Gesundheitsdigitalgesetz: Kabinett beschließt digitales Ökosystem
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 01:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung treibt die Digitalisierung des Gesundheitswesens massiv voran. Mit dem neuen Gesundheitsdigitalgesetz (GeDIG) und der Einführung einheitlicher Datenstandards nach dem FHIR-Prinzip entsteht ein digitales Ökosystem, das Patienten und Ärzten gleichermaßen zugutekommen soll. Das Bundeskabinett verabschiedete das Gesetz am 15. Juli 2026 – ein Meilenstein für die elektronische Patientenakte (ePA).
Die ePA wird zum Gesundheits-Hub
Die ePA entwickelt sich unter dem neuen Gesetz zu einem zentralen „Health Hub" mit erweiterten Funktionen. Künftig sollen Patienten per Volltextsuche in ihren Akten blättern, digitale Impfpässe verwalten und sich über klinische Studien informieren können. Auch die elektronische Überweisung (e-Überweisung) kommt – sie wird ab dem 1. September 2029 verpflichtend sein.
Die Rechnung der Regierung: Rund 445 Millionen Euro jährlich ließen sich durch die digitalen Neuerungen einsparen. Kein Wunder also, dass die Branche gespannt auf die Umsetzung blickt.
Sicherheitsstandards im Wandel
Parallel zum Gesetzesvorhaben läuft bei der nationalen Digitalagentur Gematik ein komplexer Umbau der Sicherheitsinfrastruktur. Betroffen sind die elektronischen Gesundheitsberufekarten (eHBA) und Institutionskarten (SMC-B). Die Umstellung von RSA-2048 auf die modernere ECC-256-Verschlüsselung läuft – mit einer verlängerten Frist bis zum 30. Juni 2026.
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Noch rund 30.000 Karten müssen ausgetauscht werden. Ab dem 1. Januar 2026 werden ohnehin nur noch ECC-basierte Karten produziert. Die Telematikinfrastruktur wird damit auf ein einheitliches Sicherheitsniveau gehoben – ein Ziel, das auch private Anbieter wie Sectra verfolgen, deren Cloud-Dienste jüngst das C5-Typ-2-Zertifikat des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erhielten.
SAP und Co. rüsten sich für FHIR
Große Technologiekonzerne stellen sich auf den Interoperabilitäts-Boom ein. Die SAP sucht in Garching nach Spezialisten für Anwendungsentwicklung, die Krankenhausinformationssysteme (KIS) mit dem SAP-Portfolio verbinden sollen. Im Fokus: Szenarien auf Basis des HL7-FHIR-Standards, der einen reibungslosen Datenaustausch über Unternehmensgrenzen hinweg ermöglicht.
Im globalen Markt für elektronische Patientenakten wurde InterSystems kürzlich von Gartner als führend eingestuft – ein Zeichen für den Trend zu standardisierten Plattformen. Auch Cloud-Anbieter ziehen nach: Oracle Cloud Infrastructure präsentierte eine Hybrid-Architektur, die FHIR-Schnittstellen nutzt, um lokale Systeme mit der Cloud zu verbinden. Bestehende Plattformen wie Mirth Connect und Rhapsody bleiben dabei angebunden.
Internationale Entwicklung und KI-Integration
Der deutsche Vorstoß ist Teil einer globalen Bewegung. Eine Studie von Black Research aus dem dritten Quartal 2026 zeigt: 84 Prozent der Führungskräfte im Gesundheitswesen priorisieren die FHIR-API-Bereitschaft vor internationalen Compliance-Fristen Anfang 2027. Das International Patient Summary (IPS) Coordinating Committee startete zudem ein Register, das die standardisierte Datennutzung in 34 Ländern verfolgt.
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Künstliche Intelligenz hält ebenfalls Einzug in die standardisierten Strukturen. Organisationen wie die IDM gGmbH und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) präsentierten auf Branchentreffen KI-Modelle für die medizinische Dokumentation und Text-zu-Sprache-Anwendungen. Die Effizienzgewinne sind enorm: Statt 15 Minuten pro Eintrag benötigt KI-gestützte Dokumentation nur noch rund drei Minuten.
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