Homöopathie-Streit, Deutschland

Homöopathie-Streit: Deutschland streicht, Schweiz behÀlt Kassenleistung

05.07.2026 - 06:40:30 | boerse-global.de

Deutschland plant KĂŒrzungen bei Homöopathie und Zuzahlungen, wĂ€hrend die Schweiz an der VergĂŒtung festhĂ€lt und Ärzte gegen Tarifdeckel protestieren.

Gesundheitspolitik: Deutschland streicht Homöopathie, Schweiz hÀlt fest
Homöopathie-Streit - Ein Mörser und StĂ¶ĂŸel mit getrockneten KrĂ€utern und kleinen GlasflĂ€schchen, die auf Homöopathie hinweisen, vor verschwommenem Hintergrund. 05.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

WĂ€hrend Berlin Homöopathie aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenversicherung streicht, hĂ€lt Bern an der VergĂŒtung fest. Beide LĂ€nder kĂ€mpfen mit steigenden Kosten – und heftigem Widerstand aus der Ärzteschaft.

Homöopathie: Streichung hier, Erhalt dort

In der Schweiz sorgt BundesrĂ€tin Elisabeth Baume-Schneider fĂŒr Diskussionen. Sie will Homöopathie weiterhin als festen Bestandteil der obligatorischen Grundversicherung (OKP) behalten. Kritiker sehen darin einen Widerspruch zum Krankenversicherungsgesetz (KVG). Denn das erlaubt VergĂŒtungen nur bei nachgewiesener Wirksamkeit, ZweckmĂ€ĂŸigkeit und Wirtschaftlichkeit. Untersuchungen zu diesen Kriterien wurden laut Berichten aus diesem Jahr teilweise gestoppt – bei gleichzeitig steigenden PrĂ€mien.

Deutschland geht den umgekehrten Weg. Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht vor, Homöopathie und Cannabis-BlĂŒten als Kassenleistungen zu streichen. Der Bundestag stimmt am 10. Juli 2026 ab. Prof. David Martin von der UniversitĂ€t Witten-Herdecke warnt vor diesem Schritt, besonders bei Kindern. Studien zeigten, dass homöopathische AnsĂ€tze den Antibiotika-Einsatz um 43 bis 57 Prozent senken könnten. Eine Streichung sei „sozial unökonomisch“, so der Mediziner.

Deutsche SparplÀne: 16,3 Milliarden Euro Entlastung

Das deutsche Sparpaket ist ambitioniert. Ab Januar 2027 mĂŒssen Versicherte tiefer in die Tasche greifen. Die Zuzahlungen fĂŒr Medikamente steigen um 50 Prozent – kĂŒnftig zwischen 7,50 und 15 Euro pro Packung. Auch Krankenhausaufenthalte werden teurer: 15 Euro pro Tag statt bisher weniger.

Der Zuschuss zum Zahnersatz sinkt von 60 auf 50 Prozent. FĂŒr 2028 ist zudem ein Partnerbeitrag von 2,5 Prozent fĂŒr die Familienmitversicherung von Ehepartnern geplant. Bestehende HĂ€rtefallregelungen und Belastungsgrenzen fĂŒr chronisch Kranke bleiben erhalten.

Schweiz: Ärzte rebellieren gegen Tarifdeckel

In der Schweiz formiert sich massiver Protest gegen eine Neuregelung der ambulanten Ă€rztlichen Leistungen. Der Ärzteverband FMH, der Spitalverband H+ und der Krankenkassenverband Prioswiss einigten sich auf eine Höchstgrenze von 1577 Taxpunkten pro Arbeitstag – das entspricht etwa 12 Stunden Arbeitszeit. Ab 2027 soll die Regelung gelten.

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MedizinverbĂ€nde kritisieren den Tarifdeckel scharf. Sie sprechen von einem faktischen Lohndeckel. Effizient arbeitende Ärzte könnten ihre Abrechnungsgrenze bereits nach fĂŒnf bis zehn Patienten erreichen. In ZĂŒrich bedeutet das einen maximalen Tagesverdienst von 1435 CHF. Ausgenommen sind nur NotfĂ€lle und administrative TĂ€tigkeiten. Eine Petition gegen die Maßnahme hat bereits mehrere tausend Unterschriften gesammelt.

Psychotherapie: Systemwechsel zeigt Wirkung

Eine Evaluation des Bundesamtes fĂŒr Gesundheit (BAG) zeigt: Der 2022 vollzogene Systemwechsel bei der psychologischen Psychotherapie wirkt. Der direkte Zugang zur VergĂŒtung ĂŒber die OKP hat die Zahl der zugelassenen Therapeuten erhöht und die Versorgung verbessert. Doch der Erfolg hat seinen Preis: Die Ausgaben stiegen von 528 Millionen CHF (2021) auf 922 Millionen CHF (2024).

Zur KostendĂ€mpfung schlĂ€gt der Bundesrat vor, das KVG zu Ă€ndern. Privatpersonen sollen Medizinprodukte wie BlutzuckermessgerĂ€te oder Gehhilfen kĂŒnftig kostengĂŒnstiger in 30 EWR-LĂ€ndern kaufen können – die OKP ĂŒbernimmt die Kosten. Arzneimittel bleiben von dieser Regelung ausgeschlossen.

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Die zustĂ€ndige Nationalratskommission (SGK-N) lehnte hingegen eine GesetzesĂ€nderung ab, die eine Versicherungspflicht fĂŒr auslĂ€ndische Inhaftierte ohne Schweizer Wohnsitz vorgesehen hĂ€tte. Diese Kosten tragen weiterhin die Kantone.

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