Gehirntraining, UCLA-Neurologin

Gehirntraining: 60-Sekunden-Übung von UCLA-Neurologin trainiert den Wortabruf

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 03:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neurologin Rhonda Voskuhl beschreibt kurze SprachĂŒbungen; Bewegungspausen und Micro-Breaks ergĂ€nzen die AnsĂ€tze fĂŒr geistige Fitness.
Eine Sanduhr auf einem minimalistischen Holztisch im Sonnenlicht, die den Fokus auf Konzentration und Zeitmanagement legt. Illustration mit AI erstellt.

Gezielte Kurzinterventionen zur Förderung der kognitiven Fitness gewinnen in der neurologischen Praxis an Bedeutung. Um Denkleistung und Konzentration im Alltag zu erhalten, empfiehlt die Neurologin Dr. Rhonda Voskuhl von der University of California, Los Angeles (UCLA) unter anderem eine 60-Sekunden-Übung als kurzes Mentaltraining.

Bei dieser Methode wird ein Timer auf eine Minute gestellt, eine feste Kategorie wie Tiere, Lebensmittel oder FrĂŒchte gewĂ€hlt und versucht, innerhalb dieser Spanne so viele passende Begriffe wie möglich aufzuzĂ€hlen. Der Ablauf lĂ€sst sich anschließend mit anderen Kategorien wiederholen.

Gezielte Reize statt generischer RĂ€tsel

Nach EinschĂ€tzung von Voskuhl mĂŒssen kognitive Übungen exakt zu den betroffenen geistigen Funktionen passen. Generische Denkspiele oder reine ZahlenrĂ€tsel helfen demnach nicht zwingend dabei, sich im Alltag besser an Namen oder Vokabeln zu erinnern.

Das PhÀnomen des mentalen Nebels, im Englischen als Brain fog bezeichnet, betrifft vor allem den Wortabruf, das NamensgedÀchtnis und die Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Das GedÀchtnis gliedert sich prinzipiell in zwei Phasen: die Kodierung neuer Informationen und den Abruf bereits gespeicherter Inhalte. Bei mentaler Erschöpfung oder TrÀgheit liegt das Problem oft im Abrufprozess und weniger im dauerhaften Verlust der Information.

Besonders bei Frauen in den Phasen der Perimenopause und Menopause kann dieses Nachlassen mit sinkenden Östrogenspiegeln zusammenhĂ€ngen, was das verbale GedĂ€chtnis und die Verarbeitungsgeschwindigkeit beeintrĂ€chtigt. Der Estrogenabfall trifft das verbale GedĂ€chtnis besonders stark, wobei unter anderem der Hippocampus zu den betroffenen Hirnregionen zĂ€hlt.

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Neben der einminĂŒtigen Kategorien-Übung fĂŒhrt Voskuhl weitere kurze Trainingsmethoden an:
- Einen kurzen Text lesen und dessen Kernaussage anschließend in zwei bis drei SĂ€tzen mĂŒndlich aus dem GedĂ€chtnis zusammenfassen.
- Abbildungen oder GegenstÀnde in der Umgebung ohne lange Pausen schnell laut benennen.
- Innerhalb einer kurzen Zeitspanne möglichst viele Wörter nennen, die mit demselben Anfangsbuchstaben beginnen.

Diese Übungen stellen jedoch keinen medizinischen Ersatz dar. Bei anhaltendem Brain fog sei eine Ă€rztliche AbklĂ€rung erforderlich. Zudem verwies Voskuhl auf Forschungsangaben, wonach das Gehirn nach dem 40. Lebensjahr um 5 % pro Jahrzehnt schrumpft; bereits fĂŒnf Minuten moderate körperliche AktivitĂ€t pro Tag könnten das ArbeitsgedĂ€chtnis verbessern.

Impulse fĂŒr Bildschirmpausen und Bewegung

ErgĂ€nzend zu rein sprachlichen Übungen thematisierte der Bayerische Rundfunk motorische und koordinative Einheiten fĂŒr Bildschirmpausen. Dazu zĂ€hlen gegenlĂ€ufige Fingerbewegungen zur Förderung der Kommunikation zwischen den HirnhĂ€lften, der Wechsel der HĂ€nde bei Alltagsroutinen wie dem ZĂ€hneputzen, wechselseitige GriffĂŒbungen sowie das RĂŒckwĂ€rtslesen von Telefonnummern zur Aktivierung des ArbeitsgedĂ€chtnisses und des prĂ€frontalen Cortex.

Auch der Einbeinstand dient als Test fĂŒr Balance und StabilitĂ€t. Zu Letzterem lieferte eine Untersuchung der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum Normdaten fĂŒr das Stehen auf einem Bein mit geöffneten Augen: 18- bis 39-JĂ€hrige halten die Position durchschnittlich etwa 43 bis 45 Sekunden, bei 40- bis 49-JĂ€hrigen sind es rund 40 bis 42 Sekunden.

In einer weiteren MRT-Studie stellten Dr. Lara Schlaffke vom UniversitĂ€tsklinikum Bergmannsheil und PD Dr. Sebastian Ocklenburg an der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum zudem fest, dass der vordere Balken bei Schlagzeugern weniger, dafĂŒr jedoch dickere Nervenfasern aufweist.

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Neben strukturierten Übungen setzt auch die Arbeitsorganisation auf kurze Unterbrechungen. Der 2011 verstorbene Apple-GrĂŒnder Steve Jobs nutzte SpaziergĂ€nge fĂŒr Besprechungen, Verhandlungen und Entscheidungsfindungen. Daraus leitet sich eine Empfehlung ab, nach zehn Minuten an einer ungelösten Aufgabe einen fĂŒnf- bis zehnminĂŒtigen Gang einzulegen oder alle 30 Minuten eine fĂŒnfminĂŒtige Bewegungspause einzuplanen.

Regeneration durch Micro-Breaks und Stressabbau

Sogenannte Micro-Breaks dauern meist zwischen 30 Sekunden und 10 Minuten. Sie dienen dazu, mentale und körperliche Energie wĂ€hrend konzentrierter TĂ€tigkeiten zĂŒgig wiederherzustellen und Erschöpfung zu vermeiden. Sie unterteilen sich in körperliche Formen wie Dehnen oder Positionswechsel, visuelle Entlastungen wie die 20-20-20-Regel — bei der alle 20 Minuten fĂŒr 20 Sekunden ein Punkt in etwa sechs Metern Entfernung fixiert wird — und mentale Methoden wie tiefes Atmen oder einminĂŒtige Meditation.

Zur Umsetzung eignen sich Zeitmodelle wie die Pomodoro-Technik mit 25 Minuten Arbeitszeit und fĂŒnf Minuten Pause, das 52/17-Prinzip mit 52 Minuten Arbeit und 17 Minuten Erholung oder eine spontane zweiminĂŒtige Pause bei Konzentrationsverlust. Im Gegensatz zur Prokrastination sind diese Erholungsphasen klar begrenzt und strukturiert.

Relevanz erhalten kurze Erholungseinheiten auch beim Zustand der erlernten Wachsamkeit. Nach wiederholtem Stress oder Traumata hĂ€lt das Nervensystem mitunter eine dauerhafte Alarmbereitschaft aufrecht, was sich durch stĂ€ndiges Scannen des Umfelds und anhaltende Anspannung Ă€ußert.

WĂ€hrend kurze Phasen erhöhter Wachsamkeit normal sind, drohen bei fehlender RĂŒckkehr in den Ausgangszustand Erschöpfung und Ängste. Als Gegenmaßnahme gelten ĂŒber den Tag verteilte Momente von 30 bis 90 Sekunden Dauer, in denen gezielt Reize wahrgenommen, die Schultern gesenkt oder das Ausatmen verlĂ€ngert werden, um dem System wieder Sicherheit zu vermitteln.

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