Hitze, Milliarden

Hitze kostet Wirtschaft 115 Milliarden Euro: Produktivität sinkt drastisch

02.07.2026 - 22:27:40 | boerse-global.de

Extreme Temperaturen kosten Deutschland 115 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung. Baugewerbe und Landwirtschaft besonders betroffen.

Hitzewelle 2026: Milliardenverluste durch Produktivitätseinbruch
Hitze - Bauarbeiter wischt sich auf einer Baustelle unter sengender Sonne Schweiß von der Stirn, mit Hitzeflimmern im Hintergrund. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Produktivität sinkt, die Betriebskosten steigen – und das hat handfeste ökonomische Folgen.

Produktivitätseinbußen in Milliardenhöhe

Ab 30 Grad Celsius fällt die Arbeitsproduktivität drastisch. Jedes weitere Grad kostet rund drei Prozent der Wirtschaftsleistung pro Stunde. Für Deutschland bedeutet das: Ein Rückgang der gesamten Wirtschaftsleistung um etwa drei Prozent – umgerechnet 115 Milliarden Euro.

Besonders hart trifft es das Baugewerbe. Drei von five Beschäftigten berichten von deutlichen Produktivitätseinbußen während Hitzephasen, zeigt der Bauindex 2026. Auch die Landwirtschaft leidet: Die Hitzewelle im Juni 2026 führte bei Getreide wie Weizen zur Notreife. Beim Wintergerstenertrag erwarten Experten einen Rückgang von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bis 2030 könnten weltweit 2,2 Prozent der Arbeitsstunden ausfallen. Das sind keine abstrakten Prognosen mehr – das ist Realität.

Was Arbeitgeber tun müssen

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A3.5) legen ein klares Stufenmodell fest:

  • Ab 26 Grad: Schutzmaßnahmen empfohlen
  • Ab 30 Grad: Maßnahmen für Arbeitgeber verpflichtend
  • Über 35 Grad: Räume ohne Gegenmaßnahmen gelten als ungeeignet

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales rät zu betrieblichen Hitzeschutzplänen. Dazu gehören Hitzeschutzbeauftragte und die Nutzung von Warnungen des Deutschen Wetterdienstes.

Ein Barometer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zeigt: 15 Prozent der Beschäftigten sehen Hitze bereits als konkretes Unfallrisiko.

Anzeige

Extreme Temperaturen am Arbeitsplatz erfordern eine rechtssichere Anpassung der Arbeitsschutzmaßnahmen, um Unfälle und Bußgelder zu vermeiden. Dieser kostenlose Report liefert Ihnen praxiserprobte Vorlagen und Checklisten, mit denen Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung sofort behördenkonform optimieren. 5 sofort umsetzbare Schutzmaßnahmen entdecken

800 Hitzetote in diesem Jahr

Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch. Bis zum 21. Juni 2026 registrierte das Robert Koch-Institut rund 800 hitzebedingte Todesfälle. Die Altersgruppe der über 85-Jährigen ist mit 500 Fällen am stärksten betroffen.

Zum Vergleich: In den Jahren 2023 bis 2025 waren es jeweils etwa 3.000 Hitzetote pro Jahr.

Der österreichische Arbeitsklima Index zeigt: Psychische Belastungen und Zeitdruck nehmen besonders im Gesundheitswesen, Tourismus und Bauwesen zu. Etwa ein Drittel der Bau-Beschäftigten arbeitet regelmäßig im Freien – direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt.

Infrastruktur am Limit

Die Hitze setzt auch der öffentlichen Infrastruktur zu. In Köln maßen Fahrer in Straßenbahnen ohne Klimaanlage Temperaturen von bis zu 46 Grad Celsius. Neue, klimatisierte Züge sollen erst 2027 und 2028 in Betrieb gehen. Auch in bayerischen Regionalzügen fielen Kühlsysteme vermehrt aus.

Einige Unternehmen reagieren kreativ: Ein Betrieb in Allschwil führte bei Temperaturen über 30 Grad einen Sechs-Stunden-Tag ein – ohne Gehaltskürzung. Die Begründung: Konzentration und Arbeitssicherheit müssen gewährleistet sein.

Anzeige

Ob Hitze oder andere Belastungen – Arbeitsschutzprofis stehen vor der Herausforderung, ihre Dokumentation stets rechtssicher und aktuell zu halten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Praxis-Guide, wie Sie bei der Gefährdungsbeurteilung Zeit sparen und die Sicherheit im Betrieb nachhaltig erhöhen. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber herunterladen

Klimaanlagen-Boom leert Lager

Die Nachfrage nach Kühlung explodiert. Ein großer Online-Händler meldete für Juni 2026 einen Verkaufsanstieg von Klimaanlagen um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Lager sind vielerorts leer – Nachschub aus Asien kommt oft erst nach der Saison.

Die Preise ziehen an: Der Durchschnittspreis für Klimageräte stieg von 381 auf 452 Franken. Besonders gefragt sind mobile Split-Geräte – ihr Marktanteil wuchs innerhalb von zwei Jahren deutlich.

de | wissenschaft | 69676720 |