Gemini 3.5 Flash: Googles KI steuert Programme jetzt eigenständig
28.06.2026 - 02:34:52 | boerse-global.de
Googles KI-Modell Gemini 3.5 Flash kann ab sofort eigenständig Bildschirme bedienen und Programme steuern – ein Schritt, der die Art und Weise, wie wir mit Software interagieren, grundlegend verändern könnte.
Seit dem 24. Juni 2026 rollt Google die neue Funktion aus. Die KI ist nun in der Lage, Desktop-Anwendungen, mobile Apps und Browser zu steuern, indem sie Bildschirminhalte analysiert und eigenständig mehrschrittige Aufgaben ausführt. Das betrifft sowohl moderne Webanwendungen als auch ältere Legacy-Programme.
Leistungsdaten im Vergleich
Auf dem OSWorld-Verified UI Control Benchmark, einem Standardtest für die Benutzeroberflächensteuerung, erreicht das Modell 78,4 Prozent. Zum Vergleich: GPT-5.5 von OpenAI liegt mit 78,7 Prozent nur knapp vorne. Entwickler können das Modell über die Gemini-API und die Enterprise Agent Platform nutzen.
Die Preisgestaltung fällt moderat aus: 1,50 Euro pro Million Input-Tokens – ein leichter Anstieg gegenüber den bisherigen 1,25 Euro, aber immer noch deutlich günstiger als manche Konkurrenzangebote. Der Kontextumfang von einer Million Tokens bleibt erhalten und ermöglicht komplexe Automatisierungsabläufe.
Sicherheit als zentrales Thema
Die neue Autonomie birgt auch Risiken. Nenad Tomašev, Senior Scientist bei Google DeepMind, warnt vor sogenannten „Agentenfallen" im offenen Web – speziell präparierten Umgebungen, die automatisierte Systeme ausnutzen sollen. Ein Forscher aus Kalifornien dokumentierte bereits einen finanziellen Verlust, nachdem ein KI-Agent auf eine solche Falle hereingefallen war.
Google reagiert mit einem siebenstufigen Sicherheitskonzept:
- Menschliche Kontrolle: Bei sensiblen oder irreversiblen Aktionen ist die Bestätigung durch den Nutzer Pflicht
- Technische Absicherung: Sandboxing, Eingabebereinigung und automatischer Aufgabenabbruch bei erkannten Angriffen
- Administrative Aufsicht: Erlaubnislisten, Sperrlisten und Ăśberwachungstools zur Verhaltenskontrolle
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Neue Funktionen fĂĽr Chrome und Workspace
Seit dem 26. Juni ergänzt die Funktion „Select From Screen" den Chrome-Browser in Version 149. Windows-, macOS- und Chromebook-Nutzer können damit bestimmte Bereiche einer Webseite markieren und direkt an Gemini senden – ähnlich wie bei mobilen Bildsuchtools. Voraussetzung ist ein angemeldetes Google-Konto.
Parallel erweitert Google seine Workspace-Produkte: Für Google Vids gibt es nun eine persönliche Avatar-Funktion. Nutzer können digitale Abbilder mit ihrem Gesicht und ihrer Stimme erstellen. Die Aufnahmen werden im Google-Konto gespeichert und nach drei Jahren Inaktivität automatisch gelöscht. In Großbritannien, der Schweiz und dem Europäischen Wirtschaftsraum ist dieses Feature vorerst nicht verfügbar.
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Partnerschaften und Marktentwicklung
Beim Google Cloud UK Summit in London Anfang Juni bestätigte das Unternehmen, dass Gemini 3.5 Flash bis Ende Juni auch in Großbritannien über die Enterprise Agent Platform verfügbar sein wird. Besonders hervorzuheben ist die Partnerschaft mit der HSBC: Die Bank setzt die KI für Vermögensverwaltung in über 200 Anwendungsfällen ein und erwartet Einsparungen von mehr als 90 Millionen Euro. Auch mit dem Deloitte AI Studio soll ab Ende Juli eine Zusammenarbeit beginnen.
Die technologischen Fortschritte kommen in einer turbulenten Phase für Alphabet. In der letzten Juni-Woche verließen vier Spitzenforscher das Unternehmen – darunter bekannte Namen aus den Bereichen Proteinfaltung und KI-Programmierung – und wechselten zu Anthropic. Berichten zufolge verlor Alphabet in dieser Zeit über 250 Milliarden Euro an Marktwert. Die Veröffentlichung des Gemini 3.5 Pro Modells wurde auf Juli verschoben.
