Herbstblues, SAD

Herbstblues und SAD: Warum Lichtmangel die Psyche aus dem Gleichgewicht bringt

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Lichtmangel, Wetterumschwünge und Zyklusveränderungen können das seelische Wohlbefinden belasten; ein Tübinger Forschungsprojekt untersucht hormonelle Mechanismen.
Ein minimalistischer Raum an einem bewölkten Herbsttag mit sanftem, diffusem Licht, das durch ein Fenster fällt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, wie stark herbstliche Dunkelheit, klimatische Bedingungen sowie hormonelle Schwankungen das psychische Befinden und das Entstehen von Angstzuständen beeinflussen. Der jahreszeitliche Wechsel konfrontiert den Organismus mit veränderten Umweltreizen, die messbare biochemische Veränderungen im Gehirn nach sich ziehen können.

Saisonale Depression und die Folgen von Lichtmangel

Mit kürzeren Tagen und abnehmender Sonnenstrahlung steigt das Risiko für seelische Verstimmungen. Während ein vorübergehender Herbstblues als biologische Anpassungsreaktion auf das verringerte Lichtangebot gilt, stellt die saisonal abhängige Depression (SAD) ein wiederkehrendes Krankheitsbild dar.

Laut der American Psychiatric Association sind in den USA etwa 1 von 20 Menschen von SAD betroffen, wobei Frauen rund viermal anfälliger sind als Männer und die Episoden typischerweise etwa 40 Prozent des Jahres andauern.

Erin Wojewodzki von OSF HealthCare verweist darauf, dass die Erkrankung meist im Alter zwischen 18 und 30 Jahren diagnostiziert wird. Neben Antriebslosigkeit, Depressionen und Schuldgefühlen gehören Heißhunger auf Kohlenhydrate, Schlafstörungen und Suizidgedanken zu den Merkmalen.

Das U.S. National Institute of Mental Health erklärt, dass eine solche Diagnose voraussetzt, dass vergleichbare Symptome in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren im selben Zeitraum aufgetreten sind. Eine unbehandelte SAD kann nach Angaben der Mayo Clinic zudem zu Angststörungen und Substanzmissbrauch führen.

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Als Auslöser gelten vor allem Stress, Genetik und Lichtmangel, durch den der Serotoninspiegel absinken und tagsüber vermehrt Melatonin gebildet werden kann. Der Psychiater Dr. Norman Rosenthal, der den Begriff SAD im Jahr 1984 nach ersten Forschungen prägte, rät Betroffenen zur Lichttherapie mit speziellen Lampen von rund 10.000 Lux für täglich 20 bis 30 Minuten sowie zu strukturierten Mahlzeiten innerhalb eines Fensters von 10 bis 12 Stunden.

Körperliche Reaktionen auf Wetter und Temperaturwechsel

Nicht nur Lichtverhältnisse, sondern auch Luftdruck-, Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen belasten den Körper. Wetterfühligkeit gilt zwar nicht als eigenständige Krankheit, äußert sich jedoch bei vielen Personen durch Schwindel, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme.

Die Deutsche Herzstiftung warnt davor, dass sich Blutgefäße bei plötzlich fallenden Temperaturen verengen, wodurch bei Bluthochdruck das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigt.

Darüber hinaus schlagen auch klimatische Bedingungen auf die Psyche durch. Der Psychologe Trevor Harley betont, dass stärkere Winde sowie extreme Wetterlagen wie Rekordhitze, anhaltender Regen und Schnee das Seelenheil beeinträchtigen können.

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Nach Angaben des Psychiaters Prof. Alkomiet Hasan von der Universität Augsburg ist ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um ein Grad mit einem Anstieg der Suizide um ein Prozent verbunden, während sogenannte Tropennächte mit Werten von über 20 Grad Aggressionen und Depressionen zusätzlich verstärken können.

Zyklusbedingte Schwankungen und Angstzustände

Parallel zu äußeren Faktoren wirken innere hormonelle Abläufe auf das emotionale Gleichgewicht ein. Angaben von frauenaerzte-im-netz.de zufolge sind rund 70 bis 90 Prozent aller Frauen in der zweiten Zyklushälfte von prämenstruellen Beschwerden (PMS) betroffen, bei denen Angstzustände, Reizbarkeit und Depressionen zu den zentralen Symptomen zählen.

Bei der schwereren prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) reagiert das Nervensystem überempfindlich auf gewöhnliche Hormonveränderungen. Weltweit sind laut Experten schätzungsweise 3 bis 8 Prozent aller menstruierenden Personen betroffen, was in Deutschland einer Zahl von 450.000 bis 1,2 Millionen Menschen entspricht.

Neurowissenschaftlerin Maria Kühne von der Universität Magdeburg verweist darauf, dass unter anderem das Neurosteroid Allopregnanolon und ein verstärkter Rücktransport von Serotonin an den Beschwerden beteiligt sind.

Zur vertieften Erforschung dieser Mechanismen richtete die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universität Tübingen ein Graduiertenkolleg zur psychischen Gesundheit von Frauen ein, das mit rund 7 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert wird.

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