Hochdosierte Vitamine: Forscher warnen vor erhöhtem Krebsrisiko
04.07.2026 - 20:35:07 | boerse-global.de
Doch aktuelle Studien zeigen: Die pauschale Einnahme ist nicht nur unnötig, sondern kann sogar gefĂ€hrlich sein. Experten raten zu einer gezielten Supplementierung â aber nur nach klarer Bedarfsanalyse.
Supplemente nur bei nachgewiesenem Mangel
Die Wirksamkeit von Vitaminen hÀngt entscheidend vom individuellen Versorgungsstatus ab. Fehlt ein Mangel, entfalten die PrÀparate kaum Wirkung. Moderne Diagnoseverfahren wie Darmmikrobiom-Tests können helfen, den persönlichen NÀhrstoffbedarf zu ermitteln.
Besonders relevant ist das bei ErschöpfungszustĂ€nden. Rund 30 Prozent der Deutschen fĂŒhlen sich zwei- bis dreimal pro Woche mĂŒde, 18 Prozent sogar tĂ€glich. Die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) erlaubt gesundheitsbezogene Werbeaussagen fĂŒr Vitamine gegen MĂŒdigkeit nur dann, wenn die Wirkung wissenschaftlich belegt ist.
Hohe Dosen können Krebsrisiko erhöhen
Neuere Forschungen mahnen zur Vorsicht bei hochdosierten Vitaminen. Eine Studie aus dem Jahr 2019 deutete darauf hin, dass extrem hohe Dosen von Vitamin B12 das Wachstum vorhandener Krebszellen verstĂ€rken könnten. Eine Untersuchung von 2023 im Journal of Clinical Investigation zeigte zudem: Die Antioxidantien Vitamin A, C und E können in hohen Konzentrationen die Bildung von BlutgefĂ€Ăen in Tumoren aktivieren.
Die Deutsche Krebsgesellschaft rĂ€t daher ausdrĂŒcklich davon ab, Supplemente ohne medizinisch festgestellten Mangel einzunehmen.
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Ăltere Menschen brauchen besondere Aufmerksamkeit
Ab etwa 60 Jahren verĂ€ndert sich der NĂ€hrstoffbedarf. Physiologische VerĂ€nderungen und Medikamente wie SĂ€ureblocker oder Metformin hemmen die Aufnahme wichtiger Stoffe. In der Praxis empfehlen Ărzte dann oft gezielt Vitamin D, Magnesium und Vitamin B12 â um Knochen- oder Muskelschwund vorzubeugen.
Auch die Kombination von NĂ€hrstoffen spielt eine Rolle. Die gleichzeitige Aufnahme von Protein und Vitamin C optimiert die Kollagenbildung. Da die körpereigene Produktion ab dem 25. Lebensjahr jĂ€hrlich um etwa ein bis 1,5 Prozent sinkt, empfehlen Experten tĂ€glich ein Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Eine Studie aus 2021 belegte zudem die Sicherheit einer tĂ€glichen Kollagen-Supplementierung zwischen 2,5 und 10 Gramm ĂŒber 90 Tage.
Neue Erkenntnisse aus der Immunforschung
Die Grundlagenforschung liefert spannende Einblicke. Forschende der UniversitĂ€ten MĂŒnster und Bochum veröffentlichten am 18. Juni 2026 eine Studie in Advanced Science: Erstmals belegen sie, dass Immunzellen direkt mit dem Nervensystem kommunizieren. Neutrophile Granulozyten speichern demnach Katecholamine wie Dopamin und Adrenalin und setzen diese bei EntzĂŒndungsprozessen frei.
Parallel dazu rĂŒcken neue Wirkstoffe in den Fokus:
- Thymosin Alpha 1 (T?1): Reguliert die Immunantwort und bekÀmpft Lymphopenie. Findet unter anderem ErwÀhnung in Empfehlungen der chinesischen Nationalkommission bei respiratorischen Infektionen.
- Vitamin U (S-Methylmethionin): Forschungsergebnisse deuten auf Potenzial beim Schutz der Magen-Darm-Schleimhaut und in der Wundheilung hin.
- SialinsĂ€uren: Eine 2026 in Nature Communications veröffentlichte Arbeit der Medizinischen Hochschule Hannover entschlĂŒsselte Transportwege fĂŒr die O-Acetylierung von SialinsĂ€uren â relevant fĂŒr das VerstĂ€ndnis, wie Coronaviren und Influenza-C-Viren in Zellen eintreten.
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mRNA-Impfstoffe: Hohe Wirksamkeit, aber nachlassender Schutz
Auch die Impfstoffforschung liefert prÀzise Daten. Ein systematischer Review im Lancet, der 68 Studien auswertete, bezifferte die Wirksamkeit von mRNA-Impfstoffen zwei bis sechs Wochen nach der Impfung auf 87 Prozent gegen Infektionen und bis zu 94 Prozent gegen TodesfÀlle. Nach sieben bis acht Monaten sinkt der Schutz vor Infektionen auf etwa 50 Prozent, wÀhrend die Schutzwirkung gegen schwere VerlÀufe mit 80 Prozent weitgehend stabil bleibt.
