Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkt

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben hĂ€ufigste Todesursache – Herzinfarkte gehen stark zurĂŒck

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 12:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben in Deutschland die hĂ€ufigste Todesursache. 2025 starben daran jedoch 1,5 Prozent weniger Menschen als im Vorjahr; seit 2022 gingen die TodesfĂ€lle durch Herzinfarkte besonders stark zurĂŒck.

Die Zahl tödlicher Herzinfarkte ist im Jahresvergleich zurĂŒckgegangen. - Bild: Frank Molter/dpa
Die Zahl tödlicher Herzinfarkte ist im Jahresvergleich zurĂŒckgegangen. - Bild: Frank Molter/dpa

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland auch 2025 die hÀufigste Todesursache geblieben, doch die Zahl der TodesfÀlle sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent auf 334.100.

Deutlicher RĂŒckgang seit 2022

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag der RĂŒckgang gegenĂŒber 2022 bei 6,7 Prozent. Besonders deutlich nahm die Zahl der TodesfĂ€lle durch Herzinfarkte ab: Sie sank um 15,2 Prozent.

Auch bei zerebrovaskulĂ€ren Krankheiten gingen die TodesfĂ€lle zurĂŒck. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem SchlaganfĂ€lle, Hirnblutungen und Hirninfarkte. Der RĂŒckgang seit 2022 betrug 6,3 Prozent, nachdem die Zahlen zwischen 2019 und 2022 noch gestiegen waren.

FrĂŒhere Diagnose und bessere Therapie

Thomas VoigtlĂ€nder, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, fĂŒhrt die Entwicklung vor allem auf frĂŒhere Diagnosen und bessere medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zurĂŒck. Blutdruck, Blutzucker und Blutfette wĂŒrden stĂ€rker berĂŒcksichtigt als frĂŒher. „Das ist ein Punkt, der so langsam durchschlĂ€gt“, sagte VoigtlĂ€nder.

Frauen und Àltere Menschen profitieren

Bei Frauen ging die Zahl der tödlichen Herzinfarkte seit 2022 um 16,8 Prozent zurĂŒck, bei MĂ€nnern um 14,1 Prozent. Alle Altersgruppen verzeichneten einen RĂŒckgang; besonders stark war er bei den 80- bis 85-JĂ€hrigen mit 30,6 Prozent.

Bei zerebrovaskulÀren Krankheiten sank die Zahl der TodesfÀlle seit 2022 bei MÀnnern um 4,6 Prozent und bei Frauen um 7,7 Prozent.

Krebs bleibt zweithÀufigste Todesursache

Insgesamt starben 2025 rund 1,01 Millionen Menschen in Deutschland. Das waren 0,1 Prozent weniger als im Vorjahr und der dritte RĂŒckgang in Folge.

Nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen war Krebs mit 228.800 TodesfÀllen die zweithÀufigste Todesursache. Krankheiten des Atmungssystems folgten mit 81.200 Toten. Auf eine dieser drei Krankheitsgruppen entfielen damit fast zwei Drittel aller TodesfÀlle.

Unterschiede zwischen Frauen und MĂ€nnern

Bei Frauen waren Demenz mit 7,7 Prozent, die chronische ischĂ€mische Herzkrankheit mit 5,8 Prozent und Herzinsuffizienz mit 4,3 Prozent die hĂ€ufigsten einzelnen Todesursachen. Bei MĂ€nnern fĂŒhrten die chronische ischĂ€mische Herzkrankheit mit 7,7 Prozent, bösartige Neubildungen der Bronchien und der Lunge mit 5,2 Prozent sowie der Herzinfarkt mit 4,8 Prozent.

RĂŒckgang trotz hoher Gesamtbelastung

Die Entwicklung markiert eine wichtige Verschiebung: Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben die hĂ€ufigste Todesursachengruppe, zugleich gehen die TodesfĂ€lle seit 2022 deutlich zurĂŒck. Der besonders starke RĂŒckgang bei tödlichen Herzinfarkten spricht dafĂŒr, dass Fortschritte bei FrĂŒherkennung, Notfallversorgung und medikamentöser Behandlung Wirkung zeigen.

Die Statistik beschreibt allerdings TodesfĂ€lle, nicht die gesamte Krankheitslast. Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachten 2024 in Deutschland direkte Krankheitskosten von 69,4 Milliarden Euro und lagen damit an der Spitze. In diese Kosten fließen unter anderem Behandlung, Pflege, PrĂ€vention und Rehabilitation ein; indirekte Folgen wie ArbeitsausfĂ€lle sind nicht enthalten.

PrÀvention bleibt entscheidend

FĂŒr die Bevölkerung bedeutet der RĂŒckgang daher keine Entwarnung. Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes, Rauchen und Übergewicht gehören weiterhin zu den zentralen beeinflussbaren Risiken. Hinzu kommen Umweltbelastungen wie Feinstaub, LĂ€rm und Hitze, die bestehende Risiken verstĂ€rken können.

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen zeigen zudem, dass medizinische Fortschritte nicht alle Menschen gleichermaßen erreichen mĂŒssen. Eine frĂŒhzeitige Diagnose und konsequente Behandlung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten bleiben deshalb zentrale Ansatzpunkte. FĂŒr Betroffene ist besonders relevant, Beschwerden nicht zu ignorieren und bei möglichen Anzeichen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls sofort den Notruf zu wĂ€hlen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesschau: „Statistisches Bundesamt: Krankheitskosten in Deutschland weiter gestiegen“ (08.10.2026)

Der Bericht hebe hervor, die direkten Krankheitskosten in Deutschland seien 2024 auf 528,5 Milliarden Euro gestiegen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachten mit 69,4 Milliarden Euro die höchsten Kosten; damit ergÀnze der Artikel die Todesursachenstatistik um die wirtschaftliche Belastung des Krankheitsgeschehens.

Deutschlandfunk: „Krankheitskosten in Deutschland ĂŒbersteigen halbe Billion Euro“ (08.10.2026)

Der Bericht schreibe, die Krankheitskosten hĂ€tten erstmals die Marke von einer halben Billion Euro ĂŒberschritten, und stelle ebenfalls Herz-Kreislauf-Erkrankungen als teuerste Krankheitsgruppe heraus. Im Unterschied zur dpa-Meldung liege der Schwerpunkt nicht auf der Entwicklung der TodesfĂ€lle, sondern auf den Ausgaben fĂŒr Behandlung, Pflege, PrĂ€vention und Rehabilitation.

Beide Berichte bestĂ€tigten damit die anhaltend große Bedeutung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, setzten den Schwerpunkt jedoch auf die Kosten statt auf die sinkende Sterblichkeit. Offen bleibe, wie stark die aktuellen RĂŒckgĂ€nge langfristig anhalten und wie sich demografische VerĂ€nderungen auf die absolute Zahl der TodesfĂ€lle auswirken.

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