Gesundheitskurse, Kassen

Gesundheitskurse: Kassen zahlen bis 280 Euro trotz GKV-Krise

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 18:56 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Trotz Milliardendefizit in der GKV fördern Kassen weiterhin PrÀventionskurse. Versicherte erhalten bis zu 280 Euro Zuschuss.

GKV-Krise: Bis zu 280 Euro Zuschuss fĂŒr Gesundheitskurse sichern
Gesundheitskurse - Eine Gruppe Menschen praktiziert Yoga oder leichte Übungen bei Sonnenaufgang an einem Strand oder See, symbolisiert Gesundheitskurse im Urlaub. 07.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Trotz der angespannten Finanzlage in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleibt die Förderung von Gesundheitskursen bestehen. Versicherte können weiterhin ZuschĂŒsse zu PrĂ€ventionsmaßnahmen bekommen – auch wenn sie diese im Urlaub absolvieren.

JĂ€hrlich fließen rund 218,4 Millionen Euro in PrĂ€ventionsmaßnahmen. Das entspricht etwa 1,9 Millionen Kursteilnahmen. Die Kassen halten an diesem Angebot fest, obwohl die Finanzdebatte um die GKV immer lauter wird.

Bis zu 280 Euro Zuschuss möglich

Die Bezuschussung fĂŒr Kurse zu Bewegung, Entspannung oder ErnĂ€hrung liegt zwischen 75 und 200 Euro. Bei spezialisierten Anbietern von Gesundheitsreisen sind unter bestimmten Voraussetzungen sogar bis zu 280 Euro drin.

Wichtig: Die Förderung deckt ausschließlich die KursgebĂŒhren. Anreise, Unterkunft und Verpflegung mĂŒssen die Versicherten selbst zahlen. Einige Anbieter locken bereits mit viertĂ€gigen Aufenthalten ab 39 Euro – Ziele sind unter anderem Bad Lauterberg, Bad Kissingen oder RĂŒgen.

Wer lieber zu Hause bleibt, kann auf zertifizierte Online-PrĂ€ventionskurse setzen. Ein Qi-Gong-Kurs fĂŒr 119 Euro wird von den Kassen oft zu 100 Prozent erstattet.

Zertifizierung ist Pflicht

Voraussetzung fĂŒr die Erstattung: Die Kurse mĂŒssen von der Zentralen PrĂŒfstelle PrĂ€vention (ZPP) zertifiziert sein. Versicherte strecken die Kosten zunĂ€chst vor und bekommen das Geld nach erfolgreicher Teilnahme zurĂŒck. Voraussetzung ist in der Regel eine Anwesenheit von mindestens 80 Prozent.

Die Anbieter mĂŒssen spezifische Kurs-Identifikationsnummern bereithalten. Nur so funktioniert die Abrechnung mit den Kassen.

Die Nachfrage nach PrĂ€ventionskursen steigt. Der Grund: Das wachsende Bewusstsein fĂŒr Langzeiterkrankungen. Besonders Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Leiden treiben die Kosten im System. Psychische Erkrankungen machen zwar nur einen kleinen Teil der Krankschreibungen aus – dauern im Durchschnitt aber mehr als fĂŒnf Wochen. Das Krankengeldvolumen erreichte 2025 bereits 21,6 Milliarden Euro.

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GKV steht vor Milliardendefizit

Die Beibehaltung der PrĂ€ventionszuschĂŒsse fĂ€llt in eine Zeit massiver Sparmaßnahmen. FĂŒr 2027 wird eine FinanzierungslĂŒcke von 18,8 bis 19 Milliarden Euro erwartet.

Die geplanten Gegenmaßnahmen sind vielfĂ€ltig:

Der Bundeszuschuss soll 2027 bei 14,15 Milliarden Euro liegen – ursprĂŒnglich waren 12,75 Milliarden geplant. Ab 2028 sinkt er auf 12,95 Milliarden. Der Bund beteiligt sich zudem mit einer Milliarde Euro an den Krankenkosten von Grundsicherungsbeziehern. Bis 2031 steigt dieser Betrag auf 2,75 Milliarden.

Die Pharmaindustrie muss stÀrker zur Kasse gebeten werden: Der Herstellerabschlag auf Medikamente wird auf 15,5 Prozent verdoppelt. Kassenvertreter kritisieren, dass dies dennoch eine Schonung der Industrie bedeute.

BeitragssĂ€tze stabil – aber neue Belastungen

Der allgemeine Beitragssatz bleibt bei 14,6 Prozent, der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 2,9 Prozent. Doch ab 2028 gibt es eine Neuerung: Mitversicherte Ehepartner zahlen dann einen Beitrag von 2,5 Prozent. Ausgenommen sind Eltern mit Kindern unter 12 Jahren.

Die Zuzahlungen fĂŒr Medikamente steigen um 50 Prozent – von bislang 7,50 Euro auf bis zu 15 Euro. Eine automatische jĂ€hrliche Anpassung wurde aber wieder verworfen.

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Zur Gegenfinanzierung greift der Staat auf Einnahmen aus einer Zuckersteuer und der Tabaksteuer zurĂŒck. Allein die Zuckersteuer soll 2027 Mehreinnahmen von 650 Millionen Euro bringen, in den Folgejahren rund 450 Millionen jĂ€hrlich.

Trotz aller Maßnahmen bleibt die langfristige StabilitĂ€t der BeitrĂ€ge ungewiss. Tiefgreifende Strukturreformen stehen weiterhin aus.

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