Gürtelrose-Impfung: Neue Studien belegen 24% weniger Demenzrisiko
21.06.2026 - 09:02:56 | boerse-global.de
Mehrere Großstudien belegen einen überraschenden Nebeneffekt: Wer sich gegen Gürtelrose impfen lässt, erkrankt seltener an Demenz. Die Datenlage ist beeindruckend – doch ein entscheidender Beweis fehlt noch.
24 Prozent weniger Risiko
Eine im Juni in den Annals of Internal Medicine veröffentlichte Studie der Brown University wertete Daten von über 500.000 US-Medicare-Versicherten ab 66 Jahren aus. Ergebnis: Die Impfung mit dem rekombinanten Impfstoff Shingrix senkte das Demenzrisiko um 24 Prozent.
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Bei den Geimpften wurde bei 18,8 Prozent eine Demenz diagnostiziert, bei Ungeimpften bei 24,6 Prozent. Das entspricht einer absoluten Senkung um sechs Prozentpunkte. Besonders profitierten Frauen – der Effekt setzte etwa ein Jahr nach der Immunisierung ein. Die Untersuchung wurde vom Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline finanziert.
Zweite Studie bestätigt Trend
Nur einen Tag später, am 20. Juni, erschien in Alzheimer's & Dementia eine südkoreanische Analyse mit 2,5 Millionen Teilnehmern über 50 Jahren. Auch ein Lebendimpfstoff gegen Gürtelrose zeigte Wirkung: Das Alzheimer-Risiko sank um 25 Prozent, das Risiko für Gedächtnisstörungen um 12 Prozent. Der Effekt trat besonders zwischen zwei und vier Jahren nach der Impfung auf.
Natürliches Experiment aus Wales
Bereits im April hatten Stanford-Forscher im Fachmagazin Nature einen cleveren Datensatz ausgewertet. Ein Impfprogramm in Wales startete im September 2013 mit einer klaren Altersgrenze: Wer am Stichtag 79 war, erhielt die Impfung, 80-Jährige nicht. Dieses natürliche Experiment analysierte über 280.000 Erwachsene.
Das Ergebnis: Der Lebendimpfstoff senkte das Demenzrisiko über sieben Jahre um 20 Prozent.
Vorsicht bei der Interpretation
Trotz der konsistenten Zahlen warnen Fachleute vor voreiligen Schlüssen. Bisher handelt es sich um Beobachtungsstudien – sie liefern keinen Kausalbeweis. Kritiker fragen: Verhalten sich geimpfte Menschen grundsätzlich gesundheitsbewusster? Um die tatsächliche Wirkung zu bestätigen, planen Forschungseinrichtungen in den USA und Großbritannien randomisierte klinische Studien.
Neue Diagnostik und weitere Hoffnungsträger
Parallel zur Impfstoffforschung gibt es Fortschritte in der Alzheimer-Diagnostik. Roche erhielt die CE-Kennzeichnung für einen Bluttest, der den Biomarker pTau217 identifiziert. Gemeinsam mit der HISCL-Plattform von Sysmex analysiert er Alzheimer-Merkmale innerhalb von 17 Minuten mit über 90 Prozent Genauigkeit. KI-gestützte Tests der Washington University erreichen sogar 92,3 Prozent.
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Auch Medikamente aus anderen Bereichen rücken in den Fokus: SGLT2-Hemmer (Diabetes-Medikamente) könnten das Alzheimer-Risiko um bis zu 43 Prozent senken, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent – das legen Langzeitdaten von 2014 bis 2023 nahe.
Was das für die Gesundheitspolitik bedeutet
Die Zahlen sind vor dem Hintergrund steigender Demenzfälle erheblich. Für Deutschland prognostizieren Experten bis 2060 rund 2,1 Millionen Fälle. In Großbritannien, wo etwa eine Million Menschen mit Demenz leben, liegt die Impfquote bei den über 70-Jährigen trotz NHS-Angebot bei nur 53,1 Prozent. Forscher errechneten: Mit einer konsequenten Impfstrategie wäre rechnerisch eine von 17 Demenzdiagnosen vermeidbar.
