der NASA im Rahmen des Artemis-Programms sowie durch private Akteure wie SpaceX und Blue Origin.

Doch die Branche kĂ€mpft mit irdischen Herausforderungen. Berichte aus dem MĂ€rz 2026 zeigen: Geopolitische Spannungen und Blockaden in Handelsrouten haben die Kosten fĂŒr energieintensive Prozesse wie Gefriertrocknung um bis zu 30 Prozent in die Höhe getrieben. Das verstĂ€rkt den Trend zu autarken „Closed-Loop"-Produktionsmodellen.

Der Technologietransfer zur Erde spielt eine zentrale Rolle. Erkenntnisse ĂŒber Knochen- und Muskelabbau im All lassen sich direkt auf die alternde Bevölkerung ĂŒbertragen. ErnĂ€hrungsstrategien fĂŒr Astronauten finden bereits Anwendung in der Geriatrie und bei bettlĂ€gerigen Patienten. Hocheffiziente Anbausysteme wie Hydroponik und Aeroponik bieten zudem Lösungen fĂŒr Regionen mit Wasserknappheit.

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Autonomie als SchlĂŒssel zur Mars-Mission

Die Zukunft der WeltraumernĂ€hrung liegt in der vollstĂ€ndigen Autonomie. WĂ€hrend die ISS noch regelmĂ€ĂŸig mit frischen Lebensmitteln beliefert wird, erfordern Mars-Missionen Systeme, die ĂŒber Jahre stabil funktionieren. KĂŒnstliche Intelligenz zur Überwachung des Pflanzenwachstums und zur Anpassung der NĂ€hrstoffzufuhr wird in den kommenden Jahren Standard.

Wissenschaftler arbeiten bereits an der nĂ€chsten Generation von Nahrungssystemen. Abfallprodukte der Crew – ausgeatmetes CO2 und aufbereitetes Urin – sollen direkt in den Produktionskreislauf fĂŒr Algen oder synthetische Proteine eingespeist werden.

Das Ziel fĂŒr das nĂ€chste Jahrzehnt: ein geschlossenes biologisches Lebenserhaltungssystem, das den menschlichen Körper nicht nur ĂŒberleben lĂ€sst, sondern in einem Zustand optimaler LeistungsfĂ€higkeit hĂ€lt. Die ErnĂ€hrung ist lĂ€ngst von einer logistischen Randnotiz zu einer der wichtigsten SĂ€ulen der modernen Raumfahrt avanciert.

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