GLP-1-Agonisten, EMA

GLP-1-Agonisten ab Juli: EMA empfiehlt neue Adipositas-Therapie

04.07.2026 - 17:21:09 | boerse-global.de

Viszerales Fett erhöht Krankheitsrisiken. Krafttraining reduziert Bauchumfang effektiver als Ausdauersport. Neue Studien belegen die Wirksamkeit.

Bauchfett ade: Krafttraining und Ernährung als Schlüssel
GLP-1-Agonisten - Eine Nahaufnahme des Bauches einer Person, die viszerales Fett im Körperinneren subtil hervorhebt. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Viszerales Fettgewebe im Bauchraum gilt als aktives Organ, das Entzündungsprozesse fördert und das Risiko für chronische Krankheiten drastisch erhöht.

Die biochemische Gefahr des viszeralen Fetts

Viszerales Fett unterscheidet sich grundlegend von Unterhautfettgewebe. Es verfügt über eine vierfach höhere Dichte an Cortisol-Rezeptoren – macht es besonders anfällig für stressbedingte Einlagerungen. Forschungsergebnisse aus der Fachzeitschrift „Psychosomatic Medicine“ belegen diesen Zusammenhang.

Die kritischen Grenzwerte: Ein Taillenumfang von mehr als 102 Zentimetern bei Männern und 89 Zentimetern bei Frauen gilt als Warnsignal. Dahinter steckt ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Alzheimer.

Selbst bei normalem BMI kann die Gefahr lauern. Eine Untersuchung mit über 470.000 Teilnehmern aus 91 Ländern zeigte: Etwa jeder fünfte Erwachsene mit Normalgewicht hat einen kritischen Taillenumfang. Der BMI allein trügt also.

Eine Ende Juni 2026 veröffentlichte Studie identifizierte zudem spezialisierte Stammzellen. Diese alterungsaktivierten Zellen beschleunigen die Produktion von viszeralem Fett in der Lebensmitte – unabhängig von der Kalorienaufnahme.

Krafttraining schlägt Ausdauertraining

Im Kampf gegen Bauchfett hat sich eine Trainingsmethode als besonders effektiv erwiesen: Krafttraining. Eine Harvard-Langzeitstudie mit über 10.000 Männern über 12 Jahre liefert klare Daten.

Tägliches Krafttraining von rund 20 Minuten reduziert den Taillenumfang deutlicher als zeitlich vergleichbares Ausdauertraining. Der Grund: Mehr Muskelmasse erhöht den Grundumsatz und optimiert die Blutzuckeraufnahme. Steigt die Muskelmasse um 10 Prozent, sinkt das Risiko für Prädiabetes um 10 Prozent.

Anzeige

Ab 50 verliert der Körper jedes Jahr Muskelmasse – ein Prozess, der den Stoffwechsel verlangsamt und die Einlagerung von viszeralem Fett begünstigt. Ein Experte erklärt, wie Sie mit nur 6 einfachen Übungen zuhause gezielt gegensteuern können. 6 Krafttrainings-Übungen kostenlos als PDF herunterladen

Die optimale Dosis? 90 bis 119 Minuten Krafttraining pro Woche. Dieser Aufwand senkt das allgemeine Sterberisiko um 13 Prozent und das Risiko für einen Herz-Kreislauf-Tod um 19 Prozent. Auch für Frauen im fortgeschrittenen Alter gilt: Eine höhere Griffkraft korreliert mit einer um 12 Prozent geringeren Sterblichkeit, wie Daten der Women's Health Initiative zeigen.

Ernährung: Die richtige Strategie

Fachleute empfehlen eine Makronährstoffverteilung von 50 Prozent Kohlenhydraten, 30 Prozent Proteinen und 20 Prozent Fetten. Besonders wichtig: lösliche Ballaststoffe. Schon 10 Gramm täglich können die Ansammlung von Bauchfett über fünf Jahre um 4 Prozent senken.

In der Praxis hat sich das „Tellermodell“ bewährt: Die Hälfte der Mahlzeit besteht aus Gemüse und Obst, Eiweiß und komplexe Kohlenhydrate teilen sich die andere Hälfte.

Anzeige

Besser schlafen, weniger Rückenschmerzen und mehr Energie durch den Aufbau funktionaler Muskulatur – das gelingt ab 50 auch ohne Fitnessstudio. In diesem kostenlosen Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Krafttraining ganz einfach in Ihren Alltag integrieren. Gratis-Ratgeber: Krafttraining ab 50 sichern

Ein vielversprechender Forschungsansatz beschäftigt sich mit dem Protein MTCH2 („Mitch“). Es steuert den Fettstoffwechsel. Das Weizmann-Institut konnte im „EMBO Journal“ zeigen: Die Deaktivierung dieses Proteins erhöht die Fettverbrennung. Krafttraining scheint diesen Prozess epigenetisch zu unterstützen.

Medikamente: Neue Wege in der Adipositas-Therapie

Zur Jahresmitte 2026 gab es bedeutende Fortschritte bei medikamentösen Therapien. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfahl zum 1. Juli eine orale Therapie mit GLP-1-Agonisten. Zeitgleich startete in den USA ein großflächiges Programm für Versicherte mit einem BMI ab 35.

Die Wirksamkeit dieser Wirkstoffklasse geht über die Gewichtsreduktion hinaus. Eine im Juni 2026 im „Journal of the American Heart Association“ veröffentlichte Studie mit 26.000 Teilnehmern belegt: Bei adipösen Patienten mit Autoimmunerkrankungen sank die Gesamtmortalität unter GLP-1-Agonisten um 44 Prozent. Das Risiko für Lungenembolien verringerte sich um 31 Prozent.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt ein multimodales Vorgehen, das Medikamente mit Lebensstiländerungen kombiniert.

Schlaf als unterschätzter Faktor

Neben Bewegung und Ernährung bleibt die Schlafqualität ein kritischer Faktor. Eine Untersuchung im Fachmagazin „Sleep“ zeigt: Sechs bis sieben Stunden Schlaf pro Nacht sind optimal, um die Einlagerung von viszeralem Fett zu minimieren. Kürzere oder deutlich längere Schlafzeiten wirken sich negativ auf die Fettverteilung aus.

de | wissenschaft | 69689691 |