Herzrisiko, Schlaf

Herzrisiko im Schlaf: Modell prĂŒft 10-Jahres-Gefahr mit einer EKG-Ableitung

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Deep-Learning-Verfahren prognostiziert Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz und GesamtmortalitÀt, nicht jedoch zuverlÀssig Herzinfarkte oder SchlaganfÀlle.
Moderne, minimalistische Krankenhausumgebung in kĂŒhlem Licht ohne Personen oder technische GerĂ€te. Illustration mit AI erstellt.

KardiovaskulĂ€re Erkrankungen stellen das Gesundheitssystem vor anhaltende Herausforderungen. JĂ€hrlich werden Millionen Ă€ltere Erwachsene infolge von Beschwerden wie Atemnot, geschwollenen Beinen oder FlĂŒssigkeitsansammlungen in der Lunge in KrankenhĂ€usern stationĂ€r aufgenommen.

Eine in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Sleep“ veröffentlichte Untersuchung einer Forschergruppe zeigt nun neue Möglichkeiten der automatisierten FrĂŒherkennung auf. Durch die Kombination von Schlafphasen-Daten und den Messwerten einer einzelnen Ableitung eines Schlaf-Elektrokardiogramms (EKG) kann ein Deep-Learning-Modell zukĂŒnftige kardiovaskulĂ€re Ereignisse abschĂ€tzen.

Breiter Datenbestand zur Entwicklung und Validierung

FĂŒr die Entwicklung des Systems griffen die Forschenden auf umfangreiche klinische DatensĂ€tze zurĂŒck. Das Modell wurde anhand der Aufzeichnungen von fast 16.000 Patientinnen und Patienten des Massachusetts General Hospital in Boston trainiert.

Um die ZuverlĂ€ssigkeit und Übertragbarkeit der Methode zu prĂŒfen, folgte eine Validierung an zwei weiteren großen Kohorten. Diese umfassten Daten von rund 10.000 Behandelten des Emory University Hospital in Atlanta sowie von ĂŒber 12.000 Personen des Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston. Der methodische Schwerpunkt lag darauf, das 10-Jahres-Risiko fĂŒr schwere kardiovaskulĂ€re VorfĂ€lle und den Tod jeglicher Ursache zu kalkulieren.

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Vorhersagekraft ĂŒber traditionelle Faktoren hinaus

Der prognostische Wert des Algorithmus blieb auch nach einer rechnerischen Korrektur fĂŒr klassische Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI), Diabetes und Hypertonie bestehen. Ebenso berĂŒcksichtigte die Auswertung schlafspezifische Parameter wie die Apnoe-Schwere, Schlafeffizienz und sogenannte Mikro-Arousals, ohne dass der Vorhersagewert dadurch verloren ging.

Fachleute sehen in dem Verfahren ein erhebliches Potenzial zur frĂŒhzeitigen Vorsorge. David Goff vom National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI) erklĂ€rte, dass dieser Ansatz Risikopatienten bereits Jahre vor dem ersten Auftreten klinischer Symptome identifizieren könnte.

Gari Clifford von der Emory University betonte zudem, dass der errechnete Score die Vorhersage im Vergleich zu traditionellen Risikofaktoren verbessere. Ein praktischer Vorteil bestehe darin, dass die Aufzeichnung ĂŒber eine Einzelableitung wesentlich einfacher umsetzbar sei als ĂŒber ein Standard-12-Kanal-EKG.

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Differenzierte Prognose bei spezifischen Krankheitsbildern

Trotz der vielversprechenden Resultate zeigen sich bei der Differenzierung der Endpunkte derzeit noch methodische Unterschiede. Die Vorhersage des Modells gelang insbesondere fĂŒr das Auftreten von Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz sowie fĂŒr die GesamtmortalitĂ€t. Bei anderen kardiovaskulĂ€ren Ereignissen wie Myokardinfarkten oder SchlaganfĂ€llen war eine verlĂ€ssliche Prognose mit dem aktuellen Stand der Technologie hingegen noch nicht möglich.

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