Fasten, Hormonspiegel

Fasten: Warum der Hormonspiegel über Erfolg oder Misserfolg entscheidet

17.05.2026 - 21:29:30 | boerse-global.de

UKSH-Studie zeigt gegensätzliche FGF21-Reaktion bei Schlanken und Übergewichtigen. Neue Erkenntnisse zu schnellem Gewichtsverlust und Jo-Jo-Effekt.

Fasten: Warum der Hormonspiegel über Erfolg oder Misserfolg entscheidet - Foto: über boerse-global.de
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Fasten wirkt nicht bei jedem gleich – das zeigt eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Der Grund liegt in der Hormonreaktion des Körpers.

Mitte Mai stellte Dr. Tim Hollstein, Leiter der Ernährungsmedizin am UKSH in Kiel, die Ergebnisse einer Pilotstudie mit 20 Teilnehmern vor. Die Forscher untersuchten das Schlüsselhormon FGF21 während einer Fastenperiode. Die Probanden – je zur Hälfte schlank und übergewichtig – wurden ein Jahr lang beobachtet.

Das Ergebnis: Bei schlanken Menschen stieg der FGF21-Spiegel nach einer Fastenphase um rund 50 Prozent. Das Hormon signalisiert dem Körper, in den Fettverbrennungsmodus zu schalten. Bei übergewichtigen Probanden fiel der Spiegel dagegen um etwa ein Drittel ab. Statt Fettreserven zu nutzen, schaltete der Organismus in den Energiesparmodus.

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Eine übergewichtige Teilnehmerin zeigte nach 36-stündigem Fasten einen Rückgang des Hormonspiegels um 70 Prozent. Die Fettverbrennung lag bei nur 76 Prozent – verglichen mit fast 100 Prozent bei schlanken Studienteilnehmern.

Diese Erkenntnisse könnten laut Dr. Hollstein die Entwicklung einer neuen Generation von Abnehmspritzen vorantreiben, die gezielt in diese hormonellen Regulationsmechanismen eingreifen.

Schnell abnehmen – und trotzdem dauerhaft Erfolg haben?

Parallel zu den Kieler Ergebnissen wurden auf dem Europäischen Kongress für Adipositas in Istanbul neue Daten einer norwegischen Studie präsentiert. Sie stellen gängige Lehrmeinungen zum Jo-Jo-Effekt infrage.

Die randomisierte Untersuchung mit 284 Teilnehmern verglich einen schnellen Gewichtsverlust durch eine sehr kalorienarme Ernährung (unter 1000 Kilokalorien über acht Wochen) mit einem langsameren Ansatz. Entgegen der weitverbreiteten Annahme, dass schnelle Gewichtsreduktion zwangsläufig zu schneller Gewichtszunahme führt, zeigte sich ein anderes Bild.

Teilnehmer der Gruppe mit schnellem Gewichtsverlust erreichten nach 16 Wochen eine Reduktion von 12,9 Prozent ihres Körpergewichts – die Vergleichsgruppe lag bei 8,1 Prozent. Auch nach einem Jahr blieb der Vorsprung bestehen: 14,4 Prozent versus 10,5 Prozent. Die Studienautoren folgern: Ein zügiger Anfangserfolg kann die Motivation stärken und die langfristige Nachhaltigkeit fördern – sofern eine entsprechende Nachbetreuung erfolgt.

Die Schattenseiten des metabolischen Wandels

Trotz der potenziellen Vorteile warnen Experten vor gesundheitlichen Risiken bei unsachgemäßem Fasten. Beim strukturierten Fasten, wie es etwa während des Ramadans praktiziert wird, findet zwar eine umstellung von Glukose- auf Fettverbrennung statt. Doch medizinische Fachberichte weisen auf Gefahren wie Dehydrierung und Elektrolyt-Ungleichgewichte hin.

Besonders Patienten mit Typ-2-Diabetes, Herz- oder Nierenerkrankungen müssen ihre Medikation individuell anpassen, um Komplikationen zu vermeiden.

Ein weiteres aktuelles Thema: der Erhalt der Muskelmasse bei modernen Abnehmspritzen aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Physiotherapeuten wie Nils Stützer betonen, dass diese Medikamente zu ungewolltem Muskelabbau führen können. Gegenzusteuern sei nur mit gezieltem Krafttraining.

Für den Muskelerhalt reichen 20 bis 30 Minuten ein- bis zweimal pro Woche. Für den Aufbau sind zwei- bis dreimal wöchentlich über 45 bis 60 Minuten nötig. Flankiert werden muss dies durch eine erhöhte Proteinzufuhr – je nach Zielsetzung zwischen 1,2 und 2,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

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Mehr als nur Kalorien zählen

Moderne Ansätze im Gewichtsmanagement bewegen sich weg von radikalen Verzichtsszenarien. Experten betonen: Körperliche Aktivität wie Radfahren ist zwar gelenkschonend, wird für die reine Fettverbrennung aber oft überschätzt. Um beispielsweise 100 Gramm Schokolade (rund 500 Kilokalorien) zu kompensieren, ist eine Stunde zügiges Radfahren nötig.

Der Fokus sollte daher verstärkt auf der Qualität der Ernährung liegen. Begleitende Faktoren wie Schlafqualität, Stressmanagement und entzündungshemmende Ernährung gewinnen an Bedeutung. Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren, Selen sowie die Vitamine C, D und E den Stoffwechsel unterstützen können.

Selbst psychologische Effekte werden untersucht: Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift „Computers in Human Behavior“ legen nahe, dass das Betrachten von Bildern oder Videos von ungesunden Lebensmitteln paradoxerweise den Appetit zügeln kann – durch sensorische Sättigung.

Das Ende der Einheitsdiät

Die Zusammenführung dieser Forschungsergebnisse zeigt: Das „One-size-fits-all“-Prinzip in der Ernährungsberatung hat ausgedient. Die Entdeckung der unterschiedlichen FGF21-Reaktionen belegt, dass genetische Disposition und aktueller metabolischer Zustand maßgeblich darüber entscheiden, wie effektiv Fasten wirkt.

Während der eine Organismus durch Nahrungsentzug die Fettverbrennung ankurbelt, reagiert ein anderer mit drastischer Senkung des Energieverbrauchs. Die Erkenntnis, dass schneller Gewichtsverlust nicht zwangsläufig zum Scheitern führt, bietet eine neue Basis für klinische Programme.

Die medizinische und telemedizinische Begleitung bleibt dabei eine entscheidende Komponente für dauerhaften Erfolg. Integration von Krafttraining und gezielter Nährstoffzufuhr scheint unerlässlich, um die metabolische Gesundheit ganzheitlich zu fördern und Nebenwirkungen moderner medikamentöser Therapien abzufedern.

Was kommt als Nächstes?

In der nächsten Generation der Adipositas-Therapie wird die Rolle von Hormonen wie FGF21 voraussichtlich eine Schlüsselrolle einnehmen. Die Forschung steht vor der Aufgabe, medikamentöse Lösungen zu entwickeln, die jene metabolische Trägheit überwinden, die viele Übergewichtige am Erfolg hindert.

Gleichzeitig rückt das Darmmikrobiom stärker in den Fokus. Erste Hinweise auf spezifische Bakterien, die das Halten des Gewichts nach einer Abnahme unterstützen, weisen den Weg in Richtung einer noch stärker personalisierten Ernährungsmedizin.

Für den Einzelnen bedeutet das: Weg von pauschalen Diät-Vorsätzen, hin zu einer Strategie, die individuelle hormonelle Reaktionen und die langfristige Stoffwechselgesundheit in den Mittelpunkt stellt.

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