Gehirntraining, Bewegung

Gehirntraining: Bewegung senkt das Demenzrisiko laut Studiendaten um 14 Prozent

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 19:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Koordination, körperliche Aktivität und soziale Kontakte fördern die Gehirngesundheit; isolierte Denkspiele zeigen nur begrenzten Alltagstransfer.
Ein von der Sonne durchfluteter Waldweg im Herbst, der Ruhe und Bewegung in der Natur symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns bleibt nicht auf junge Jahre beschränkt, sondern lässt sich über die gesamte Lebensspanne hinweg gezielt anregen.

Fachbeiträge aus der Neurowissenschaft und Neuropsychologie verdeutlichen, dass angenehme Reize und körperliche Aktivität eine zentrale Rolle für die Neuroplastizität spielen. Das Gehirn bleibt bis ins hohe Alter hinein formbar und vermag auftretende Defizite teilweise eigenständig zu kompensieren.

Grenzen isolierter Denkspiele und der Wert von Koordination

Reine Denksportaufgaben am Bildschirm stoßen beim Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit oft an methodische Grenzen. Eine Meta-Analyse im Fachjournal Neuropsychology Review, die 43 Studien auswertete, belegt, dass der Transfereffekt rein isolierter Denkspiele auf die Bewältigung des alltäglichen Lebens stark begrenzt ausfällt.

Demgegenüber erzielen Formate, die geistige Herausforderungen mit körperlicher Koordination verknüpfen, nachhaltigere Wirkungen. So kombiniert beispielsweise das Trainingsformat des Jonglierens spezifische Wurf- und Fangübungen mit kognitiven Lerneinheiten, um exekutive Funktionen und neuronale Anpassungsprozesse anzuregen.

Dass physische Betätigung einen spürbaren Mehrwert liefert, untermauert auch eine weitere Meta-Analyse im British Journal of Sports Medicine, die Daten von über 258.000 Menschen umfasst: Aktivitäten wie Wandern, Radfahren und Tanzen unterstützen die Gehirngesundheit demnach deutlich wirksamer als rein virtuelle Übungen. Zudem zeigen Studiendaten, dass regelmäßige Bewegung das Demenzrisiko um 14 Prozent senken kann.

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Bei einer Veranstaltung in Schaffhausen unterstrich die Neurowissenschaftlerin Dr. Barbara Studer, dass effektives Gehirntraining weit über das klassische Lösen von Rätseln hinausgehe. Ausschlaggebend sei vielmehr das Zusammenspiel von körperlicher Bewegung, emotionaler Beteiligung, akustischen Reizen sowie einer empfundenen Sinnhaftigkeit.

Ganzheitliche Prävention und beeinflussbare Risikofaktoren

Für den langfristigen Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit kommt es auf ein breites Zusammenspiel mehrerer Lebensgewohnheiten an. Marisa Koini von der Medizinischen Universität Graz empfiehlt vor diesem Hintergrund eine kombinierte Praxis aus geistiger Beanspruchung, regelmäßiger Bewegung, stabilen sozialen Kontakten, ausreichend Schlaf und einer ausgewogenen Ernährung. Als besonders wirkungsvoll gelten Aktivitäten, die verschiedene sensorische und motorische Fähigkeiten zeitgleich beanspruchen.

Koini verweist zudem auf eine Reihe beeinflussbarer Risikofaktoren, die einen kognitiven Abbau beschleunigen können. Dazu zählen Bewegungsmangel, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen, soziale Isolation sowie Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung.

Während gelegentliche Gedächtnislücken im fortgeschrittenen Alter als Teil normaler Alterungsprozesse einzustufen seien, werde es kritisch, sobald Aussetzer den gewohnten Alltag spürbar beeinträchtigen. In solchen Fällen sei eine neurologische oder neuropsychologische Abklärung ratsam.

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Emotionale Faktoren und der Stellenwert sozialer Interaktion

Neben physischen Komponenten entscheidet auch die Haltung über den Erfolg kognitiver Prozesse. Die Lernforscherin Barbara Studer betont, dass erfolgreiches Lernen stets Sinnhaftigkeit, einen persönlichen Nutzen sowie förderbare Neugier voraussetze. Emotionen fungierten gewissermaßen als Dünger für neuronale Lernprozesse, weshalb kontinuierliches Lernen auch einen präventiven Schutzfaktor gegen Demenzerkrankungen darstelle.

In der praktischen Wissensvermittlung zeigt sich zudem, dass psychologische Barrieren den Wissenserwerb hemmen. Die Spanischlehrerin Andrea Gatani hält fest, dass Versagensängste Lernprozesse blockieren, während das Zulassen von Fehlern für den Erkenntnisgewinn unverzichtbar sei.

Bei der Integration moderner Werkzeuge könne künstliche Intelligenz zwar beim Übersetzen und Recherchieren unterstützen, generierte Antworten müssten jedoch stets kritisch überprüft werden.

Gleichzeitig birgt die Digitalisierung neue Risiken für die psychosoziale Gesundheit. Die Kursleiterin Daniela Portmann mahnt zur Vorsicht vor der Gefahr, echte soziale Kontakte durch den Austausch mit Chatbots zu ersetzen. Dies könnte dazu führen, dass sich ohnehin einsame Menschen künftig noch stärker aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen, anstatt von der schützenden Wirkung realer Gemeinschaften zu profitieren.

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