Fintech-Welle, GoCardless

Fintech-Welle: GoCardless und PanteraPay revolutionieren Abrechnungen

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 05:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue Tools von GoCardless und PanteraPay sowie native Plattform-Lösungen verändern das Zahlungsmanagement für KMU grundlegend.

Fintechs revolutionieren Abrechnungen für kleine Unternehmen
Stilisierte Smartphone mit Bezahl-App, gehalten von Kleinunternehmer im modernen Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Mehrere Anbieter haben diese Woche automatisierte Tools und native Integrationen auf den Markt gebracht, die das Management wiederkehrender Einnahmen revolutionieren sollen. Der Trend geht klar zu Open Banking, KI-gestützter Buchhaltung und der Verlagerung von Funktionen in die großen Plattformen selbst.

Open Banking und smarte Abo-Tools

GoCardless hat am Montag „Recurring Pay by Bank" vorgestellt – eine Funktion, die variable Zahlungsbeträge mit einer einzigen Autorisierung abwickelt. Das System nutzt Open Banking für Eintages-Abrechnungen und eliminiert Chargebacks komplett. Dazu kommt eine KI-Komponente für Datenabfragen und Code-Generierung sowie ein Dashboard zur Verfolgung zurückgewonnener Umsätze.

Die interne Erfolgsbilanz spricht für sich: Die „Remember Me"-Funktion, die Bankdaten für wiederkehrende Nutzer vorausfüllt, hat die Konversionsraten um 11 Prozent gesteigert. Zudem launchte das Unternehmen ein Konto-Verifikationstool im Early Access, das die strengen SCA-Anforderungen (Strong Customer Authentication) erfüllt und Betrug vorbeugen soll.

Parallel dazu hat PanteraPay am Wochenende eine smarte Abrechnungslösung für kleine Unternehmen angekündigt. Das Angebot umfasst unbegrenzte Rechnungsstellung und wiederkehrende Abrechnungen – ohne Einrichtungsgebühren oder Vertragsbindung. Das Modell erlaubt Händlern, den vollen Servicepreis zu behalten, indem Kreditkartengebühren von vier bis fünf Prozent direkt an den Kunden weitergereicht werden. ACH-Transaktionen kosten pauschal rund zwei Euro.

Plattformen bedrohen Drittanbieter-Markt

Die Landschaft der Zahlungs-Apps für kleine Unternehmen wird neu geordnet. Shopify hat Anfang Juli native B2B-Checkout-Tools eingeführt, darunter Zahlungsziele von 30, 60 oder 90 Tagen sowie gestaffelte Mengenpreise. Branchenbeobachter sehen darin eine Reaktion auf die Nachfrage von rund 71 Prozent der Plus-Händler nach integrierten Geschäftskunden-Funktionen.

Diese Entwicklung setzt einen 165 Millionen Euro schweren Drittanbieter-App-Markt unter Druck. Native Tools ersetzen zunehmend unabhängige Software für Großhandelsmanagement und automatisierte Auftragserstellung. Ein herber Schlag für die Entwickler, die bislang von diesen Nischen lebten.

Die Expansion in regionale Märkte schreitet ebenfalls voran. Payfuture hat am Montag eine Shopify-Integration speziell für den indischen Markt angekündigt. Händler können nun lokale Zahlungsmethoden wie NetBanking und UPI akzeptieren – und das in einem E-Commerce-Markt, der bis 2027 auf 140 bis 155 Milliarden Euro anwachsen soll.

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Gebührenvergleich: Wer bietet was?

Ein aktueller Marktvergleich zeigt erhebliche Unterschiede bei den Gebührenstrukturen der führenden Anbieter für wiederkehrende Zahlungen:

  • PayPal: 2,9 Prozent plus 0,35 Euro Festgebühr
  • Chargebee: Kostenlose Nutzung bis 230.000 Euro Umsatzvolumen, danach 0,75 Prozent
  • Adyen: Interchange-Plus-Modell mit 0,13 Euro plus 0,60 Prozent Provision und zahlungsmethode-spezifischen Gebühren
  • Opayo: Monatliche Gateway-Gebühr von 28 Euro und Transaktionsrate von 0,99 Prozent
  • Paddle: Pauschal 5 Prozent plus 0,55 Euro pro Transaktion
  • Recurly: Monatliches Abo von 230 Euro kombiniert mit 0,9 Prozent Transaktionsgebühr

Die Wahl des richtigen Anbieters kann für kleine Unternehmen über Gewinn oder Verlust entscheiden – besonders bei hohen Transaktionsvolumina.

KI und Embedded Finance als Game-Changer

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Finanzwelt kleiner Unternehmen von simpler Produktnutzung hin zu „White-Glove"-Ergebnis-Management entwickelt. Durch Embedded Finance und KI konzentrieren sich Anbieter zunehmend auf Cashflow-Prognosen, Lieferantenzahlungen und Finanzierungsvorbereitung. Ziel: Die Zeit reduzieren, die Unternehmer für manuelles Geldmanagement aufwenden.

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Doch die operative Realität sieht anders aus. Eine separate Studie zeigt: Obwohl 89 Prozent der Firmen über Zahlungsausfall-Systeme verfügen, erreichen nur 47 Prozent Genehmigungsraten über 97 Prozent. Hochleistungsfähige Unternehmen setzen eher auf Echtzeit-Überwachung und dynamisches Routing – trotzdem verlassen sich 68 Prozent der Betriebe bei Zahlungsausfällen noch auf manuelles Umschalten.

Im Bereich digitaler Assets hat PayPal seinen PYUSD-Stablecoin auf das Polygon-Netzwerk ausgeweitet. Der Schritt zielt auf compliant-gerechte grenzüberschreitende Zahlungen ab – pünktlich vor der am 18. Juli anstehenden Frist im Zusammenhang mit dem GENIUS Act. Die Daten zeigen: Das Stablecoin-Angebot auf Polygon hat sich im vergangenen Jahr auf umgerechnet rund 2,4 Billionen Euro verdoppelt.

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