Gehirntraining, Bewegung

Gehirntraining: Bewegung senkt das Demenzrisiko laut Studien um 14 Prozent

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 01:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Digitale Denkspiele verbessern vor allem die Leistung in den trainierten Aufgaben; Bewegung und soziale Aktivitäten zeigen breitere Zusammenhänge.
Ein ruhiger Waldweg, der durch sonnendurchflutete Bäume führt und die Bedeutung körperlicher Bewegung für die Gesundheit unterstreicht. Illustration mit AI erstellt.

Digitale Denksportaufgaben und Gedächtnis-Apps versprechen oft eine gesteigerte geistige Leistungsfähigkeit im täglichen Leben. Eine im Fachjournal Neuropsychology Review veröffentlichte Meta-Analyse von 43 wissenschaftlichen Untersuchungen kommt jedoch zu einer ernüchternden Bilanz: Entsprechende Anwendungen führen vor allem dazu, dass Anwender die spezifischen Aufgaben innerhalb des jeweiligen Spiels besser bewältigen. Ein messbarer Transfereffekt auf das alltägliche Gedächtnis bleibt hingegen stark begrenzt.

Begrenzte Übertragbarkeit digitaler Trainingsprogramme

Die wissenschaftlichen Daten zeigen, dass Erfolge bei isolierten Denkspielen nicht automatisch mit weitreichenden kognitiven Fortschritten im Real life gleichzusetzen sind. Eine weitere Meta-Analyse in der Fachzeitschrift Acta Psychologica, die 133 Studien mit 14.245 Teilnehmenden auswertete, untersuchte den Zusammenhang bei Gamern.

Während Vielspieler in Beobachtungen im Schnitt fünf bis sieben IQ-Punkte mehr erzielten (Korrelation 0,22), verringerte sich dieser Vorsprung in kontrollierten Experimenten mit Trainingssitzungen von etwa 30 Minuten über 20 Einheiten auf lediglich zwei bis drei Punkte (Korrelation 0,088).

Auch therapeutische Ansätze mit Gamification stoßen an Grenzen. Eine randomisierte Untersuchung im Journal JAMA Network Open prüfte an 109 Erwachsenen mit Major Depression die Kombination aus kognitiven Trainingsspielen und transkranieller Gleichstromstimulation (tDCS) in 30 Sitzungen über sechs Wochen.

Mit einer Differenz von 0,89 Punkten auf der Depressionsskala (95-Prozent-Konfidenzintervall -1,37 bis 3,15) ergab sich nach der Trainingsphase kein statistisch signifikanter Vorteil gegenüber der Placebogruppe.

Körperliche Bewegung zeigt stärkere biologische Effekte

Während Gehirntrainings-Software vor allem auf spezifische Bildschirmaufgaben vorbereitet, schneidet körperliche Aktivität in vergleichenden Untersuchungen deutlich wirksamer ab.

Eine Übersichtsstudie im British Journal of Sports Medicine mit Daten von über 258.000 Menschen belegt, dass Tätigkeiten wie Wandern, Radfahren und Tanzen die Gehirngesundheit nachhaltiger unterstützen als rein virtuelle Übungen.

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Physische Bewegung schützt demnach den Hippocampus und stimuliert die Freisetzung muskelspezifischer Signalstoffe, sogenannter Myokine. Ergänzend berichtet Current Nutrition Reports, dass regelmäßige Aktivität in großen Bevölkerungsstudien mit einem um etwa 14 Prozent verringerten Demenzrisiko einhergeht.

Diesen Befund untermauert eine systematische Übersichtsarbeit der staatlichen Universität Unesp im Journal of Aging and Physical Activity. Bei 2.684 untersuchten Personen im Durchschnittsalter von 70 Jahren wiesen aktivere Probanden ein größeres Gesamt- und Hippocampusvolumen auf.

Ältere, welche die Mindestempfehlung der Weltgesundheitsorganisation von rund 150 Minuten Bewegung pro Woche erreichten, verfügten über einen um sieben bis zehn Prozent größeren Hippocampus als inaktive Altersgenossen.

Relevanz von Alltagsaktivitäten und sozialen Netzwerken

Neben Bewegung beeinflussen soziale Kontakte und komplexe Herausforderungen die geistige Spannkraft maßgeblich. Eine Untersuchung im Journal of Epidemiology & Community Health, die Daten von 57.793 Personen im Alter von 57 bis 73 Jahren aus 24 Ländern bündelte, stellte einen klaren Zusammenhang fest: Die Teilnahme an sozialen Gruppen ging mit höheren kognitiven Testwerten einher.

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Insbesondere ehrenamtliche Tätigkeiten und Mitgliedschaften in Sportvereinen waren mit einem geringeren Risiko für kognitiven Abbau verbunden, wobei Personen mit mindestens drei Aktivitäten den stärksten Schutz aufwiesen.

Auch komplexe Kultur- und Lernformen fordern das Gehirn mehrdimensional. Der Neurologe Prof. Dr. Frank Erbguth von der Deutschen Hirnstiftung verweist darauf, dass Aktivitäten wie das Musizieren Gedächtnis, Feinmotorik, sensorische Verarbeitung und emotionale Aspekte gleichzeitig beanspruchen; eine Auswertung von 33 Studien belege positive Effekte der Musiktherapie auf das Gedächtnis.

Zusammen mit ausreichender Erholung – für Erwachsene werden sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht empfohlen – erweisen sich reale, vielschichtige Aktivitäten dem isolierten Softwaretraining somit als überlegen.

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