Hitze, Jahr

Hitze im Jahr 2023: Mehr als 47.000 Tote in Europa

12.08.2024 - 17:00:35

Im vergangenen Jahr hat es einer Studie zufolge wahrscheinlich gut 47.000 Hitzetote in Europa gegeben - doch es hÀtten noch viel mehr sein können.

  • Ein Mann erfrischt sich an einem Brunnen auf dem Petersplatz, wĂ€hrend die Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius im Vatikan erreichen.  - Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

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  • Pflegerin Ramona Rössner hört ihrer Patientin, der 97-jĂ€hrigen pflegebedĂŒrftigen Seniorin Brigitte Richter, beim Hausbesuch zu. - Foto: Monika Skolimowska/dpa

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  • Den SchĂ€tzungen einer aktuellen Studie zufolge sind 2023 in Deutschland fast 6.400 Menschen an den Folgen hoher Temperaturen gestorben. - Foto: Martin Gerten/dpa

    Martin Gerten/dpa

Ein Mann erfrischt sich an einem Brunnen auf dem Petersplatz, wĂ€hrend die Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius im Vatikan erreichen.  - Foto: Gregorio Borgia/AP/dpaPflegerin Ramona Rössner hört ihrer Patientin, der 97-jĂ€hrigen pflegebedĂŒrftigen Seniorin Brigitte Richter, beim Hausbesuch zu. - Foto: Monika Skolimowska/dpaDen SchĂ€tzungen einer aktuellen Studie zufolge sind 2023 in Deutschland fast 6.400 Menschen an den Folgen hoher Temperaturen gestorben. - Foto: Martin Gerten/dpa

Mehr als 47.000 Menschen sind nach ExpertenschÀtzungen 2023 in Europa an den Folgen hoher Temperaturen gestorben, dem weltweit wÀrmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die entsprechende Modellierungsstudie unter Leitung des «Barcelona Institute for Global Health» wurde im Fachblatt «Nature Medicine» veröffentlicht. Darin berichtet die internationale Forschungsgruppe aber auch, dass anscheinend eine Anpassung an die Hitze stattgefunden hat. 

Das Team verwendete MortalitĂ€tsdaten des EuropĂ€ischen Statistikamtes (Eurostat) ĂŒber 96 Millionen TodesfĂ€lle, um die hitzebedingte Sterblichkeitslast im Jahr 2023 fĂŒr 823 Regionen in 35 europĂ€ischen LĂ€ndern zu schĂ€tzen.

Diesen SchÀtzungen zufolge gab es im vergangenen Jahr 47.690 hitzebedingte TodesfÀlle in Europa. Dies sei die zweithöchste Sterblichkeitsrate seit Beginn solcher Berechnungen 2015, wobei die höchste Rate 2022 verzeichnet wurde. 

Unter BerĂŒcksichtigung der Bevölkerungszahl stellte die Forschungsgruppe fest, dass die LĂ€nder mit den höchsten hitzebedingten Sterberaten in SĂŒdeuropa liegen: So belegen Griechenland (393 TodesfĂ€lle pro eine Million Einwohner), Bulgarien (229), Italien (209) und Spanien (175) die ersten vier PlĂ€tze der SchĂ€tzung. In Deutschland lag diese Rate 2023 bei 76 TodesfĂ€llen pro eine Million Einwohner.

Frauen und Àltere Menschen besonders gefÀhrdet

In absoluten Zahlen schĂ€tzt die Forschungsgruppe die Zahl der Hitzetoten fĂŒr 2023 auf knapp 12.750 in Italien, gefolgt von 8.352 in Spanien und 6.376 in Deutschland. Hierzulande starben dabei - wie in fast allen untersuchten LĂ€ndern - deutlich mehr Frauen als MĂ€nner an den Hitzefolgen, fĂŒr die insgesamt zudem vor allem Ă€ltere Menschen anfĂ€llig waren. 

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte fĂŒr 2023 in Deutschland eine Zahl von 3200 Hitzetoten ermittelt. Die Zahlen des RKI und des Barcelona-Teams differierten schon fĂŒr 2022. Dazu hatte ein RKI-Experte erlĂ€utert, dass der Unterschied unter anderem mit unterschiedlichen Definitionen von «Hitze» zu tun habe.

Das Team um Elisa Gallo aus Barcelona modellierte nun auch die Auswirkungen der hitzebedingten Sterblichkeit ohne Klimaanpassungsmaßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel Verbesserungen in den Bereichen Gesundheitsversorgung, sozialer Schutz und Lebensstil, Fortschritte bei der Gesundheit am Arbeitsplatz und bei den baulichen Gegebenheiten, ein stĂ€rkeres Risikobewusstsein und wirksamere Kommunikations- und FrĂŒhwarnstrategien.

Effektive Klimaanpassungsmaßnahmen mindern Sterblichkeit

Wie das Forschungsteam schĂ€tzt, könnte die hitzebedingte Sterblichkeit 2023 in der Allgemeinbevölkerung ohne diese Maßnahmen wahrscheinlich um 80 Prozent und in der Bevölkerungsgruppe ab 80 Jahren um ĂŒber 100 Prozent höher liegen. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass es in diesem Jahrhundert gesellschaftliche Anpassungsprozesse an die hohen Temperaturen gegeben hat, die die hitzebedingte AnfĂ€lligkeit und die Sterblichkeitslast der letzten Sommer drastisch reduziert haben, insbesondere bei Ă€lteren Menschen», wird Erstautorin Gallo in einer Mitteilung dazu zitiert. 

Dazu passe, dass sich die minimale Sterblichkeitstemperatur - die optimale Temperatur mit dem geringsten Sterberisiko - seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt des Kontinents allmĂ€hlich erhöht habe, so Gallo, und zwar von 15 Grad Celsius im Zeitraum 2000 bis 2004 auf 17,7 Grad Celsius im Zeitraum 2015 bis 2019: «Dies deutet darauf hin, dass wir weniger hitzeanfĂ€llig sind als zu Beginn des Jahrhunderts, was wahrscheinlich auf den allgemeinen sozioökonomischen Fortschritt, die Verbesserung des individuellen Verhaltens und Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens wie die nach dem Rekordsommer 2003 durchgefĂŒhrten PlĂ€ne zur HitzeprĂ€vention zurĂŒckzufĂŒhren ist.» 

Neues FrĂŒhwarnsystem fĂŒr Europa

Erst kĂŒrzlich hatte die gleiche Forschungsgruppe zudem mit «Forecaster.health» ein Online-FrĂŒhwarnsystem vorgestellt, das fĂŒr 580 Regionen in 31 europĂ€ischen LĂ€ndern Prognosen zum Sterberisiko im Zusammenhang mit KĂ€lte und Hitze nach Geschlecht und Alter liefert. Das kostenlose Tool liefert Prognosen bis zu 15 Tagen im Voraus und basiert nicht nur auf meteorologischen Daten, sondern bezieht auch epidemiologische Modelle ein.

@ dpa.de