HörgerÀte, Senioren

HörgerÀte bei Senioren: 15,34 Prozent erreichten normale Kognition

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach zwei Jahren erreichten mehr HörgerÀtetrÀger normale Kognitionswerte; bei der Demenzinzidenz zeigte sich kein signifikanter Unterschied.

CHOICE-Studie: HörgerÀte verbessern Kognition, Demenzeffekt bleibt offen
Ein lichtdurchfluteter, ruhiger Raum mit Holzboden und sanften Schatten, der eine AtmosphÀre von geistiger Klarheit vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Eine im September veröffentlichte chinesische Studie liefert neue Anhaltspunkte fĂŒr den Zusammenhang zwischen Hörverlust und kognitivem Abbau im Alter.

Die als CHOICE (China Elderly Hearing and Cognitive Health) bezeichnete randomisiert-kontrollierte Studie unter Leitung von Prof. Wu Hao vom Shanghai Ninth People's Hospital wurde in JAMA Neurology online publiziert und untersuchte, ob HörgerÀte bei Àlteren Menschen mit mittelschwerem bis schwerem Hörverlust und leichter kognitiver BeeintrÀchtigung den geistigen Verfall verlangsamen können.

Studiendesign und Teilnehmerzahlen

An CHOICE nahmen 703 Personen ab 60 Jahren teil, das mittlere Alter lag bei 74,5 Jahren. 610 der 703 Teilnehmer schlossen die Studie ab. Die Interventionsgruppe erhielt ĂŒber zwei Jahre eine standardisierte HörgerĂ€teanpassung mit einem Hinter-dem-Ohr-GerĂ€t samt begleitender Anpassung und Beratung, wĂ€hrend die Kontrollgruppe keine hörbezogene Intervention erhielt.

Gemischte Ergebnisse beim primÀren Endpunkt

Beim primĂ€ren Endpunkt – der Demenzinzidenz nach zwei Jahren – zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied: In der Interventionsgruppe entwickelten 3,09 Prozent der Teilnehmer eine Demenz, in der Kontrollgruppe waren es 4,74 Prozent. Das RisikoverhĂ€ltnis lag bei 0,59, der p-Wert bei 0,23. Die Studienautoren fĂŒhrten dies auf die geringe Zahl an Ereignissen zurĂŒck, die die Studie fĂŒr diesen Endpunkt unterpowert erscheinen lasse.

Deutlicher fiel ein sekundÀres Ergebnis aus: 15,34 Prozent der HörgerÀtetrÀger erreichten nach zwei Jahren wieder eine normale Kognition, gemessen an einer Verbesserung der klinischen Demenzbewertung von 0,5 auf 0. In der Kontrollgruppe gelang dies nur 2,36 Prozent. Das entsprechende RisikoverhÀltnis von 5,94 war mit einem p-Wert von unter 0,001 statistisch signifikant.

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Einordnung durch die Fachwelt

Dr. Justin Golub von der Columbia University kommentierte die Studie in JAMA Otolaryngology und ordnete sie in den Kontext der 2023 veröffentlichten ACHIEVE-Studie ein. Diese hatte bei kognitiv intakten Ă€lteren Erwachsenen insgesamt keinen signifikanten Effekt einer dreijĂ€hrigen Hörintervention gefunden, jedoch eine relative Reduktion des kognitiven Abbaus um 48 Prozent in einer Hochrisikogruppe. Golub sieht in CHOICE eine BestĂ€tigung dieser Hochrisikogruppen-Ergebnisse, betont aber, dass die beobachtete EffektgrĂ¶ĂŸe einer Replikation bedĂŒrfe.

Generell verweisen Beobachtungsstudien seit LĂ€ngerem darauf, dass unbehandelter Hörverlust mit schnellerem kognitiven Abbau und einem erhöhten Demenzrisiko einhergeht. Die Lancet-Demenz-Kommission fĂŒhrt Hörverlust auf ihrer Liste modifizierbarer Demenzrisikofaktoren an oberster Stelle.

VersorgungslĂŒcke in China

Die CHOICE-Forscher screenten im Vorfeld ĂŒber 35.000 Senioren in den Regionen Shanghai, Jiangsu und Hainan. Demnach hatten rund 77 Prozent der ĂŒber 60-JĂ€hrigen Hörprobleme, knapp 30 Prozent davon mittelgradig bis schwer.

Trotzdem nutzten laut den Studienautoren nur 3,5 Prozent der Betroffenen ein HörgerĂ€t, bei schwerer Taubheit lag die Nutzung von Cochlea-Implantaten sogar nur bei 0,47 Prozent. Auch die WHO weist darauf hin, dass die PrĂ€valenz behindernden Hörverlusts bei ĂŒber 60-JĂ€hrigen mit dem Alter steigt und bei 90-JĂ€hrigen bis zu 58 Prozent erreichen kann.

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Vorsicht bei der Interpretation

Fachleute mahnen dennoch zur ZurĂŒckhaltung. Die Geriaterin Olga Tkacheva, Direktorin des Russischen Gerontologischen Forschungszentrums, betonte, dass HörgerĂ€te kein eigenstĂ€ndiges Mittel zur DemenzprĂ€vention seien, wohl aber die Kommunikation unterstĂŒtzten.

Die Korrektur von Hör- und Sehstörungen gelte dennoch als Teil eines umfassenderen Ansatzes zur PrÀvention kognitiver Verschlechterung, da unkorrigierter Hör- und Sehverlust zu den bekannten Risikofaktoren zÀhle.

ZusĂ€tzlich kursieren im Netz Berichte ĂŒber angeblich unerwartete kognitive Verbesserungen durch HörgerĂ€te in einer weiteren Studie, deren Details – Studienname, beteiligte Forscher, Publikationsort, StichprobengrĂ¶ĂŸe und Dauer – bislang nicht verifiziert sind. Solche unbestĂ€tigten Angaben sollten von belastbaren, peer-review-geprĂŒften Ergebnissen wie denen der CHOICE-Studie klar unterschieden werden.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70201281 |