Intervallfasten: TEMPUS-Studie findet keinen signifikanten Effekt auf Leberfett
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 09:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deErnährungsmethoden mit festen Zeitfenstern für die Nahrungsaufnahme erfreuen sich breiter Beliebtheit. Befürworter versprechen sich davon spürbare Vorteile für Stoffwechsel und Gesundheit. Wissenschaftliche Untersuchungen liefern jedoch ein differenziertes Bild zu den tatsächlichen Effekten.
Eine am 14. Oktober 2026 im Fachjournal Nature Communications veröffentlichte Untersuchung, die TEMPUS-Studie aus dem spanischen Granada, untersuchte die Auswirkungen von zeitlich begrenztem Essen und körperlicher Aktivität auf den Fettgehalt der Leber.
Ernüchternde Befunde beim primären Endpunkt
An der TEMPUS-Studie nahmen 187 Erwachsene mit Adipositas teil, die auf vier Untersuchungsgruppen aufgeteilt wurden. Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung des Leberfetts mittels Magnetresonanztomografie nach einer Interventionsdauer von 12 Wochen ermittelt.
Weder das zeitlich begrenzte Essen mit einem 8-Stunden-Fenster noch ĂĽberwachter Sport oder die Kombination aus beiden MaĂźnahmen ĂĽbertrafen die reine Lebensstil-Edukation signifikant.
Im Vergleich zur üblichen Versorgung lag die Veränderung des Leberfetts bei der kombinierten Intervention bei minus 1,1 Prozentpunkten. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von minus 2,7 bis 0,5 Prozentpunkten und schloss damit das Fehlen eines Unterschieds ein.
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Gleichwohl zeigten sich in sekundären Analysen der TEMPUS-Studie positive Begleiteffekte. Die Kombination aus zeitlich begrenzter Nahrungsaufnahme und Bewegung verbesserte die körperliche Fitness sowie die Körperzusammensetzung. Zudem verzeichnete eine männliche Untergruppe Vorteile beim Leberfettabbau, und in explorativen Auswertungen unterschritten mehr Teilnehmer die Schwelle zur Fettleber.
Gemischte Evidenz zu Wohlbefinden und Markern
Ähnlich uneinheitlich fallen Ergebnisse anderer Forschungsarbeiten aus. Eine Untersuchung mit 71 gesunden Erwachsenen kombinierte über 12 Wochen ein Ausdauertraining mit einem 10-Stunden-Essensfenster. Die vorab definierte Gesamtanalyse ergab keine statistisch signifikante oder klinisch relevante Veränderung beim psychischen Wohlbefinden, bei Kynurenin-Metaboliten oder bei Entzündungsmarkern.
Erst explorative Subgruppenanalysen zeigten, dass 66,7 Prozent der Teilnehmenden mit vollständigen Datensätzen geringere Angstwerte aufwiesen, einhergehend mit niedrigeren Werten des Metaboliten 3-Hydroxykynurenin.
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Zudem verzeichneten sowohl jüngere als auch ältere Subgruppen einen niedrigeren Body-Mass-Index. Das Studiendesign trennte das Training allerdings nicht vom Zeitfenster der Nahrungsaufnahme.
Im Vorjahr gaben rund 15 Prozent der Amerikaner an, einer Intervallfasten-Diät zu folgen, begünstigt durch die Präsenz des Themas bei Influencern. Während Verfahren wie die 16/8-Methode mit 16 Stunden Fastenzeit, der 5:2-Ansatz mit zwei Reduktionstagen pro Woche oder gelegentliches 24-Stunden-Fasten den Insulinspiegel senken und die Fettverbrennung anregen können, gilt die wissenschaftliche Datenlage zu weitergehenden Vorzügen wie der kognitiven Leistungsfähigkeit als dünn.
Physiologische Abläufe und gesundheitliche Warnungen
Auf biochemischer Ebene verbrennt der menschliche Organismus nach etwa 24 Stunden Fasten vorrangig Fettreserven anstelle von Glukose, während Ketone die Gehirnversorgung übernehmen. Prozesse wie die Autophagie setzen Fachleuten zufolge erst nach mehreren Tagen ein.
Eine britisch-norwegische Studie aus dem Jahr 2024 mit 12 gesunden Freiwilligen, die sieben Tage lang ausschließlich Wasser zu sich nahmen, belegte, dass sich rund ein Drittel der gemessenen Blutproteine veränderte – die meisten Verschiebungen traten ab dem dritten Fastentag auf.
Mediziner raten jedoch von Fastenperioden über einer Woche Dauer ab, da Risiken für Nährstoffmängel drohen. Eine lebensverlängernde Wirkung beim Menschen ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, sondern bislang nur in Tierversuchen dokumentiert; moderate Fastenformen wirken primär über die Verringerung der Kalorienaufnahme.
Besondere Vorsicht mahnen Onkologen und Ernährungsmediziner bei Krebserkrankungen an, da Ratschläge oft ungeprüft aus Labor- oder Tierversuchen übertragen werden.
Daten verdeutlichen die Gefahr: Zwischen 20 und 40 Prozent der Patienten weisen bereits bei Diagnosestellung eine Mangelernährung auf, bei stationären oder fortgeschrittenen Fällen reicht dieser Anteil bis zu 80 Prozent. In Kolumbien werden sieben von zehn Krebspatienten in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert, und drei von zehn Frauen mit Brustkrebs leiden an Muskelschwund.
Bisherige klinische Erhebungen – darunter eine Untersuchung aus 2016 mit 20 Patienten, die Direct-Studie aus dem Jahr 2020 mit 131 Teilnehmerinnen sowie ein Abstract der ASCO aus dem Jahr 2026 mit 36 Ovarialkarzinom-Patientinnen – liefern keine Basis für allgemeine Empfehlungen.
Während einer aktiven Krebstherapie wird von Fasten abgeraten; lediglich bei übergewichtigen Patientinnen mit Brustkrebs kann eine Essenspause von mindestens 13 Stunden im Einzelfall geprüft werden. Generell sollten auch Schwangere, Stillende sowie Personen mit niedrigem Blutdruck oder Essstörungen vor Fastenvorhaben ärztliche Beratung suchen.
