JD.com: 700.000 Mitarbeiter werden für Roboter-Ära umgeschult
05.07.2026 - 05:39:32 | boerse-global.de
Peking – Der chinesische E-Commerce-Riese JD.com reagiert auf die fortschreitende Automatisierung seiner Lieferketten mit einem massiven Umschulungsprogramm. Konzernchef Liu Qiangdong kündigte auf dem APEC-China-Forum an, dass rund 700.000 Arbeiter – darunter Tausende Paketboten – für technische Berufe qualifiziert werden sollen. Das als „Nirwana-Plan“ bezeichnete Projekt sieht Kooperationen mit 120 Bildungseinrichtungen vor. Die Beschäftigten sollen dort unter anderem die Wartung und Reparatur von Robotern erlernen.
Roboter übernehmen die Zustellung
Liu Qiangdong betonte, dass künftige Lieferungen weitgehend von Robotern ausgeführt würden. Dennoch plane das Unternehmen keine Kündigungen. Stattdessen solle die Belegschaft von der physischen Zustellung auf die technische Betreuung der autonomen Flotte umgeschult werden. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund der staatlichen „AI Plus“-Initiative, mit der Peking die Integration Künstlicher Intelligenz in die gesamte Wirtschaft vorantreibt.
Die Entwicklung hin zu fahrerlosen Systemen ist bereits weit fortgeschritten. Einem Weißbuch des chinesischen Expressverbands zufolge wurden 2025 rund 22.000 autonome Lieferfahrzeuge verkauft. Der Gesamtbestand liegt bei etwa 30.000 Einheiten. Diese Fahrzeuge sind mittlerweile in mehr als 200 Städten täglich im Einsatz.
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Rekordzahlen im Paketgeschäft
Die Branche wächst rasant. Die staatliche Postbehörde meldete, dass das Paketaufkommen in China bis Ende Juni 2026 die Marke von 100 Milliarden Sendungen überschritten habe – neun Tage früher als im Vorjahr. Unterstützt wird dieses Wachstum durch moderne Technik:
- Über 95 Prozent der Fernverkehrs-Lkw nutzen das chinesische Beidou-Satellitennavigationssystem
- Drohnen befördern jährlich knapp vier Millionen Sendungen
- Mehr als 75.000 Elektrofahrzeuge sind in der Branche im Einsatz
- Automatisierte Sortieranlagen verkürzen die Bearbeitungszeit um über zwölf Stunden
Neue Absicherung für Plattformarbeiter
Angesichts des Wandels hat die chinesische Regidung zum 1. Juli 2026 eine bundesweite Unfallversicherung für Gig-Worker eingeführt. Das Programm erfasst rund 29,9 Millionen Beschäftigte auf 14 Plattformen – darunter Fahrdienste, Lieferdienste und Kurierfahrten. Die Versicherung ermöglicht flexible Anmeldungen, etwa tagesweise Aktivierung oder Beiträge pro Auftrag. Allein der Lieferdienst Meituan zahlte zwischen Juli 2022 und Juni 2026 über drei Milliarden Yuan (rund 380 Millionen Euro) an Versicherungsbeiträgen für mehr als zehn Millionen Fahrer.
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Neue Gesetze für KI und E-Commerce
Auch der Gesetzgeber reagiert. Am 4. Juli 2026 legte China einen Entwurf zur Novelle des E-Commerce-Gesetzes vor. Die 20 neuen Regelungen zielen auf KI-Agenten, Logistikdienstleister und Zahlungsanbieter ab. Zudem enthalten sie „Gegenmaßnahmen“ zum Schutz chinesischer Plattformen auf internationalen Märkten.
Parallel dazu expandiert die Robotik-Branche über die Logistik hinaus. Das Shenzhener Unternehmen UBTech brachte Anfang Juli den humanoiden Roboter U1 auf den Markt. Der Preis liegt zwischen 119.800 und 990.000 Yuan (rund 15.000 bis 125.000 Euro). Zielgruppe sind Senioren und Einpersonenhaushalte. Bereits über 13.300 Vorbestellungen sind eingegangen, die Auslieferung beginnt im September 2026. China stellte im vergangenen Jahr 85 Prozent aller weltweit installierten humanoiden Roboter.
Chinesische Hersteller autonomer Fahrzeuge drängen zudem ins Ausland. Der Hersteller Neolix erhielt kürzlich die Genehmigung für Tests auf öffentlichen Straßen in Malaysia. Bis Ende 2026 sollen über 10.000 Fahrzeuge in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingesetzt werden.
